ADB:Döring, Wilhelm von

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Artikel „Döring, Wilhelm von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 48 (1904), S. 32–33, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:D%C3%B6ring,_Wilhelm_von&oldid=- (Version vom 17. August 2019, 17:24 Uhr UTC)
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Doering: Karl Gustav Alfred Wilhelm von D., königlich preußischer Generalmajor, geboren am 3. September 1819 zu Königsberg i. Pr. als der Sohn eines 1866 im Ruhestande gestorbenen Generals, welcher damals dort Capitän und Brigadeadjutant war, wurde seit 1830 in den Cadettenhäusern zu Potsdam und Berlin erzogen und am 18. August 1836 zum Secondlieutenant in dem zu Berlin garnisonirenden Kaiser Alexander Garde-Grenadierregimente Nr. 1 ernannt. Damit gelangte er in Kreise, welche dem eleganten, lebensfrohen, gewandten und in allen körperlichen Uebungen hervorragenden jungen Officier mannichfache Anregung und Gelegenheit boten sich nicht nur militärisch, sondern auch anderweit fortzubilden; in seinem Streben wurde er außerdem durch Abcommandirung zu anderweiten dienstlichen Verwendungen gefördert. Seine 1846 erfolgte Commandirung zur Allgemeinen Kriegsschule wurde durch die Märzereignisse des Jahres 1848 unterbrochen. Nachdem er an den Berliner Straßenkämpfen theilgenommen hatte gehörte er zu den Officieren, welche auf den Wunsch des Prinzen Friedrich von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg zum Eintritte in die schleswig-holsteinsche Armee beurlaubt wurden. In dieser hat er die Feldzüge von 1848 und 1849, jenen als Compagniechef, diesen als Brigadeadjutant mitgemacht und sich nach dem Urtheile des preußenfeindlichen, aber sachkundigen Stabsauditeurs Lüders (Denkwürdigkeiten zur neuesten schleswig-holsteinschen Geschichte, Stuttgart 1851, S. 527) als talentvoll, tapfer, umsichtig und von rascher Entschlossenheit im Gefechte erwiesen. Ebenso günstig urtheilten über ihn seine Vorgesetzten und Kameraden.

Am 15. April 1850 kehrte er nach Preußen und für den Winter 1850/51 auf die Allgemeine Kriegsschule, dann in die Front zurück. Im J. 1852 verheirathete er sich mit einer Gräfin Dohna, 1854 erhielt er eine Compagnie im Alexanderregimente. In dieser Stellung nahm er, als einer der Bahnbrecher für eine neue Aera, den Kampf gegen die damals noch maßgebende Art der Ausbildung auf, welche als das Ziel der letzteren die Paradedressur ansah. Diese wollte er durch die Vorbereitung auf den Krieg ersetzen, sie sollte der Ausbildung des Individuums Platz machen. Daß sein Streben vielfachem Widerstande begegnete störte ihn nicht. Thatkräftige Zähigkeit und unbeugsames Festhalten an dem für richtig Erkannten bildeten Hauptzüge seines Charakters. Er war ein unbequemer Untergebener und ein strenger, wenig geliebter Vorgesetzter, aber seine Leistungen und sein Streben fanden trotzdem Anerkennung und 1858 erreichte er das Ziel seiner langgehegten Wünsche: die Versetzung in den Generalstab. Sie erfolgte 1858 und führte ihn zur 3. Division nach Stettin, an deren Spitze im nächsten Jahre Prinz Friedrich Karl trat. Zwischen Beiden herrschte Uebereinstimmung in den Grundfragen militärischer Ausbildung und Verwendung, ihr Verhältniß zu einander gestaltete sich zu einem harmonischen. Bald nachdem der Prinz commandirender General des brandenburgischen Armeecorps geworden war, am 25. August 1860, wurde D., seit zwei Jahren Major, zum Director der Kriegsschule zu Potsdam ernannt. Für eine solche Verwendung hatte ihn die gleiche als Leiter der früheren Divisionsschule zu Stettin dem General von Peucker, welcher diese Art von Bildungsanstalten durch jene ersetzte, als besonders geeignet erscheinen lassen. Sie dauerte bis zum Frühjahr 1863. Dann trat D., welcher kurz vorher Oberstlieutenant geworden war, als Bataillonscommandeur im 5. westfälischen Infanterieregimente Nr. 53 zu Münster in den Frontdienst zurück. Freilich nicht für lange, aber die Zeit war ereignißreich. Sie brachte dem eifrigen Soldaten die Theilnahme am Kriege gegen Dänemark, dem ehrgeizigen Officier den Orden pour le mérite, [33] welchen er sich am 18. April 1864 beim Düppelsturme aus Schanze IV holte. Vom Kriegsschauplatze wurde er im Juni d. J. als Abtheilungschef in den Großen Generalstab nach Berlin versetzt, eine Stellung, welche ihn in vielfache und nahe Berührung mit seinem Chef, dem General Freiherrn v. Moltke, brachte. Im nächsten Jahre wurde er zum Oberst befördert und als Zuschauer zu größeren Truppenübungen in Rußland commandirt. Dann kam der Krieg gegen Oesterreich und dessen Verbündete. D. gehörte zu denjenigen Officieren der Berliner Garnison, welche ihn als unvermeidlich ansahen und daher wünschten, daß sobald als möglich alle erforderlichen Vorbereitungen getroffen würden. Seine Mitwirkung bei letzteren wuchsen an Bedeutung als er im März 1866 an die Spitze des beim Generalstabe neueingerichteten Nachrichtendienstes gestellt wurde. Bevor er auf den Kriegsschauplatz nach Böhmen abging, erhielt er den Auftrag, den letzten Versuch zu einer Verständigung mit König Georg V. von Hannover zu machen, welcher seit einigen Tagen mit den preußischen Befehlshabern über Krieg und Frieden unterhandelte. Er traf den König am 26. Juni in Langensalza. Die Zusammenkunft war ergebnißlos. Die Forderungen gingen zu weit aus einander und D. war wenig geeignet zwischen schroffen Gegensätzen zu vermitteln, wenn er einen davon selbst vertrat. Während des Feldzuges in Böhmen gehörte er als Abtheilungschef im Generalstabe zum Großen Hauptquartiere. Nach Friedensschlusse erfolgte seine Beförderung zum Commandeur des Garde-Grenadierregiments Königin Elisabeth Nr. 3, welches bis zum Sommer 1867 in Dresden, dann in Breslau stand. An der Spitze desselben wirkte er in dem nämlichen Geiste, welcher ihn als Compagniechef geleitet und den er als Bataillonscommandeur bethätigt hatte; der Widerspruch, welchem er anfänglich begegnet war, hatte fast aufgehört zu bestehen, doch blieb D. unausgesetzt das Musterbild eines Lehrers und Erziehers.

Bei Ausbruch des Krieges gegen Frankreich vertauschte er diese Stellung mit der an der Spitze der 9. Infanteriebrigade, welche er, zum Generalmajor aufrückend, im Verbande der 5. Infanteriedivision unter Generallieutenant v. Stülpnagel und des III. (brandenburgischen) Armeecorps unter Generallieutenant Konstantin v. Alvensleben in das Feld führte. Die erste Schlacht, an welcher er theilnahm, gab ihm Gelegenheit seine glänzenden militärischen Eigenschaften im hellsten Lichte zu zeigen. Mit richtigem Blicke erkannte er am 6. August, als der Kampf bei Spicheren entbrannt war, die gefährdete Lage der Division des Generallieutenants v. Kameke; auf eigene Verantwortung führte er seine, nach Beendigung ihres Tagemarsches kurz vorher in die Quartiere gerückten Truppen auf das Schlachtfeld und nahm mit ihnen, im Gefechte gegen den französischen rechten Flügel, an dem Erfolge des Tages, zu dessen glücklichem Fortgange er wirksam beigetragen hatte, wesentlichen Antheil. Zu den schweren Verlusten, welche hier die 9. Infanteriebrigade erlitt, trat beim nächsten Begegnen mit dem Feinde der schwerste, welcher sie treffen konnte, der ihres Commandeurs. Als dieser, wiederum mit sicherem Blicke erkennend worauf es ankam, am 16. August gegen die Mittagsstunde, seine Brigade auf der Hochebene Rezonville-Vionville in die Schlachtlinie geführt hatte, traf ihn eine Gewehrkugel in den Unterleib. Nach kurzer Zeit war er verschieden. Der Feldzug hatte gezeigt, daß er einer jeden ihm zu stellenden Aufgabe gewachsen gewesen wäre.

W. v. Doering von Dr. T. Krieg, Berlin 1898 (weist auch sonstige Quellen nach).