ADB:Cundisius, Gottfried

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Artikel „Cundisius, Gottfried“ von Clemens Brockhaus in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 640–641, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Cundisius,_Gottfried&oldid=- (Version vom 20. Oktober 2019, 04:01 Uhr UTC)
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Cundisius: Gottfried C., lutherischer Theolog, geb. 11. Septbr. 1599 zu Radeberg in Sachsen, woselbst sein Vater damals Pastor war, studirte seit 1618 in Leipzig, wo er die philosophische Magisterwürde 1622 erlangte, 1627 begab er sich nach Wittenberg, das Studium der Theologie zu vollenden, im J. 1629 wurde er Pfarrer zu Geringswalde in Sachsen, im J. 1632 Superintendent in Leisnig, 1634 promovirte er als Doctor der Theologie in Wittenberg, im J. 1635 wurde er Superintendent zu Oschatz und 1638 Stiftssuperintendent zu Merseburg, 1643 wurde er als Professor nach Jena berufen, woselbst er auf der Kanzel vom Schlage getroffen am 25. Juli 1651 starb. C. steht auf streng orthodox-lutherischem Standpunkte und schließt sich an die Streittheologen seiner Zeit mit voller Ueberzeugung an. Als akademischer Lehrer übte er einen sehr heilsamen Einfluß, indem er die Studirenden namentlich zur Selbständigkeit anregte, wovon die 16 Disputationen über den Römerbrief, die [641] unter seiner Leitung von Studirenden verfaßt wurden und die in Jena 1646 erschienen, Zeugniß ablegen. In seiner litterarischen Thätigkeit bewegt er sich auf allen Gebieten der Theologie, doch ist sein Hauptgebiet die Dogmatik und Symbolik. So gab er Anmerkungen zu Hutter’s Compendium locorum theol. heraus 1648. Voll antipapistischen, noch mehr anticalvinischen Eifers, war er schon in Leisnig in einer Schrift „Tyskivizius ἐλεγχόμενος“ 1634 gegen eine Schrift eines Jesuiten Tysziviz aufgetreten, der einmal gegen die protestantische Lehre überhaupt polemisirt, dann aber dem lutherischen Gewissen des C. dadurch Aergerniß gegeben hatte, daß in jener Schrift lutherische und calvinische Lehre als identisch behandelt waren. Die Gegenschrift des C. bewegt sich daher in einer energischen Vertheidigung der lutherischen Lehre gegen die jesuitischen Angriffe, sodann in einem beständigen Betonen des Unterschiedes derselben von der calvinischen Häresie. Eine ähnliche Tendenz geht durch die in Jena geschriebenen Abhandlungen: „Mataeologia Pareana detecta, sive disputationes X theologiae symbolicae etc.“, 1646. Dieselben sind gegen eine Schrift des Reformirten Philipp Pareus in Hanau gerichtet, der mit einseitiger Vorliebe Zwingli zum Vorgänger Luther’s gestempelt, überhaupt den Zusammenhang und die Ergänzung des Reformationswerks zwischen Lutheranern und Reformirten betont und außerdem die reformirte Abendmahlslehre der lutherischen gegenüber als die richtige geschildert hatte. Dagegen erhob sich C., um die aufgestellten Behauptungen zu widerlegen, Luther die Priorität im Reformationswerke zu sichern, die solidarische Verbindung beider Reformatoren abzuweisen, dann aber der lutherischen Abendmahlslehre den alleinigen Anspruch auf die Wahrheit zu vindiciren. Cundisius’ Polemik trägt die Schwächen und Flecken der damaligen lutherischen Theologie, aber sie ist kräftig und im Tone der Ueberzeugung. Als Prediger hat C. wol die uns befremdenden Eigenthümlichkeiten der Predigtweise seiner Zeit, indessen fehlten ihm auch nach dieser Seite Kraft und Frische nicht.