ADB:Colyn, Bonifacius

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Colyn, Bonifacius“ von Friedrich Haagen in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 426–428, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Colyn,_Bonifacius&oldid=- (Version vom 16. Oktober 2019, 07:51 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Colvius, Petrus
Band 4 (1876), S. 426–428 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Bonifacius Colyn in der Wikipedia
GND-Nummer 135723000
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|4|426|428|Colyn, Bonifacius|Friedrich Haagen|ADB:Colyn, Bonifacius}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=135723000}}    

Colyn: Bonifacius C., welcher einer schon im Anfange des 14. Jahrhunderts in Aachen einflußreichen Patricierfamilie angehörte, spielte seit dem J. 1581 in den confessionellen Streitigkeiten der alten Krönungsstadt eine hervorragende Rolle. Er stand auf der Seite der Evangelischen, welche allmählich den [427] katholischen Rath verdrängt und seit 1581 das Stadtregiment in die Hände genommen hatten. Als Kaiser Rudolf II. nach wiederholten und vergeblichen Abmahnungen erklärte, „daß Bürgermeister, Schöffen und ganzer Rath des kaiserlichen und königlichen Sitzes und der Stadt Aachen in Zukunft, wie bisher, einzig und allein die katholische Religion bekennen, und daß zu dem Rath und zu den Aemtern der Republik nur solche gewählt werden sollten, welche diese Religion bekennen", mit Gewalt drohte und verlangte, daß die Evangelischen den eingedrungenen Rath entfernen, den katholischen anerkennen, die fremden Prediger ausweisen, das Zerstörte wiederherstellen und alles in den früheren Stand setzen sollten, sandten die Evangelischen den Bonifaz C. an den Kaiser, um diesen zu bitten, die Ausführung der Zwangsbefehle nicht zu beschleunigen. Eine Belagerung der Stadt indessen konnte C. nicht verhindern. Mit dem Beginn des Jahres 1582 erfolgte die Umlagerung der Stadt auf Befehl des Kaisers durch königl. (spanische) Truppen unter dem Bischof von Lüttich, Herzog Ernst von Baiern. Im Auftrage des Raths wandte der am kaiserl. Hoflager sich aufhaltende Bonifaz C. sich an den Kaiser mit der Bitte um Aufhebung der Belagerung. Die Stadt blieb jedoch sechs Monate lang eng eingeschlossen. Während einzelne vom Kaiser delegirte Fürsten Jahre hindurch versuchten, die Parteien zu einem Einverständnisse zu bewegen, wurden die Zustände in der Stadt immer verworrener, bis endlich der Kaiser am 6. Oct. 1593 von Prag aus einen Urtheilsspruch erließ, der dahin lautete, die Akatholiken hätten kein Recht gehabt, in der kaiserl. Stadt Neuerungen in Religionssachen zu machen und sich in den Besitz des Stadtregiments zu setzen, und seien verpflichtet, für jeglichen Schaden aufzukommen. Alles sollte auf den Stand von 1560 zurückgeführt werden. Die Dinge blieben in Aachen unverändert, obgleich der Kaiser alle Veränderungen für ungültig erklärt hatte. Am 7. Mai 1597 wurden Bonifaz C. und Simon Engelbrecht, die Häupter der akatholischen Partei, zu Bürgermeistern gewählt. Endlich erging am 30. Juni 1598 über den Rath die kaiserl. Acht, deren Ausführung dem Herzog Ernst von Baiern, der gleichzeitig Erzbischof von Köln und Bischof von Lüttich war, übertragen wurde. Der Rath, welcher am 12. Juli die Nachricht von der Achtserklärung erhalten hatte, versammelte sich am 14. desselben Monates. Auf den 15. und 16. wurde der große Rath, aus 127 Mitgliedern bestehend, zu welchen auch die 43 Mitglieder des kleinen Rathes zählten, zu den entscheidenden Beschlüssen zusammen gerufen. Er erklärte sich bereit, sein Amt niederzulegen, die öffentliche Uebung des Glaubens der Augsburgischen Confession einzustellen und billige Entschädigung zu leisten. Zu den Verhandlungen mit dem Kaiser wegen der Unterwerfung wählte der Rath drei Männer, den Bonifaz C., den Weinmeister Peter Vercken und den Syndik Mann. Letzterm und dem Bürgermeister C. gab man schuld, sie hätten bei ihrer Sendung an den Kaiser und die Reichsfürsten verschwiegen, daß in Aachen zweierlei evangelische Religionsexercitia geübt würden. Am 29. Juli wurden die Namen von mehr als hundert angesehenen Männern an die Kirche zum hl. Foclan angeheftet, unter ihnen auch derjenige des Bonifaz C. Mit dem 1. Sept. trat der katholische Rath wieder in Function, und es begann die Reaction. Der Gattin des Bonifaz C. wurde befohlen, ihre Wohnung zu verlassen, und diese wurde einem Anderen zugewiesen. Bonifaz C. lebte in der Verbannung und knüpfte im August 1600 auf Empfehlung des auch zum Erzbischof von Köln ernannten Bischofs Ernst von Lüttich und des Erzherzogs Albrecht von Brabant mit der Stadt wegen seiner Begnadigung Unterhandlungen an. Diese zerschlugen sich aber, da die Stadt 12000 Thaler verlangte und der Geächtete nur 7000 zahlen wollte. Endlich hatte die kurfürstl. kölnische Commission zu Gunsten Colyn’s am 18. April 1602 die Strafsumme auf 7000 Thaler normirt, [428] die höchste überhaupt, welche von einem Geächteten gezahlt wurde. Dem katholischen Rath galt C. als die gefährlichste Persönlichkeit, weil er, sagt Franz Karl Meyer in seinen Aachen’schen Geschichten S. 511, unter der Maske eines Katholischen den schändlichsten Verrath an seinen Glaubensbrüdern spielte. Wiederholte Gesuche, unterstützt von hochstehenden Männern, dem Erzbischof Ernst von Köln und dem Erzherzog Albrecht von Brabant, für ihn das Geleit in die Stadt zu erlangen, wurden abschlägig beantwortet. Endlich gestattete man ihm am 26. April 1602, von dem nahen Burtscheid aus auf einem großen Umwege in die Stadt zu kommen und bei seiner Tochter einzukehren. Er wurde aber sorgfältig überwacht und ihm der Verkehr mit anderen Personen untersagt. Die den Protestanten günstigeren Verhältnisse der nächstfolgenden Jahre benutzte er, um nach Aachen zurückzukehren; wo er im J. 1608 starb und in der St. Jacobskirche vor dem Hochaltar begraben wurde, wie wir aus dem Copulations-, Tauf- und Sterbebuch erfahren, welches sein Sohn, ebenfalls Bonifaz C. genannt, der katholischen Kirche von Lövenich bei Zülpich, in deren Nähe die v. C. die Burg Lintzenich besaßen, im J. 1620 schenkte. Die Familie v. C. kam in Aachen nicht mehr zur Bedeutung. Man vergl. F. K. Meyer, Aachen’sche Gesch. Aachen 1781 und F. Haagen, Gesch. Aachens, 2. Theil. Aachen 1874.