ADB:Caprara, Aeneas Sylvester Graf von

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Artikel „Caprara, Aeneas Sylvius Graf von“ von Wilhelm Edler von Janko in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 776–777, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Caprara,_Aeneas_Sylvester_Graf_von&oldid=- (Version vom 19. September 2019, 21:53 Uhr UTC)
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Caprara: Aeneas Sylvius Graf v. C., kaiserl. königl. österreichischer Feldmarschall, Vicepräsident des Hofkriegsrathes und Ritter des goldenen Vließes, geb. 1631 zu Bologna, aus einem dortigen angesehenen Geschlechte, † 3. Febr. 1701. Als Verwandter des berühmten Montecuccoli begleitete er diesen nach Beendigung des dreißigjährigen Krieges nicht nur auf dessen Reisen nach Italien, Deutschland und Schweden, sondern auch in die Feldzüge gegen Franzosen und Türken. 1674 befehligte C. schon selbständig am Rhein; unterlag er auch Turenne bei Sinsheim, so erwarb er sich dagegen bedeutenden Ruhm bei Ensisheim; leider aber verhinderten seine Zwistigkeiten mit dem General Dünewald und das gegründete Mißfallen an den Plänen Bournonville’s[WS 1], des Oberbefehlshabers, die Ausführung großer Thaten. Bei Mühlhausen gefangen, jedoch bald wieder freigelassen, nahm er regen Antheil am weiteren Verlaufe des Kriegs in den Jahren 1676–1678, namentlich am Entsatze von Offenburg. Glücklicher war C. in dem Türkenkriege in Ungarn 1683 und den darauf folgenden Jahren; so schlug er unter anderm die Malcontenten und schnitt sie vom türkischen Belagerungsheere vor Wien ab, vertrieb bei der Entsatzschlacht ebendaselbst den Feind aus Nußdorf und verfolgte ihn bis an die Grenzen Siebenbürgens. Der Schrecken ging vor seinen Reiterscharen einher und Empörer wie Türken übergaben C. kaum aufgefordert ihre Plätze. Nachtheilig wirkte auf die Thätigkeit und das Glück der folgenden Feldzüge, sowol in Deutschland als Ungarn, sein neidisches und streitsüchtiges Verhalten gegen untergebene und vorgesetzte Generäle, was zur Folge hatte, daß auch diese wieder ihn zeitweise geflissentlich im Stich ließen und fremde Fehler ihm aufgebürdet wurden. Nachdem Prinz Eugen von Savoyen den Oberbefehl gegen die Türken übernommen, ward C. als Vicepräsident [777] des Hofkriegsrathes nach Wien berufen, woselbst er im Rathe sich nur zu oft mit zwar scheinbaren Gründen aber keineswegs ganz reinen Absichten klagend gegen Eugen erhob, dadurch aber nur sich selbst bei der Nachwelt verdunkelnd. Mehr Einsicht, als während der 44 Feldzüge, welchen er beigewohnt, zeigte C. in den verschiedenen diplomatischen Unterhandlungen, bei denen er vom Hofe gebraucht wurde. Er starb unvermählt zu Wien. Einer seiner Brüder, Albrecht, war ebenfalls General in österreichischen Diensten und ward auch in Gesandtschaften, namentlich zu einer Sendung nach Constantinopel verwendet.

Thaten und Charakterzüge berühmter österr. Feldherren I. Bd. 2. Abth. S. 343.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Alexandre Comte de Bournonville (1620-1693), seit 1658 Herzog, Oberbefehlshaber unter Kaiser Leopold I., vgl Wikipedia.