ADB:Cristus, Petrus

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Artikel „Cristus, Petrus“ von Oskar Eisenmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 598–599, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Cristus,_Petrus&oldid=- (Version vom 18. Juni 2019, 12:37 Uhr UTC)
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Cristus: Petrus C., Maler, Peters Sohn, wie er urkundlich genannt wird, Petrus Christophori, wie er selbst sich auf seinen Bildern bezeichnet, weshalb er vor Entdeckung der Urkunden Peter Christophsen hieß, geb. zu Baerle bei Deynze wol nicht vor 1400, † nach 1472, gehört zur ersten Generation der van Eyck’schen Schule und war vielleicht noch directer Schüler des Jan van Eyck. Jedenfalls ist aus seinen Werken ersichtlich, daß er sich eng an die künstlerische Eigenart Jans anschloß. Er hat mit ihm diejenigen Eigenschaften gemein, die denselben von seinem älteren Bruder Hubert unterscheiden, sowol die positiven, als die negativen, Neigung zum Porträt, zu feiner Ausführung in Betonung des Einzelnen und wenig Talent für ideale Auffassung und Durchführung größerer Aufgaben. In seiner Vorliebe für kurze Gestalten und rundliche Gesichtstypen wollen Crowe und Cavalcaselle einen Einfluß der kölnischen Schule des Meisters Stephan erkennen, doch dürfte dies schwerlich zu erweisen sein, da er sich gewiß nicht solche Nebensächlichkeiten, sondern eher ihre reichere Farbenstimmung und Empfindungsweise anzueignen gesucht hätte. Darum wird es genügen, jene Besonderheiten als eine ihm eigenthümliche Geschmacksrichtung zu bezeichnen, wie ja auch Jan van Eyck namentlich in seinen Madonnen und Cristusknaben ähnliche Auffälligkeiten hat. Sein frühstes auf uns gekommenes Gemälde vom J. 1446 ist das Bildniß des Eduard Grimston, Gesandten König Heinrichs VI. am burgundischen Hofe, jetzt im Besitze des Earl of Verulam. Diesem folgt seine Madonna mit den hh. Franciscus und Hieronymus im Städel’schen Institut zu Frankfurt, ziemlich stumpf im Gefühl, aber ausgezeichnet durch coloristische Wärme und Wiedergabe des Einzelnen. Das Bildchen ist noch besonders dadurch interessant, daß es durch eine übel verstandene Restauration die falsche Jahreszahl 1417 erhielt, die vorher sehr wahrscheinlich 1447 lautete. Ehe dies [599] entdeckt war, hatte man ihn, fußend auf jenem Irrthum, älter, als er war und zum Schüler Huberts van Eyck gemacht, was nach der Beschaffenheit und Entstehungszeit seiner datirten Bilder sehr unwahrscheinlich ist. In den Registern der Lucasgilde zu Brügge, wo er sich im Juli 1444 das Bürgerrecht erworben hatte, erscheint er erst im J. 1450 und 20 Jahre später findet man ihn unter ihren hervorragendsten Mitgliedern. Mit seiner Frau war er 1462 einer frommen Bruderschaft beigetreten. Weitere datirte Bilder von ihm sind der hl. Eligius, Patron der Goldschmiede mit dem Brautpaar, dem der Heilige Ringe verkauft, im Besitze des Freih. v. Oppenheim zu Köln vom J. 1449, drei Halbfiguren mit Porträtköpfen von wenig Individualität, im übrigen wieder ein Werk reich an trefflich ausgeführten Einzelheiten; endlich eine Verkündigung und ein jüngstes Gericht im Berliner Museum vom J. 1452. Den letztern Gegenstand hat er noch einmal behandelt in einem Bilde, das früher in Spanien, jetzt in der Ermitage zu Petersburg sich befindet, worüber Waagen folgendes sagt: „Beiden Darstellungen ist die augenscheinlich diesem Meister eigenthümliche Erfindung eines colossalen Gerippes gemein, welches den Abgrund, worin die Verdammten ihre Strafe erleiden, überspannt. So finden sich auch hier ganz dieselben Teufelsmasken, wie auf dem Bilde in Berlin; ja auch der Erzengel Michael hat eine Aehnlichkeit mit dem auf letzterem. Indeß gehören die beiden Flügel der Ermitage offenbar einer viel früheren Zeit des Meisters an, denn in der tiefen, warm-bräunlichen Färbung stehen sie dem Hubert van Eyck noch sehr nahe. Sie sind sowol hierin, als in der bewunderungswürdigen Meisterschaft der miniaturartigen Ausführung bei weitem das schönste, was mir bisher von diesem Meister vorgekommen ist. Dabei läßt die Erhaltung nichts zu wünschen übrig.“ Als Gegenstück zu diesem Weltgericht befindet sich in derselben Sammlung eine Kreuzigung. Das Bildniß eines jungen Mädchens aus der Familie Talbot im Museum zu Berlin soll auf dem abgängig gewordenen Rahmen die Aufschrift: Opus Petri Christophori getragen haben. Endlich wird als ein hervorragendes Werk von ihm gerühmt eine Tafel im Museo del Prado, welche in vier Feldern die Verkündigung, Heimsuchung, die Geburt Christi und die Anbetung der Könige enthält. Unbeglaubigte Werke, von Crowe und Cavalcaselle dem C. zugeschrieben, sind noch folgende: eine Madonna in der Gallerie zu Turin, Bildnisse eines Stifters mit dem hl. Antonius in der Sammlung des Schlosses Christiansburg zu Kopenhagen, Doppelporträt von Mann und Frau, auf der Rückseite die Verkündigung, in den Uffizien zu Florenz, dort dem Hugo van der Goes zugeschrieben, das Porträt des Marco Barbarigo in der Nationalgallerie zu London, Johannes der Täufer und die hl. Barbara nebst einem Donator im Museo del Prado zu Madrid.

Geschichte der altniederländischen Malerei von Crowe und Cavalcaselle, deutsche Originalausgabe von A. Springer, S. 140 ff. – Waagen, Die Gemäldesammlung in der k. Ermitage zu St. Petersburg, S. 116.