ADB:Browne, Maximilian Ulysses Graf

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Artikel „Browne, Maximilian Ulysses, Graf v.“ von Alfred Ritter von Arneth in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 369–373, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Browne,_Maximilian_Ulysses_Graf&oldid=- (Version vom 17. September 2019, 17:36 Uhr UTC)
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Browne: Maximilian Ulysses, Graf v. B., Baron de Camus und Mountany, geb. 23. Oct. 1705 zu Basel, † 26. Juni 1757 zu Prag, war ein Sohn des kaiserlichen Reiterobersten Ulysses Freiherrn v. B., aus altem irländischem Geschlechte, welcher gleichzeitig mit seinem Bruder Georg am 13. Mai 1716 von Kaiser Karl VI. in den Reichsgrafenstand erhoben worden war. Schon frühzeitig, und zwar im J. 1726, vermählte sich der junge B. mit der im gleichen Jahre mit ihm geborenen Gräfin Marie Philippine v. Martinitz, Tochter jenes Georg Adam Martinitz, der sich kurze Zeit hindurch als kaiserlicher Vicekönig in Neapel befunden hatte. Wer die mächtige Förderung kennt, welche zu jener Zeit die Verbindung mit angesehenen Familien auf die Laufbahn derer ausübte, welche dem öffentlichen Dienste sich widmeten, wird dieselbe auch in dem raschen Vorrücken des Grafen B., der frühzeitig in die kaiserliche Armee getreten war, leicht wiedererkennen. In seinem 29. Lebensjahre befehligte B. als Oberst ein Infanterieregiment. Da aber zeigte es sich bald, daß die besondere Vergünstigung diesmal einem Würdigen zu Theil geworden war. So unglücklich der Feldzug des J. 1734 in Italien auch verlief, so kämpfte ihn doch B. mit großer Auszeichnung mit. Das Gleiche war im nächsten Jahre, in welchem er, zum Generalfeldwachtmeister ernannt, die Grenzen Tirols gegen den Feind zu decken suchte, und während der ebenfalls unglücklichen Feldzüge gegen die Pforte der Fall, welche die letzten Lebensjahre Karls VI. verbitterten und so viel dazu beitrugen, daß er die österreichische Monarchie in den ungünstigsten Verhältnissen seiner Tochter zurückließ. Als Maria Theresia zur Regierung gelangte, bekleidete B., inzwischen zum Feldmarschall-Lieutenant ernannt, die Stelle eines commandirenden Generals in Schlesien. Ihn trifft nicht die Schuld, daß sich die Vertheidigungsanstalten daselbst in einem höchst verwahrlosten Zustande befanden; hatte man ja doch von dem Nachbarlande Preußen eher Beistand als Angriff erwartet. Als der letztere plötzlich erfolgte, war für den ersten Augenblick [370] wenigstens an Widerstand in offenem Felde nicht zu denken. B. suchte vor allem die festen Plätze zu halten, hiedurch zersplitterte er jedoch die ohnedies geringe Anzahl seiner Streitkräfte noch mehr, ohne den beabsichtigten Zweck vollständig erreichen zu können. Ohlau, Ottmachau, Namslau gingen verloren, B. selbst aber sah sich gezwungen, vor dem übermächtigen Gegner nach Mähren zurückzugehen.

Inzwischen hatte man in Wien dem Feldmarschall Grafen Neipperg den Oberbefehl über die Truppen anvertraut, mit denen man Schlesien dem Könige von Preußen wieder zu entreißen hoffte. Neipperg aber war vor der Hand wenigstens gegen jede offensive Unternehmung wider die Preußen. Er verlangte daß B. die nach Mähren führenden Pässe durch Verhaue verwahre und sie mit Jägern und bewaffneten Landleuten besetze, um das Vordringen des Feindes nach Mähren zu vereiteln. B. hingegen, nicht nur kenntnißreicher, sondern auch kühner und unternehmender als Neipperg, erklärte sich mit allem Ungestüm seines lebhaften, leicht gereizten Wesens gegen diesen Plan. Das mährische Gebirge sei keineswegs so unzugänglich als man sich dasselbe vorstelle. Leicht könnten die Verhaue umgangen oder geöffnet werden, die bewaffneten Landleute aber verübten solche Excesse, daß er sie zu entlassen genöthigt sei. Wer Plane entwerfe, möge sich auch ihrer Ausführung nicht entziehen. Und als Neipperg durch den ausdrücklichen Befehl, nichts gegen die weit auseinander liegenden preußischen Quartiere zu unternehmen, den kampfbegierigen B. zu gezwungener Unthätigkeit verurtheilte, da schrieb letzterer voll Unmuth nach Wien, er sei zwar nicht gewohnt, seine Truppen nutzlos hinzuopfern, aber er wisse auch daß ohne irgend ein Wagniß kein Vortheil errungen werden könne. Diese Gereiztheit Browne’s gegen den Oberfeldherrn Neipperg wurde durch dessen unglückliches Auftreten in Schlesien nur noch gesteigert. Bei Molwitz wurde B., dem feindlichen Feuer unerschrocken sich aussetzend, verwundet, jedoch nicht so schwer, daß er dadurch für die Zukunft zum Kriegsdienste untüchtig geworden wäre. Im J. 1742 finden wir B. in dem kaiserlichen Feldlager in Böhmen; wie früher mit Neipperg, gerieth er jetzt mit dem Feldmarschall Fürsten Lobkowitz in heftigen Streit. So weit kam es, daß der Hofkriegsrath seine Mißbilligung aussprach über das Benehmen des Grafen B. Ein General habe zwar im Kriegsrathe seine Meinung offen zu sagen, aber es müsse dies immer mit Ruhe und Gelassenheit geschehen.

Diese Eigenschaften waren es jedoch gerade, deren B. völlig entbehrte, während Energie und Thatendrang ihn in hohem Maße beseelten. Sie an den Tag zu legen, dazu bot ihm endlich, nachdem alle Feldzüge, welche er bisher mitgemacht, für die österreichischen Waffen unglücklich gewesen waren, im J. 1743 die Kriegführung des Prinzen Karl von Lothringen und des Feldmarschalls Khevenhüller gegen die Franzosen und Baiern Anlaß genug dar. B. nahm Deggendorf mit stürmender Hand; unablässig drängte er den Prinzen von Lothringen, die sich zurückziehenden Franzosen nachdrücklich zu verfolgen und den Rhein zu überschreiten. Man weiß, daß im J. 1743 diese Unternehmung scheiterte, während sie in dem darauf folgenden Feldzuge ohne allzu große Schwierigkeit gelang. Aber jetzt wohnte ihr B. nicht mehr bei; er befand sich nun in Italien, leider wieder unter den Befehlen jenes Lobkowitz, mit dem er schon einmal in so argen Zwiespalt gerathen war. Auch jetzt wieder geschah dies, und es fehlte nicht an Stimmen welche behaupteten, es könne nicht genugsam beklagt werden, daß B. nur die zweite und nicht die erste Stelle im Heere bekleide. Doch soll nicht Lobkowitz des Mißlingens der Unternehmung auf Velletri beschuldigt werden, welche B. befehligte; an der Beutelust seiner slavonischen Soldaten, die nach dem Eindringen in die Stadt nicht mehr in Ordnung zu halten waren, sondern sich plündernd in die Häuser zerstreuten, scheiterte sie. [371] Dieser Mißerfolg brachte jedoch den Grafen B. in keiner Weise um Maria Theresia’s Vertrauen; wie sehr er dasselbe besaß, bewies sie ihm dadurch, daß sie ihn im nächsten Feldzuge wieder in Baiern verwendete. Denn hier gedachte sie den neuen Kurfürsten Maximilian Joseph durch rasche und entscheidende Schläge zum Frieden zu zwingen. Diese Absicht wurde auch wirklich erreicht. Dem Grafen B., der bei der Erstürmung von Vilshofen von den eigenen Truppen, welche er von der Plünderung abhalten wollte, verwundet wurde, gebührt ein wesentlicher Theil des Verdienstes, daß der Kurfürst, von den Oesterreichern in die Enge getrieben, zu Füssen den Frieden schloß. Am 27. Juni 1745 zum Feldzeugmeister ernannt, diente B. jetzt bei der Armee, welche unter den Befehlen des Feldmarschalls Grafen Traun an den Main zog, um die Franzosen aus jenen Gegenden zu vertreiben und in Frankfurt die Wahl des Großherzogs von Toscana zum römischen Könige und dessen Kaiserkrönung sicher zu stellen. Im J. 1746 befand sich B. wieder in Italien; in der Schlacht bei Piacenza befehligte er den linken Flügel und entschied mit demselben für die Oesterreicher den Sieg. Obgleich nach der Abberufung des Feldmarschalls Fürsten Liechtenstein nicht B. sondern der dem Range nach ältere Feldzeugmeister Botta den Oberbefehl erhielt, war doch B. fortan die Seele aller kriegerischen Unternehmungen in Italien. Die Franzosen und Spanier wurden aus der Lombardei vertrieben, bei Rottofreddo neuerdings geschlagen. Piacenza ergab sich, unaufhaltsam drangen die Oesterreicher gegen Süden vor. Am 1. Sept. erstürmten sie die Verschanzungen auf der Bocchetta; drei Tage später stand B., welcher stets die vorderste Heeresabtheilung führte, vor Genua. Ohne Widerstand zu versuchen, öffnete die Republik die Thore ihrer Hauptstadt. Nicht nur harte, sondern auch demüthigende Bedingungen wurden ihr auferlegt. Sie trugen wesentlich dazu bei, die Erbitterung in den Gemüthern zu nähren. Zuletzt schwoll sie so hoch an, daß die Oesterreicher durch einen Volksaufstand wieder aus Genua vertrieben wurden.

Es wird wol nicht zu viel behauptet, wenn man die Meinung ausspricht, es wäre niemals so weit gekommen, wenn B. sich damals noch in Genua befunden hätte. Aber er hatte den Oberbefehl über das Heer erhalten, welches in Südfrankreich eindringen sollte. Am 30. Nov. 1746 führte B. dasselbe über den Var. Um sich einen Waffenplatz zu sichern, umschloß er Antibes; bis auf fünf Meilen von Toulon drangen seine Vorposten in Frankreich vor. Die Ueberzahl der Truppen, welche der Feind ihm entgegenwarf, und der inzwischen eingetretene Verlust von Genua zwangen jedoch B., die Unternehmung gegen Antibes wieder aufzugeben. Am 3. Febr. 1747 führte er seine Truppen über den Var auf italienischen Boden zurück. Nun erhielt B. die oberste Leitung der kriegerischen Unternehmungen in Italien. Aber obgleich er erklärte, daß nach dem Vordringen der Franzosen über den Var der Gedanke der Wiedereroberung von Genua aufzugeben wäre, beharrte doch Maria Theresia, durch ihre Erbitterung gegen die Republik hiezu verleitet, auf diesem Plane. Feldzeugmeister Graf Schulenburg sollte die Belagerung von Genua ins Werk setzen, doch wie B. vorhergesagt hatte, scheiterte sie. B. verstärkte nun die piemontesischen Streitkräfte, welche mit den Franzosen und Spaniern im Kampfe sich befanden, und trug durch rechtzeitige Absendung von Hülfstruppen wesentlich dazu bei, daß der Sturm auf den Col d’Assiette abgeschlagen wurde. Dies war das letzte Kriegsereigniß von Bedeutung, das in Italien sich zutrug. Der Aachner Friede machte den Feindseligkeiten, aber nicht der Thätigkeit Browne’s ein Ende. Er wurde vielmehr mit der Leitung der Verhandlungen betraut, welche zur Feststellung der Bedingungen gepflogen wurden, unter denen die verschiedenen italienischen Provinzen entweder an ihre früheren Besitzer zurück, oder an neue Gebieter [372] gelangten. Am 21. Januar 1749 wurde die hierauf sich beziehende Convention in Nizza unterzeichnet. B. kehrte nach Wien zurück und erhielt das Generalcommando in Siebenbürgen, 1751 aber dasjenige in Böhmen; im J. 1753 wurde er zum Feldmarschall ernannt. In dieser Stellung befand er sich als König Friedrich II. von Preußen, wie er es bald nach Maria Theresia’s Thronbesteigung[WS 1] gethan, so auch jetzt wieder den Frieden brach und durch Sachsen gegen Böhmen vordrang. Ein eigenthümliches Zusammentreffen ist es, daß ihm auch diesmal B. wieder gegenüberstand. Doch waren die äußern Verhältnisse, unter denen dies jetzt der Fall war, für Oesterreich nicht mehr so ungünstig als zur Zeit des ersten Einmarsches des Königs von Preußen in Schlesien. Wenn auch der Kaiserhof die Rüstungen zu spät begonnen und sie zu lässig betrieben hatte, um Friedrich II. mit voller Zuversicht entgegentreten zu können, so war doch von dem früheren Mißverhältnisse der beiderseitigen Kräfte nicht mehr die Rede. B. führte seine Truppen dem Könige entgegen, bei Lobositz kam es zur Schlacht, und obwol die Preußen das Schlachtfeld behaupteten, erlitten sie doch so beträchtliche Verluste, und der Rückzug Browne’s wurde mit so großer Ordnung vollzogen, daß Friedrich von dem errungenen Siege keinen weiteren Vortheil zu ziehen vermochte. Ja so wenig ließ B. durch den Ausgang der Lobositzer Schlacht von ferneren Unternehmungen sich abhalten, daß er sich entschloß, dem bei Pirna eingeschlossenen sächsischen Heere zu Hülfe zu eilen. Mit achttausend Mann auserlesener Truppen schritt er an die Durchführung dieses gefahrvollen Planes. Unter vielfachen Mühseligkeiten, aber sie alle besiegend und durch sein aufopferungsvolles Beispiel auch den letzten seiner Soldaten zu standhafter Ausdauer beseelend, zog B. bis Schandau und harrte dort drei Tage hindurch fruchtlos der Sachsen. Statt den Durchbruch zu versuchen, ergaben sich dieselben ihren Gegnern und B. kehrte unangefochten in sein Lager zu Budin zurück. Auch die Preußen verließen Böhmen und man kann sagen, daß vornehmlich B. es war, welcher König Friedrichs Plan, das noch nicht ausreichend gerüstete Oesterreich im ersten Anlaufe zu Boden zu werfen, zu nichte gemacht hat. In Wien erkannte man dies wohl und man überbot sich daher in Kundgebungen des Lobes und der Dankbarkeit für B. Wenn sich Maria Theresia dennoch entschloß, den Oberbefehl im künftigen Feldzuge nicht ihm, sondern ihrem Schwager, dem Prinzen Karl von Lothringen zu übertragen, so war es nicht Rücksichtslosigkeit für B., was sie hiezu vermochte, sondern nur Nachgiebigkeit für ihren Gemahl und ihr eigener sehnsuchtsvoller Wunsch, ihrem Schwager Gelegenheit zu geben, seinen früheren Kriegsruhm, der durch den unheilvollen Feldzug des J. 1745 so sehr gelitten hatte, wieder herstellen zu können. Um jedoch auch B. nicht zu kränken, wollte die Kaiserin ihn dem Prinzen von Lothringen im Obercommando beiordnen. B. hingegen erklärte eine solche Maßregel für schädlich, weil durch sie die nothwendige Einheit im Commando allzuleicht gestört würde. Er bot sich aber freiwillig an, unter die Befehle des Prinzen von Lothringen zu treten, und als dies dankbarst angenommen wurde, eilte er voraus nach Böhmen, um die Vorbereitungen zu dem bevorstehenden Feldzuge zu treffen. Bei denselben verfiel jedoch B. in einen verhängnißvollen Irrthum. Er war der Ueberzeugung, König Friedrich werde sich blos vertheidigungsweise verhalten. Zu einem Angriffe auf ihn sei daher immer noch Zeit; derselbe möge erst dann vorgenommen werden, wenn gleichzeitig die Heere Frankreichs und Rußlands sich gegen Preußen in Bewegung setzen würden. Darum wurde auch B. von dem plötzlich auf vier Straßen in Böhmen einbrechenden Feinde vollständig überrascht. Nirgends hatte er genug Truppen beisammen, um ausreichenden Widerstand leisten zu können. Dennoch wollte er dies wenigstens dort wo er selbst stand, um jeden Preis versuchen und es bedurfte der ganzen Autorität des inzwischen in Böhmen eingetroffenen [373] Prinzen von Lothringen, um B. zu hindern, sich selbst und einen Theil seiner Streitkräfte wahrscheinlich fruchtlos zu opfern. Nur mit Mühe ließ er sich bestimmen, bis Prag zurückzuweichen. Als jedoch der Prinz auch diese wichtige Stadt aufgeben wollte, widersprach B. mit solch ungestümem Nachdruck, daß Karl von Lothringen von diesem Gedanken wieder abging. Um so freudiger mochte daher auch B. es begrüßen, als es am 6. Mai unter den Mauern von Prag gegen die Preußen zur Schlacht kam. Umsichtig geleitet, konnte sie noch immer einen vollständigen Umschwung der Ereignisse auf dem Kriegsschauplatze herbeiführen. Und der Anfang der Schlacht schien einer solchen Erwartung nicht ganz ungünstig zu sein. Das sumpfige Terrain, welches die Preußen bei ihrem Anmarsche gegen die Reihen der Oesterreicher zu überschreiten hatten, bot ihnen große Hindernisse dar. Fürchterlich litten sie unter dem wohlgezielten Feuer ihrer Gegner, und als sie dadurch ins Stocken geriethen, führte Graf B. in Person seine Grenadiere gegen den Feind. Mit Todesverachtung sprengte er vor ihre Reihen, um sie zum Bajonettangriff zu leiten; da zerschmettert ihm eine Kanonenkugel das Bein, er stürzt vom Pferde und wird bewußtlos hinter die Schlachtlinie getragen. Der Tag ging verloren, B. aber wurde mit den Trümmern des geschlagenen österreichischen Heeres in Prag eingeschlossen. Von seinem Schmerzenslager aus nahm er noch den lebhaftesten Antheil an dem Gange der Kriegsereignisse; jede muthlose Regung, jeder Gedanke an Schwäche oder Nachgiebigkeit wurde von ihm mit Entschiedenheit bekämpft, unablässig mahnte er zur Ausdauer und Standhaftigkeit. Daher war es ein Glück für ihn zu nennen, daß er den Tag von Kolin noch erlebte, durch welchen es der Welt zum ersten Male kund ward, daß auch König Friedrich nicht unbesiegbar sei. Aber so sehr dies Ereigniß auch B. erfreuen mochte, der mit enthusiastischer Liebe an der Kaiserin und an Oesterreich hing, in seinem eigenen, wirklich tragischen Schicksal brachte es doch keine Aenderung mehr hervor. Der Mann, auf welchen bei Beginn des Feldzuges alle Augen voll Hoffnung und Vertrauen gerichtet waren, bildete in den letzten Wochen seines Lebens die Zielscheibe des erbittertsten Tadels. Der Kummer hierüber und nicht die Gefährlichkeit seiner Wunde führte nach schmerzlichem Leiden seinen Tod herbei. So versichert wenigstens ein gleichzeitiger Berichterstatter, der sein Schicksal ein lautredendes Beispiel des raschen Wechsels aller irdischen Dinge nennt. Die ruhiger prüfende Nachwelt aber erkannte, daß B. trotz seines letzten Mißgeschickes den vollsten Anspruch darauf besitzt, den ausgezeichnetsten Feldherren beigezählt zu werden, welche jemals unter den Fahnen des Hauses Oesterreich kämpften.

Zuverlässige Lebensbeschreibung Ulysses Maximilian des Heil. Röm. Reichs Grafen v. Browne, gewesenen Kaiserl. Königl. General-Feldmarschalls. Frankfurt und Leipzig 1757. O’Cahill, Baron: Geschichte der Grösten Heerführer neuerer Zeiten. Rastadt 1785. Bd. II. S. 264–316.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Thron besteigung