ADB:Brokoff, Ferdinand

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Artikel „Brokoff, Johann Ferdinand“ von Bernhard Grueber in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 349–350, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Brokoff,_Ferdinand&oldid=- (Version vom 8. Mai 2021, 11:34 Uhr UTC)
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Brokoff: Johann Ferdinand B., geb. zu Prag im J. 1688, war der älteste Sohn eines tüchtig eingeschulten aber etwas handwerksmäßigen Bildhauers[WS 1] und half schon in früher Jugend dem Vater bei seinen Arbeiten. Nachdem er die Anfangsgründe des Zeichnens und Modellirens bei diesem erlernt, trat er in die Schule des ehemals hochangesehenen Andreas Quitainer, mit welchem er bald gemeinschaftlich mehrere große Denkmale, darunter die auf dem Wälschen Platze in Prag aufgestellte Dreifaltigkeitsgruppe ausführte. Nun ging sein Wunsch dahin, Italien zu bereisen. Um sich die Mittel zu dieser Reise zu verschaffen, übernahm er die Herstellung mehrerer Gigantenstatuen, wie sie damals neben den Portalen der Paläste häufig angeordnet wurden. Der berühmte Architekt Fischer von Erlachen war der erste, welcher Brokoff’s Talent erkannte und ihm Arbeiten verschaffte. Mit großartigen Aufträgen überhäuft, aber fortwährend des Glaubens, daß er demnächst die italienische Reise werde antreten können, scheint sich B. weit über seine Kräfte angestrengt zu haben, so daß er [350] im besten Mannesalter, noch nicht 43 Jahre zählend, an der Schwindsucht verschied. In Anbetracht dieses kurzen Lebens erscheint die Menge der von ihm gefertigten Sculpturen um so unbegreiflicher, als es meist colossale mit vielen Figuren ausgestattete Gruppen sind. Allein stehend und jeder Gelegenheit beraubt, die Meisterwerke der Antike und Frührenaissance kennen zu lernen, konnte er nur im Geiste seiner Zeit arbeiten. Wo es aber darauf ankam, markige lebensvolle Gestalten aufzubauen und die verschiedenartigsten Gegenstände zu einem einheitlichen Ganzen abzurunden, da steht dieser Künstler geradezu unübertroffen. Kein Zweiter überwand die größten technischen Hindernisse mit solcher Leichtigkeit. Seine vorzüglichsten Werke haben auf den Vorhäuptern der Brückenpfeiler der Prager Brücke Platz gefunden, imponirende aus Sandstein gefertigte Gruppen von 15–18 Fuß Höhe, von mehreren geistlichen und weltlichen Herren gestiftet, zunächst um die Geschichte des Jesuitenordens zu illustriren. Eine der ausgezeichnetsten Gruppen stellt die Thätigkeit des indischen Apostels Franciscus Xaverius dar. Der Heilige steht hoch auf einem Felsen und predigt das Evangelium, unter ihm und rings umher hat sich ein seltsames Gedränge von Negern, gefesselten Sclaven, Kriegsleuten und sogar Thiergestalten versammelt. Aus einem vergitterten Fenster flehen die in den Flammen sitzenden Armen-Seelen zu dem Heiligen hinauf. Das Ganze ist mit solchem Feuereifer entworfen, daß man eine versteinerte Skizze des Rubens vor sich zu sehen glaubt. Sehr glücklich bewegte sich B. im Gebiete der decorativen Plastik: seine Masken, Giganten und Karyatiden zählen zu den besten Leistungen, welche in dieser Richtung geschaffen wurden. Neben den genannten Arbeiten hat der Meister zahlreiche Grabsteine, Altäre und einzelne Statuen vollendet, denen jederzeit eine gewisse Großartigkeit innewohnt, wenn auch die Formengebung oft manches zu wünschen übrig läßt. An seinen größeren Arbeiten pflegte er seinen vollen Namen einzumeißeln, ein Monogramm hat er nicht gebraucht.

Dobrowsky, Böhm. Litteratur. – Hammerschmid, Prodromus glor. Prag – Eigentlicher Entwurf der Prager Brücken von Kamenicky. – Dlabacz, Böhm. Künstlerlexikon.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Johann Brokoff (1652–1718). Siehe auch unter Prokop.