ADB:Birk, Sixt

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Artikel „Birck, Sixt“ von Wilhelm Scherer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 656–657, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Birk,_Sixt&oldid=- (Version vom 25. April 2019, 08:48 Uhr UTC)
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Birck: Sixt B. (Xystus Betulejus), Dramatiker und Philolog. Geb. 21. Februar 1500 zu Augsburg als Sohn eines Webers, studirte an den Universitäten Erfurt, Tübingen und Basel[1], früh der Reformation geneigt, 1530 Rector der Schule zu St. Theodor, 1534 Director des theologischen Seminars in Basel, 1536 des neu gestifteten Gymnasiums zu St. Anna in Augsburg. Dieses Amt verwaltete er 16 Jahre lang mit großem Ruhm; vielfache Anregung ging von ihm aus; Wissenschaft, Frömmigkeit, Vaterlandsliebe und der rechte Glaube waren die Ziele seines Unterrichtes. Er war zweimal verheirathet, † 19. Juni 1554. – B. war der erste gelehrte Pädagog, der deutsche Schauspiele verfaßte. Er fühlte sich offenbar durch das Schweizer Volksdrama zur Nacheiferung gereizt, denn die Mehrzahl seiner Stücke scheint in Basel entstanden, wenn auch später erst gedruckt: „Susanna“ 1532, „Beel“ 1535, „Zorobabel“ 1538, „Ezechias“, „Judith“, „Joseph“ 1539. Ohne Act- und Sceneneintheilung hat er sie meist nur durch Chöre gegliedert und eine gewisse Einheit des Ortes aufrecht zu halten gesucht, demgemäß die Handlung zum Theil hinter die Scene verlegt. Fast alle genannten Dramen sind auch lateinisch vorhanden, entweder von ihm selbst oder von andern für die Schule bearbeitet und in strengere Form gebracht. Lateinische Originaldramen scheinen „Eva“ (nach Melanchthon, „Sapientia Salomonis“. „Herodes“; „De vera nobilitate“ ist ein ludus in lateinischer Prosa nach Bongarsus. Diese Arbeiten haben lange nachgewirkt: [657] durch die „Susanna“ wurden Kolroß und Rebhun angeregt, die durchweg stumpfen Reime und antiken Stophenformen eingeführt; die „Judith“ ist 1564 zu Straßburg in ein Volksstück umgearbeitet, die „Sapientia Salomonis“ 1591 von Hermann Kirchner aus Frischlin’s „Rebecca“ interpolirt, der „Beel“ noch 1615 von Merck in Ulm aus dem Lateinischen des Ostermeier wieder ins Deutsche übertragen. „Ezechias“ und „Zorobabel“ vollziehen sich ganz innerhalb einer Hofversammlung, eines „Barlaments“ und solche spielen auch im „Beel“ und „Joseph“ eine gewisse Rolle, in der „Judith“ tritt eine Rathsversammlung an die Stelle, in der „Susanna“ das Gericht; der Hofhalt wird genau gegliedert, die Verhandlung, Debatte, Abstimmung ausführlich mitgetheilt. Das öffentliche Leben und öffentliche Interesse leitet auch meist die Wahl des Stoffes. Im bewußten Gegensatze zu den sittlich bedenklichen Themen des vielgelesenen Terenz will er der Jugend Spiele geben, qui administrandae Reipublicae aliquam imaginem prae se ferunt: gute gewissenhafte Rechtspflege zu befördern, die katholische „Abgötterei“ zu bekämpfen (Beel), für den Türkenkrieg zu wirken (Judith), in verschiedenen Wendungen der Obrigkeit ihre Pflichten vorzuhalten, den Adel der Tugend über den des Blutes zu erheben: diese Tendenzen beseelen ihn. Sein Standpunkt ist die Bürgerrepublik. Von Privatempfindungen interessirt ihn keine mehr als die Liebe zwischen Eltern und Kindern. Er faßt seine geistlichen Stoffe einfach, natürlich, anschaulich in knappe, hie und da durch bildlichen Ausdruck erhöhte Sprache. Satirische Elemente machen sich nicht breit, doch erhalten die Nebenpersonen oft in diesem Sinne charakteristische griechische Namen. – In den 40er Jahren wendet sich B. ausschließlich philologischen Arbeiten zu, commentirt Cicero „de officiis“ (1544) und „de natura deorum“ (1550), edirt „Sibyllinorum oraculorum libri VIII.“ (1545) und wird der erste kritische Herausgeber des Lactanz, der indeß erst 1563 nach seinem Tode erschien.

Erhard bei Ersch u. Gruber. Mezger, Memoria Hieronymi Wolfii p. 16 s. Weller, Volkstheater der Schweiz, S. 13–20.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 656. Z. 18 v. u.: Sixt Birck wurde 1523 ultimo decembris in Basel immatriculirt. Am 13. Juni 1527 unterzeichnete er hier das Testament des Erasmus als Zeuge (vgl. Sieber, Das Testament des Erasmus. Basel 1889, S. 11). Am 10. Februar 1536 wurde er zum Magister promovirt. Ueber die 84 Briefe von ihm, welche auf der Baseler Bibliothek aufbewahrt werden, vgl. A. Geßler, Basels Antheil an der deutschen Litteratur des 16. Jahrh. Aarau 1889, S. 64. [Bd. 33, S. 795]