ADB:Gall, Joseph Anton

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Gall, Jos. Anton“ von Karl Werner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 317–318, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gall,_Joseph_Anton&oldid=- (Version vom 21. November 2019, 12:53 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Gall, Ludwig
Nächster>>>
Gallade, Peter
Band 8 (1878), S. 317–318 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Joseph Anton Gall in der Wikipedia
GND-Nummer 130331481
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|8|317|318|Gall, Jos. Anton|Karl Werner|ADB:Gall, Joseph Anton}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=130331481}}    

Gall: Jos. Anton G., geb. zu Weil in Schwaben am 27. März 1748, † als Bischof von Linz am 18. Juni 1807, legte seine Studien in Augsburg und Heidelberg zurück, trat sodann in das bischöfliche Seminar zu Bruchsal, wurde 1771 zum Priester geweiht, und begab sich zwei Jahre später nach Wien, um sich mit der Unterrichtsmethode des um das katholische Volksschulwesen verdienten Prälaten Felbiger bekannt zu machen. Durch Felbiger empfohlen, erlangte er die Stelle eines Katecheten an der Wiener Normalschule und erhielt die Entlassung aus dem Verbande der Speierer Diöcese, welcher er durch seine Weihe angehörte. Im J. 1778 wurde er Hofcaplan, 1779 Pfarrer zu Burgschleinitz; [318] 1780 wurde er wieder nach Wien berufen und zum Oberaufseher der niederösterreichischen Volksschulen bestellt. Die in den J. 1780–89 durchgeführten Reformen des Schulwesens rühren von ihm her; er ist im besonderen auch der Urheber der sogen. socratischen Lehrmethode im Volksschulunterrichte, welche er in einer besonderen Schrift den Geistlichen für den Religionsunterricht empfahl: „Socrates unter den Christen in der Person eines Dorfpfarrers“, 1784 (3 Bändchen). Kaiser Joseph II. ehrte seine Verdienste, indem er ihn 1787 zum Domherrn und Scholasticus des Metropolitancapitels zu St. Stephan in Wien und in dem darauf folgenden Jahre zum Bischof von Linz ernannte; am 1. März 1789 hielt er seinen feierlichen Einzug in der Linzer Kathedrale. Als Bischof erwarb er sich durch sein humanes, liebreiches Wesen und seine große Wohlthätigkeit die allgemeine Liebe und Verehrung seiner Diöcesanen; seine Fürsorge für die Stadt in den J. 1800 und 1805 zur Zeit der feindlichen Einfälle, sowie bei dem großen Brande 1800 sichern ihm eine bleibende Erinnerung. Auch noch während seiner bischöflichen Amtsthätigkeit war er als pädagogischer Schriftsteller thätig: „Anleitung zur Erkenntniß und Verehrung Gottes für Kinder auf dem Lande“ (1794); nebstdem veröffentlichte er auch mancherlei Schriften erbaulichen und moralischen Inhaltes. Die von ihm auf seinen bischöflichen Visitationsreisen gehaltenen Ansprachen und Reden wurden nach seinem Tode gesammelt herausgegeben (1808). Charakteristisch für seine Denkart und Gesinnungsrichtung ist sein Freundschaftsverhältniß zu M. Sailer und sein Verhalten gegen M. Boos (s. d.) Zum Erben seines zeitlichen Nachlasses setzte er das Linzer Clericalseminar ein, welches unter ihm nach der Auflösung der josephinischen Generalseminarien ins Dasein gerufen worden war.

Vgl. Wurzbach, Biograph. Lex., voce Gall und die daselbst angeführte Litteratur.