ADB:Christian I. (Kurfürst von Sachsen)

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Artikel „Christian I., Kurfürst von Sachsen“ von Heinrich Theodor Flathe in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 172, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Christian_I._(Kurf%C3%BCrst_von_Sachsen)&oldid=2487314 (Version vom 19. Januar 2019, 03:15 Uhr UTC)
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Christian I., Kurfürst von Sachsen, geboren am 29. October 1560, † 1591, von den zehn Söhnen Kurfürst Augusts und Anna’s von Dänemark der einzige, welcher, den Vater überlebend, den albertinischen Mannesstamm fortsetzte, genoß vornehmlich unter Leitung des nachmaligen Hofraths Dr. Paul Vogel eine für seine Zeit sorgfältige Erziehung und folgte, nachdem er bereits vorher den Vorsitz im Geheimrathscollegium geführt und an den Regierungsgeschäften Theil genommen, im Jahre 1588 seinem Vater in der Regierung. Schwächlichen Körpers, sanften Charakters, lebenslustig, ohne Arbeitslust und hervorragende Geistesgaben überließ er sich der Leitung seines ihm geistig überlegenen Kanzlers Dr. Nicolaus Crell um so williger, als er auch in der freieren Auffassung des protestantischen Lehrbegriffes, in welcher er bis zu seinem vierzehnten Jahre erzogen worden war, mit demselben übereinstimmte. „Nicht calvinisch, auch nicht flacianisch wolle er sein“, erklärte er, „sondern Christianus.“ In diesem Sinne ließ er die von seinem Vater zu Gunsten des orthodoxen Lutherthums getroffenen Anordnungen zum Theil selbst gegen den Willen und unter lautem Widerspruch der von dieser Partei bearbeiteten Bevölkerung beseitigen, und diesem Umschwung entsprach auch der Wechsel seiner äußeren Politik, auf welche neben Crell sein ihm nahe befreundeter Schwager, Pfalzgraf Johann Casimir, den meisten Einfluß übte. Voll aufrichtigen Strebens, der Zerfahrenheit und Zerrissenheit der protestantischen Partei ein Ende zu machen, namentlich Sachsen seinen Glaubensgenossen wieder zu nähern und aus der Abhängigkeit von Oesterreich zu befreien, erneuerte er schon 1587 die alte Erbeinigung mit Hessen und Brandenburg, schloß sich auch den Maßnahmen der übrigen deutschen Protestanten zu Unterstützung des Königs von Frankreich gegen das bedrohliche Uebergewicht der Guisen und Jesuiten an, lehnte jedoch den ihm angetragenen Oberbefehl über das nach Frankreich zu sendende Hülfsheer ab. Obgleich friedliebender Gesinnung, überzeugten ihn doch die immer offener hervortretenden Feindseligkeiten der katholischen Partei immer mehr von der Nothwendigkeit eines deutsch-protestantischen Schutzbündnisses; bereits hatte er am 20. Februar 1590 auf einer Zusammenkunft mit dem Pfalzgrafen zu Plauen i. V. die Grundzüge eines solchen entworfen, als er nach den ersten einleitenden Schritten zur Ausführung desselben am 25. September 1591 durch den Tod abberufen wurde, den er durch seine Vorliebe für die Freuden der Tafel und des Bechers selbst beschleunigt hatte. Sein Grab befindet sich in der von ihm restaurirten fürstlichen Begräbnißcapelle des Doms zu Freiberg. Ch. war ein prachtliebender Fürst, die Dresdener Hofhaltung überstrahlte unter ihm alle andern in Deutschland, daneben theilte er mit den meisten seines Stammes die Leidenschaft für die Jagd. Von seiner Baulust zeugen außer dem Königstein, den er erst zur Festung umschuf, verschiedene Bauten in der Residenz, namentlich das damals als Prachtbau angestaunte Stallgebäude. Von der ihm am 25. April 1582 vermählten Sophie von Brandenburg hinterließ er drei Söhne, Christian, Johann Georg und August; die älteste Tochter Sophie wurde die Gemahlin Herzogs Franz von Pommern, die jüngere, Dorothea, starb am 17. November 1617 als Aebtissin von Quedlinburg.