ADB:Deecke, Wilhelm

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Deecke, Wilhelm“ von Carl Pauli in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 47 (1903), S. 636–637, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Deecke,_Wilhelm&oldid=- (Version vom 24. Mai 2019, 19:42 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Deetz, Arthur
Band 47 (1903), S. 636–637 (Quelle).
Wikisource-logo.png Wilhelm Deecke (Sprachforscher) bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Wilhelm Deecke (Sprachforscher) in der Wikipedia
GND-Nummer 11762702X
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|47|636|637|Deecke, Wilhelm|Carl Pauli|ADB:Deecke, Wilhelm}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=11762702X}}    

Deecke: Wilhelm D., geboren am 1. April 1831 zu Lübeck, † am 2. Januar 1897 zu Straßburg i. E. Er besuchte das Katharineum seiner Vaterstadt, an dem sein Vater Professor war, und ging, nachdem er mit 17 Jahren die Reifeprüfung bestanden, zunächst nach Leipzig, und im folgenden Jahre nach Berlin, um Philologie zu studiren. Nach Beendigung dieser Studien übernahm er zunächst eine Vertretung am Katharineum, wurde dann aber von der Lübecker Schulbehörde 1855 als Director der Ernestinenschule, einer höheren Töchterschule, angestellt. In dieser Stellung verblieb er bis zum Jahre 1870. In diesem Jahre erhielt er, nachdem er die preußische Staatsprüfung bestanden hatte und in Leipzig promovirt worden war, einen Ruf als Oberlehrer an die Realschule 1. Ordnung zu Elberfeld. Es war dies aber nur eine Durchgangsstellung, denn schon im folgenden Jahre wurde er als Conrector an das Lyceum in Straßburg i. E. berufen. Der Titel Conrector war hier kein leeres Wort, sondern D. hatte in der That die Anstalt mitzuleiten, ja, er war gewissermaßen der eigentliche Leiter, da der bisherige Director nur mangelhaft Deutsch verstand, und die Regierung durch D. die Schule, die noch im [637] wesentlichen einen französischen Charakter trug, in eine deutsche Anstalt umwandeln wollte. Diese nicht leichte Aufgabe, die noch durch die Verwaltung eines Internates, sowie durch die Mitverwaltung des Anstaltsvermögens erschwert wurde, löste er so vortrefflich, daß er im J. 1879, nachdem für den bisherigen Director eine anderweite geeignete Stelle gefunden worden war, zum alleinigen Leiter der Anstalt ernannt wurde. Leider wurde diese seine Wirksamkeit im J. 1884 jäh unterbrochen. Wegen der Frage, ob confessionelle oder paritätische Schule, sowie wegen sonstiger Ansichtsverschiedenheiten war D. mit dem Statthalter Edwin v. Manteuffel in Gegnerschaft gerathen. Das Verhältniß zwischen beiden war schon ohnehin ein etwas gespanntes, und als nun D. seinen Standpunkt in öffentlichen Vorträgen und in einer daraus hervorgegangenen Schrift „Plaudereien über Schule und Haus“ (1884) vertheidigte, wurde er als Director an das Gymnasium der kleinen Stadt Buchsweiler versetzt, in eine Stellung, die seine bisherige hervorragende Wirksamkeit fast völlig lahm legte. Erst 1889 versetzte ihn der Statthalter Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst als Director nach Mülhausen, wo er wieder in angemessenere Verhältnisse gelangte. In dieser Stellung erkrankte er 1896 an einem schweren Magenleiden, wegen dessen er zum Zwecke einer Operation nach Straßburg sich begab, aber noch vor der Operation starb.

Neben seiner Thätigkeit als Schulmann ging eine reiche wissenschaftliche und schriftstellerische Thätigkeit einher. Bei der Vielseitigkeit seines Wissens, das das Gesammtgebiet der classischen Philologie, sowie auch die Linguistik, wenigstens zum Theil, umfaßte, sind die von ihm herausgegebenen Werke sehr mannichfach. Abgesehen von Arbeiten, die seine Vaterstadt betreffen, wie „Wilhelm von Bippen, ein deutsches Gelehrtenleben“ (1867) und „Aus meinen Erinnerungen an Emanuel Geibel“ (1885) hat er germanistische Arbeiten veröffentlicht, nämlich über „Deutsche Verwandtschaftnamen“ (1870), und solche aus dem Gebiet des Lateinischen, wo außer verschiedenen kleineren Arbeiten seine „Lateinische Grammatik mit Erläuterungen“ (1893) zu nennen ist. Seine eigentliche Bedeutung indessen liegt auf zwei anderen Gebieten, dem der kyprischen Inschriften und dem des Etruskischen. Auf dem ersteren kommt ihm, neben Mor. Schmidt und Sigismund, das Verdienst zu, das einheimische kyprische Alphabet entziffert zu haben. Die eigentlich grundlegende Arbeit dafür befindet sich in Georg Curtius’ Studien zur griech. u. lat. Grammatik VII (1874). Später hat er dann die gesammten griechisch-kyprischen Inschriften in der Sammlung der griechischen Dialekt-Inschriften von H. Collitz herausgegeben (I, 1. 1883). Seine etruskologischen Arbeiten wurden eingeleitet durch eine Kritik: „Corssen und die Sprache der Etrusker“ (1875). In dieser kleinen Broschüre von 59 S. wies er überzeugend nach, daß die von Corssen in zwei dicken Bänden gefundenen angeblichen Resultate, wonach das Etruskische eine indogermanische Sprache sei, nicht stichhaltig sind. Dann folgten eigene Untersuchungen, „Etruskische Forschungen“ (1875–84) in sechs Heften, deren letzte aber leider zu dem Standpunkte Corssen’s zurückkehrten. Neben diesen eigenen Untersuchungen lief die Neuherausgabe von K. O. Müller’s „Etruskern“ (1877) her. Durch jenen Umschwung hatte D. seine wissenschaftliche Stellung untergraben, und seine späteren Arbeiten, wie über „Die Bleiplatte von Magliano“ (im Jahresbericht des Gymn. v. Buchsweiler. Colmar 1885), über „Die Falisker“ (1888) hatten geringen Erfolg. Auch seine „Lykischen Studien“ (in Bezzenberger’s Beiträgen, Bd. 12 u. 13, 1887 u. 1888) stehen auf dem Standpunkte des Indogermanismus und haben die Sache nicht sehr gefördert. Auch als Dichter ist D. in einer Sammlung „Heimatklänge“ hervorgetreten.