ADB:Boos, Martin

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Boos, Martin“ von Carl Ruland in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 138–139, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Boos,_Martin&oldid=- (Version vom 20. Juli 2019, 07:26 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Boos, Franz
Nächster>>>
Boos, Roman Anton
Band 3 (1876), S. 138–139 (Quelle).
Wikisource-logo.png Martin Boos bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Martin Boos in der Wikipedia
GND-Nummer 118661698
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|3|138|139|Boos, Martin|Carl Ruland|ADB:Boos, Martin}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118661698}}    

Boos: Martin B., geb. 1762 in einem schwäbischen Dorfe der Diöcese Augsburg, wurde nach Vollendung seiner theologischen Studien in Dillingen Priester. Nach kurzem Aufenthalte als Caplan in Unterthingen war er zwei Jahr lang Stiftscaplan in Kempten und bald darauf Canonicus zu Grönenbach im Kemptischen. Wegen Schwärmerei seines Amtes entsetzt, ward er 1793 wieder angestellt als Caplan in Wiggensbach. Seine Sätze: Jeder Gläubige habe die Schlüsselgewalt, könne zur Beicht sitzen und lossprechen; – die Gottlosen empfingen nicht den Leib des Herrn; – nur die Gerechten gehörten zu der Gemeinschaft der Heiligen; – es lasse sich muthmaßen, daß die Kinder auch ohne Taufe selig würden; – jede Religion führe zur Seligkeit; – es sei erlaubt, durch Loosen, Würfelspielen etc. den Willen Gottes zu erforschen etc. – [139] wurden Gegenstand der Untersuchung und vom bischöflichen Vicariate durch Spruch vom 2. Sept. 1797 als irrige und anstößige feierlich verworfen und er selbst auf 8 Monate in das geistliche Correctionshaus Göggingen verurtheilt. Er floh aber nach Oesterreich und erhielt durch Bischof Gall, einen Freund Sailer’s, dem B. nahe gestanden, die Pfarrei Gallneukirchen, wo er segensreich wirkte, bis er sich 1816 abermal gedrungen sah, nach Baiern auszuwandern, von wo er ausgewiesen, endlich Aufnahme in Preußen als Professor und Religionslehrer in Düsseldorf fand, und endlich 1819 Pfarrer in Sayn bei Coblenz wurde, wo er am 29. Aug. 1825 starb. Seine Bedeutung liegt hauptsächlich in dem Einflusse, den er auf Geistesverwandte lange Zeit hindurch übte.

Joh. Goßner, Martin Boos, der Prediger der Gerechtigkeit, Selbstbiographie … Leipzig 1826. – Lincke, H. M. Martin Boos … nach seinem merkwürdigen Leben, Wirken und Leiden, Leipzig 1837.