ADB:Collinus, Rudolfus

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Artikel „Collinus, Rudolfus“ von Jacob Achilles Mähly in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 410–411, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Collinus,_Rudolfus&oldid=- (Version vom 17. Oktober 2019, 13:40 Uhr UTC)
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Collin: Rudolf C., ein bekannter schweizerischer Humanist, intimer Freund des Reformators Zwingli, hieß eigentlich Ambüel und nannte sich auch Clivanus – beides, nach Sitte der damaligen Gelehrten, Uebersetzungen des deutschen Namens. Geboren zu Guntolingen (im schweizer. Canton Luzern) im J. 1499, faßte er später seine Lebensschicksale in das Epigramm zusammen: „Gundelii natus, 2) studiosus, 3) restio, 4) miles, 5) Mox Tiguri civis, 6) deinde professor eram, 7) Nunc quoque in extremis, qualis me cunque manet fors, Sors haec in manibus stat, Deus alme, tuis.“ Seine Entwicklungsgeschichte hat Aehnlichkeit mit derjenigen des berühmten, ebenfalls Seiler gewordenen Thomas Platter, der eine Zeit lang bei C. in Zürich das Seilerhandwerk erlernte Und in seiner Autobiographie diese Episode launig beschreibt. Auch C. ging durch die Schule der Armuth. Nach dem Besuch der Schulen zu Münster und Luzern erhielt er durch die Verwendung von Gönnern die Vergünstigung, in Basel (besonders unter Glarean) Mathematik zu studiren, begab sich hernach nach Wien und hörte hier den Vadian, setzte seine Studien in Mailand (unter Caelius Rhodiginus und Stephanus Niger) fort, erhielt später eine Schulmeisterstelle (1521) zu St. Urban in seinem Heimathcanton und wurde, als er auf dem Wege nach Constanz durch Zürich (1524) passirte, von Zwingli und Myconius beredet, die lutherische Confession anzunehmen. Hier lernte er (für 18 Gulden) um des lieben Brotes willen das Seilerhandwerk, zog es aber bald vor (1525), bei Herzog Ulrich von Würtemberg Kriegsdienste zu nehmen. Nach dessen Flucht nahm er den Abschied und kehrte zu seinem Beruf und nach Zürich zurück. Hier kaufte er sich (1526) das Bürgerrecht und wurde in demselben Jahre, als Jakob Ceporinus (s. d.) gestorben war, zu dessen Nachfolger in der griechischen Professur ernannt, mußte aber bei der magern Besoldung noch durch Weiterführung des Seilerhandwerks und durch Kostgeberei seine Familie erhalten. Indessen auch diese sehr mannigfaltige Thätigkeit wurde unterbrochen durch mehrere diplomatische Reisen, 1528 in Begleitung Zwingli’s nach Bern zum Religionsgespräch, 1529 nach Marburg (in derselben Angelegenheit), in demselben Jahre nach Venedig, wo er, nach dem weit aussehenden Plane Zwingli’s, die Abschließung eines Schutz- und Trutzbundes mit der freien Republik bewirken sollte, unter dem Vorgeben, die spanisch-österreichische Macht zu paralisiren (ein abenteuerlicher Plan, an welchem Collin’s Diplomatik scheitern mußte) – endlich in Sachen des Herzogs Ulrich von Würtemberg nach Frankreich [411] (1531). Es ist ein bezeichnender Zug im Leben dieses Gelehrten, daß er trotz seiner bittern Armuth eine der ihm vom venetianischen Dogen geschenkten goldenen Kronen zum Ankauf eines – Aristophanes verwandte! Von nun an scheint sich C. ziemlich ungestört seiner Professur gewidmet zu haben bis zu seinem Tode in Zürich (9. März 1578). In seinen verschiedenen Vorlesungen erklärte er Homer, Aristophanes, Hesiod, Xenophon, Plutarch, Isocrates, Demosthenes und Nonnus; wenigstens waren lange Zeit noch handschriftliche Erklärungen zu diesen Schriftstellern in Zürich vorhanden. Er lehrte auch neben Pellican und Myconius an dem von Zwingli ins Leben gerufenen humanistisch-theologischen Institut und war thätig bis zur letzten Stunde seines Lebens. In seiner späteren Periode verlor er die Lust an den Profanschriftstellern („profanorum scriptorum pertaesus sacris immori cupiebat“). C. ist (oder soll sein?) Autor der zu Basel unter dem Pseudonym Dorotheus Camillus erschienenen lateinischen Uebersetzung des Euripides, ferner der „Demosthenis orationes Olynthiacae latine redditae“ (Frankf. 1585), der „Argumenta singul. capit. in Evangel. Math.“ der „Epigrammata ad viros clarissimos, collegas suos“, mehrerer „Epicedia“ (Zürich bei Froschauer, wenn diese nicht vielmehr von seinem Sohne Joh. C. sind), der „Heroica de pugna Capellana“ etc.

Vgl. über ihn die Vita ab ipso descripta (Tigur. 1722, und in den Miscell. Tigur. I, 1-29; deutsch übersetzt von Sal. Vögelin im Zürchertaschenbuch 1859). – Konr. Furrer, R. Collin, ein Charakterbild, Halle 1862. – Leu, Schweiz. Lexikon sub v. Collin.