ADB:Coler, Johann

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Artikel „Coler, Johann“ von William Löbe in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 402–403, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Coler,_Johann&oldid=- (Version vom 20. Oktober 2019, 14:53 Uhr UTC)
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Band 4 (1876), S. 402–403 (Quelle).
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Colerus: Johann C., der erste unter den deutschen Schriftstellern, welche der Landwirthschaft eine neue Richtung gaben; seine Schriften haben darum noch heute ein wenn auch nur historisches Interesse. Geboren gegen Ende des 16. Jahrhundertis in Goldberg in Schlesien, wurde er in Rostock Magister, dann Prediger in der Mark und † als solcher 23. Oct. 1639 in Parchim. Es sind von ihm drei Werke erschienen: „Calendarium perpetuum et sex libri oeconomici“ oder „Stets währender Kalender für die Hauswirthe, Ackerleute, Apotheker, Kaufleute, Wandersleute, Weinherren, Gärtner, gemeine Handwerksleute und alle diejenigen, welche mit Wirthschaft umgehen“. Dieses Buch erregte allgemeines Aufsehen. Wann es zuerst erschienen ist, läßt sich nicht sicher feststellen. Eine neue, nachgedruckte Auflage erschien 1599 in Constanz. Dieser Nachdruck hatte zur Folge, daß C. das Calendarium 1600 vermehrt und verbessert herausgab, wie solches in der Vorrede einer spätern Auflage, welche 1684 in 4 in Wittenberg erschien, zu ersehen ist. Ferner „Oeconomia ruralis et domestica, worin das Ampt aller braven Hausväter und Hausmütter begriffen“. Auch von diesem Werke ist es ungewiß, in welchem Jahre es zuerst erschienen. Man glaubt, daß es von 1591–1605 in 6 Theilen in 4 in Wittenberg gedruckt worden ist. Eine Ausgabe in Folio von 1609 (auch 1627) enthält beide Werke und führt den Titel „Haushaltungsbuch“, unter welchem auch die spätern Auflagen erschienen sind: Mainz 1638. 1645. 1656. 1665. 1668 fol., ferner Frankfurt a. M. 1680. 1691, ein „Neuverbesserter Colerus“,“, Leipzig 1711, 4 etc. Die Ausgabe von 1680 führt den Titel: „Oeconomia ruralis et domestica, darin das ganze Amt aller treuen Hausväter und Hausmütter; beständiges und allgemeines Hausbuch vom Haushalten, von Hecken-, Garten-, Blumen- und Feldbau begriffen, auch Wild- und Vogelsang, Waidwerk, Fischerei, Viehzucht, Holzfällung, und sonst allem, was zur Bestellung und Regierung eines wohlbestellten Meierhofs, Länderei, gemeines Feld- und Hauswesen nützlich und von nöthen sein möchte, sammt beigefügter einer experimentalischen Hausapotheke und Vieharzneikunde, wie denn auch eines Calendarii perpetui, dadurch und darin man nicht allein Menschen, Vieh, Blumen, Gärten- und Feldgewächse mit Geringem unter Gottes Hülfe zu helfen und vor Ungewitter zu präserviren und zu säubern, auch wie man nach der Influenza des Gestirns, Sonne und Mondes zu rechter Zeit Düngen, Säen, Pflanzen, Aernten und Zubauen soll, zu finden. Für allerhand Kauf- und Handelsleute, auch Barbiere, Goldschmiede, [403] Gärtner, Viehhändler, Jäger, Fischer, Vogler und alle, die mit Handel und Wandel umgehen und ihre Geschäfte, Nahrung und Gewerbe treiben.“ Dieses Werk ist das erste vollständige über die Oekonomie in Deutschland, encyklopädischer Natur und beruhend auf den Darstellungen dieser Gegenstände, welche sich unter dem Namen der ars oeconomica in den mittelalterlichen allgemeinen Encyklopädien finden. Er führt aus den alten, namentlich den griechischen Schriftstellern an was er für die Oekonomie in Deutschland brauchbar fand und fügte die bis zu seinen Zeiten gemachten neuen Erfahrungen hinzu. Von besonderem Werthe sind seine genauen Preisangaben. Durch Colerus’ Buch bekam die deutsche Landwirthschaft neues Leben. Die erste Wirkung gab sich in der Litteratur dieses Faches kund, indem nun nicht mehr bloße Uebersetzungen griechischer und lateinischer Schriftsteller erschienen. Fast ein ganzes Jahrhundert hindurch diente das Werk von C. andern Schriftstellern zur Richtschnur. Endlich findet sich von ihm noch eine „Oeconomia ecclesiastica, Das ist ein geistlich und nützlich Haußbuch von Lutherischem, Bäpstischen, Calvinischen und Türkischen Glauben, darinnen ..... Bericht geschicht den Einfeltigen unnd Layen, wie weit die drey letzten vom waren und allein seligmachenden Glauben, den man itziger Zeit den Lutherischen nennt, gewichen"“ etc., 1616.

Ueber das 25jährige Wirken des landwirthschaftlichen Vereins in Baiern, eine Rede von v. Hazzi.