ADB:Döhler, Theodor

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Artikel „Döhler, Theodor“ von Rochus von Liliencron in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 297, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:D%C3%B6hler,_Theodor&oldid=- (Version vom 17. Juni 2019, 01:06 Uhr UTC)
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Döhler: Theodor D., Claviervirtuose, kann allerdings für einen Deutschen nur gelten, weil seine Eltern und Hauptlehrmeister Deutsche waren, mag aber doch wegen seines Zusammenhanges mit deutscher Kunstgeschichte hier genannt werden; geb. am 20. April 1814 zu Neapel, wo sein Vater († 1843 in Lucca) Regimentscapellmeister war, † zu Florenz 21. Febr. 1856. Von Benedict, der damals in Neapel Capellmeister war, vorgebildet, erregte er schon in seinem zehnten Jahre als Clavierspieler die Bewunderung der Hörer. 1827 folgte er dem nach Lucca berufenen Vater dorthin. 1829–34 studirte er in Wien unter Czerny und Sechter. 1832 ließ er sich hier im Saale der Musikfreunde mit Czerny’schen und Beethoven’schen Compositionen hören. Für die dort errungenen Erfolge ernannte ihn der Herzog von Lucca im selben Jahr zum Kammervirtuosen. Im December 1834 spielte er (Kalkbrenner’sche Musik) in Neapel. Die J. 1836–45 verlebte er auf fast ununterbrochenen Virtuosenfahrten. Nach Ausweis der Berichte in der Allg. Mus.-Zeitung war er 1836 in Leipzig und Berlin, 1837 in Berlin, dann in Italien; 1838 in Paris und London; 1839 wieder in Paris, London, dann in München, im Haag; 1840 in ganz Holland, London, Paris, Lucca, Florenz, worauf er die J. 1841–42 in Italien geblieben zu sein scheint; Ende 1842 erschien er wieder in Leipzig und Frankfurt a/M.; 1843 gleichzeitig mit Liszt in Berlin, dann in Hamburg und mit Ernst und Ole Bull in Kopenhagen, von wo ihn der Tod seines Vaters nach Italien zurückrief; 1844 wieder in Deutschland, in Frankfurt a/M., Berlin, Breslau, dann in London; 1845 über Dresden etc. nach Rußland; im November war er wieder in Florenz. In Rußland hatte die Gräfin Elise Scheremetjeff, eine reiche junge Erbin, sein Herz gefesselt und er beschloß, der Virtuosenlaufbahn zu entsagen. Der Kaiser von Rußland wollte die Verbindung jedoch nicht zugeben, bis 1846 der Herzog von Lucca seinen Günstling baronisirt hatte. Darauf fand die Vermählung statt. Ganz hat jedoch D. dem öffentlichen Spiel danach nicht entsagt, denn Anfang 1847 spielte er im Pariser Conservatorium (Allg. Mus.-Zeitung 49, 254). Schon um diese Zeit stellten sich aber Spuren eines Rückenmarkleidens ein, dem D. nach 10 Jahren einer sonst glücklichen Ehe erliegen sollte. – Döhler’s Compositionen, 75 Opp., gehören, mit Ausnahme der 1846 beendigten Opernpartitur „Tancreda“, durchaus dem Gebiet der gefälligen, jedoch leeren Salon- und Virtuosenmusik an. Sein Spiel war von höchster Eleganz und brillanter Technik, bezauberte die Hörer aber auch meistens nur bei dem Vortrag jener das Erstaunen kitzelnden Virtuosenmusik, während sein Spiel einzelne Compositionen von Moscheles oder Hummel, von Beethoven oder Mendelssohn, die er in seine Programme manchmal aufnahm, kalt zu lassen pflegte, theils weil er diese Dinge ohne tiefere Auffassung spielte, theils freilich wol auch, weil das Concertpublicum der 30er und 40er Jahre an zunehmender Taubheit für wahre Musik litt.

Vgl. Mendel, Mus. Convers.-Lexikon.