ADB:Dünewald, Heinrich Johann Graf von

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Artikel „Dünewald, Johann Heinrich Graf v.“ von Wilhelm Edler von Janko in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 472–473, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:D%C3%BCnewald,_Heinrich_Johann_Graf_von&oldid=- (Version vom 24. September 2019, 09:29 Uhr UTC)
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Dünewald: Johann Heinrich Graf v. D., Herr auf Pizendorf, Sabor, Droschkau u. f., österreichischer General der Cavallerie, ein tapferer Reiterdegen, [473] wurde höchst wahrscheinlich um das J. 1620 im Kurkölnischen geboren. Ueber sein Herkommen, seine Jugend und seine ersten Dienstjahre fehlen leider alle Daten. Im J. 1643 finden wir ihn beim Reichsheere, das gegen die Türken zog, später trat er in kaiserliche Dienste und legte in der Schlacht bei St. Gotthard erfreuliche Proben von Tapferkeit ab. Es scheint, daß D. einem angesehenen Hause angehört habe, denn als Montecucoli 1672 am Rheine den Franzosen gegenüber stand, war er bereits einer der obersten Befehlshaber und hatte als solcher an dem Treffen bei Ensheim nicht unbedeutenden Antheil. Die schlechte Oberleitung Bournonville’s, sowie die Eifersucht und Unverträglichkeit zwischen D. und Caprara lähmte jedoch leider nur zu sehr die Fortschritte der Truppen. Beide wurden endlich bei Mühlhausen gefangen. Nach erlangter Freiheit stand D. wieder unter dem abermals berufenen Montecucoli, er deckte dessen Rheinübergang bei Speier und beunruhigte den Rückzug der Franzosen. In Anbetracht seiner mannigfachen Verdienste wurde D. zum General der Reiterei ernannt und in den Grafenstand erhoben 1675. Während der zweiten Belagerung Wiens vertheidigte er die Stadt Krems, schlug eine bedeutende Abtheilung Türken mit großem Verluste zurück und war am Tage des Entsatzes der Hauptstadt nicht minder thätig. Im Treffen bei Parkany hielt er die wüthenden Anfälle der Türken mit standhaftem Muthe aus und verfolgte sie nach dem Siege hier auf ihrer Flucht, wobei er Tausende in die Moräste trieb. Im selben Jahre 1684 führte er die Hülfstruppen aus Schwaben zur ersten Belagerung Ofens; in der zweiten, 1686, schlug er mit General Heisler vereinigt bei 10000 Türken, die sich in die Stadt werfen wollten, und wurde bei der Belagerung verwundet. Nach der Schlacht von Mohacs ward er mit einem Corps von 10000 Mann zurückgelassen, um das Land zwischen der Donau und der Drau zu schützen; seiner Meinung nach glaubte er dies am besten durch Offensivbewegungen zu erreichen, er brach deshalb Ende August 1687 aus seinem Lager bei Hziklos auf, nöthigte den Rest der feindlichen Armee, die sich bei Essegg zusammengezogen hatte, in Belgrad Sicherheit zu suchen und brach sodann kühn in Slavonien ein, wo er mehrere feste Plätze nahm und damit die Eroberung Slavoniens vollzog. 1688 befehligte D. als Feldmarschall die gesammte Reiterei bei der Armee des Herzogs Karl von Lothringen und deckte die Belagerung von Belgrad. 1689 ward er auf den Schauplatz an den Rhein entsendet, und entsetzte als Commandant eines selbständigen Corps nicht nur das von den Franzosen belagerte Heidelberg, sondern vereitelte dadurch auch die vom Feinde zur Rettung von Mainz beabsichtigte Diversion. Im folgenden Jahre finden wir D. wieder in Ungarn und es gebührt ihm hier an dem Siege von Szlankament ein vorzüglicher Antheil, indem er mit Nachdruck dem Feinde in die Flanke fiel, unaufhaltsam in dessen Lager drang und die Niederlage vervollständigte. Wie er sich mit Bournonville und Caprara nicht vertrug, mit dem er sogar einen feierlichen Zweikampf bestand, so konnte er sich auch nicht mit dem Markgrafen Ludwig von Baden, der ihm, dem alten erfahrenen General, im Oberbefehl vorgezogen worden, nicht verständigen; in einen heftigen Wortwechsel mit demselben gerathen, vergaß er sich so weit, daß er zur Rechtfertigung abberufen ward. Er starb jedoch den 31. August 1691 plötzlich und zwar als er eben zur Abreise das Schiff zu Essegg bestiegen hatte, höchst wahrscheinlich am Schlage, obwol man auch behauptete, daß er, um sich dem seiner wartenden Kriegsgerichte zu entziehen, Gift genommen habe.

Hirtenfeld, Oesterr. Milit.-Conservat.-Lexikon S. 79. Thaten und Charakterzüge ber. österr. Feldherren I. Bd. S. 319.