ADB:Breithaupt, Joachim Justus

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Artikel „Breithaupt, Joachim Justus“ von Wilhelm Gaß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 291–292, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Breithaupt,_Joachim_Justus&oldid=- (Version vom 21. Mai 2019, 16:02 Uhr UTC)
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Breithaupt: Joachim Justus B., geb. im Febr. 1658, † 16. März 1732. Zu Nordheim als Sohn des dortigen Professors und Superintendenten geboren und fromm erzogen, studirte er seit 1676 in Helmstädt und erhielt eine erste Anstellung als Conrector der Fürstenschule zu Wolfenbüttel. In Kiel, wohin er sich 1681 begab, fand er Aufnahme bei Kortholt und versuchte sich als Docent. Das Verlangen nach Spener’s Bekanntschaft führte ihn für einige Zeit nach Frankfurt a./M., von wo er als Professor der Homiletik nach Kiel zurückberufen wurde. Ein neuer Ruf versetzte ihn 1685 als Hofprediger und Consistorialrath nach Meiningen; aber diese Wirksamkeit dauerte nur zwei Jahre, dann bewogen ihn dringende, ja im Namen Gottes wiederholte Aufforderungen, als Prediger nach Erfurt zu gehen, woselbst ihm zugleich neben einer theologischen Professur noch das geistliche Seniorat anvertraut und von Kiel aus die theologische Doctorwürde verliehen wurde. Gleich eifrig für Predigt, Katechese und Lehramt gewann er großen Anhang, wurde aber auch in die durch seinen Freund A. H. Francke veranlaßten pietistischen Unruhen hineingezogen; dreimal untersagte ihm der Rath der Stadt Erfurt die öffentliche Repetition seiner Predigten, als bedenkliche Neuerung, das letzte Mal unter Geldstrafe und Androhung der Suspension. Aus dieser peinlichen Lage rettete ihn die Berufung an die Universität Halle, wohin er im Sept. 1691 abging. Jetzt erst sollte sein Leben eine gesicherte Bahn finden, denn er wurde der Begründer der aus der Spener’schen Bewegung hervorgegangenen hallischen Theologie und Kirchlichkeit, welche die Bestimmung hatte, den evangelischen Geist aus den Fesseln einer [292] schulmäßigen Orthodoxie zu befreien. Sein ehrwürdiger Charakter vereinigte mit der ganzen asketischen Einseitigkeit des älteren Pietismus auch dessen Tugenden. Seit 1695 mit Paul Anton und seit 1698 auch mit Francke collegialisch verbunden, stellte er alle Kräfte unermüdlich in den Dienst eines vielseitigen, Schule, Katheder und Kanzel umfassenden Berufs. Durch die spätere Stellung als Generalsuperintendent zu Magdeburg (1705), Propst des dortigen Pädagogiums und Abt des Klosters Bergen (1715) ist er jedoch den Aemtern zu Halle großentheils entzogen worden. Verheirathet ist er niemals gewesen, und seine Wohlthätigkeit bewies, daß er nichts für sich erwerben wollte. – Breithaupt’s Schriften müssen nach dem Maßstabe seiner Schule beurtheilt werden. Beachtung verdienen die „Theses credendorum et agendorum fundamentales“, 1700, sowie einige Streitschriften wie: „De perfectione partium“, 1704, woselbst die „Theologie der Wiedergeborenen“ vertheidigt und das nachher von Löscher angegriffene Princip der „Vollkommenheit“ entwickelt wird. Nicht alle Angriffe hat er selbst beantwortet, sondern auch Andere statt seiner, z. B. gegen Edzardi reden lassen. Von lyrischer Begabung zeugen einige gute Kirchenlieder und die „Poemata miscellanea“, 1720.

Selbstbiographie in Chr. Polyc. Leporini Memoria Caplatoniana, 1725, p. 36. Charakteristiken von G. A. Francke, Halle 1736.