ADB:Carius, Ludwig

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Artikel „Carius, Georg Ludwig“ von Alphons Oppenheim in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 781–782, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Carius,_Ludwig&oldid=- (Version vom 25. Juni 2019, 22:35 Uhr UTC)
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Carius: Georg Ludwig C., Chemiker, geb. 24. Aug. 1829 zu Barbis in Hannover. † 24. April 1875 zu Marburg. Seinen Vater, einen angesehenen Prediger, sowie seine Mutter verlor er bereits in früher Kindheit. Nachdem er die Schule in Goslar absolvirt hatte, wo sich der Oberpfarrer Gehring seiner [782] annahm, trat er zu dem Apotheker Dempwolf daselbst in die Lehre. Hier faßte er, trotz unüberwindlich scheinender Schwierigkeiten, den Entschluß, in Göttingen Chemie zu studiren und erwarb sich unter harten Entbehrungen durch Ertheilung von Unterricht die Mittel dazu. Der Kampf um die Existenz und Zeitopfer für das nachträglich zu absolvirende Abiturientenexamen erschwerten ihm dasselbe, doch konnte er 1852 eine Assistentenstelle am Universitätslaboratorium zu Heidelberg annehmen, die er bis 1858 bekleidete. Er nahm an Bunsen’s gasometrischen Versuchen theil, ward im Jahre 1853 promovirt und 1857 Privatdocent in Heidelberg. Im J. 1861 ward er außerordentlicher Professor daselbst und im J. 1865 ordentlicher Professor der Chemie an der Universität zu Marburg. Seine zahlreichen Untersuchungen finden sich in den Annalen der Chemie, der Zeitschrift für Chemie und den Berichten der Deutschen Chemischen Gesellschaft zu Berlin. Von denselben mögen besonders erwähnt werden diejenigen über die Absorption des Ammoniaks und Ozons, über die Ersetzung des Sauerstoffs durch Schwefel in der Phosphorsäure und in verschiedenen organischen Substanzen namentlich dem Glycerin; seine Methode zur Bestimmung von Schwefel, Phosphor und Halogenen, welche allgemeinen Eingang gefunden hat, sowie endlich seine Arbeiten über die Oxydation des Benzols und über die Addition von Wasserstoffsuperoxyd und von unterchloriger Säure zu Benzol und zu anderen ungesättigten Verbindungen (Citraconsäure etc.). Die zuletzt genannten Arbeiten gingen theilweise von der Absicht aus, Kéculé’s Theorien der aromatischen Verbindungen einer Kritik zu unterziehen und Gründe gegen sie aufzusuchen. Obgleich das Fehlschlagen dieser Absicht und die Complication mancher der von ihm erhaltenen Resultate C. in verschiedene Widersprüche verwickelten, lassen sich doch diesen mühevollen Untersuchungen eine Reihe merkwürdiger Ergebnisse nicht absprechen, und es ist um so bedauernswerther, daß lange Krankheit und früher Tod den fleißigen Forscher verhindert haben, dieselben völlig klar zu stellen.

Vgl. Nekrolog von Kämmerer im Journal für prakt. Chemie 1875. S. 455.