ADB:Geibel, Emanuel von

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Artikel „Geibel, Emanuel“ von Max Koch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 49 (1904), S. 265–274, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Geibel,_Emanuel_von&oldid=2510950 (Version vom 12. Dezember 2017, 00:43 Uhr UTC)
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Geibel: Franz Emanuel August G., geboren am 17. October 1815 zu Lübeck, wo der durch treue vaterländische Begeisterung, Reinheit und Wärme der Empfindung wie künstlerische Pflege der Form ausgezeichnete und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgreichste deutsche Lyriker am 6. April 1884 gestorben ist.

Der aus Hanau stammende Vater Johannes G. war schon 1797 als Prediger der reformirten Gemeinde von Kopenhagen nach Lübeck berufen worden. Die Mutter, Elisabeth Luise Ganslandt, entstammte einer Refugiéfamilie Souchay. Emanuel war das siebente der zwischen 1799 und 1817 geborenen acht Kinder dieser Ehe. Die streng religiöse Richtung des stets ernsten, in der Familie wortkargen Vaters verleugnet sich in des Sohnes Dichtung nicht, so weit sie auch von allem Kirchendogma sich entfernte. Der Sinn für Beobachtung feiner Form in Kunst und Leben mag, obwol auch der Vater der Dichtung geneigt war, an die französische Abstammung der Mutter gemahnen. Von ihr, die den Kindern am Clavier schlichte Romanzen vorsang, erbten die Kinder musikalische Begabung. Wie ihr selbst „das Köstlichste blieb der Reiz der Natur“, so weckte die Mutter auch bei den Kindern, mit denen sie im Sommer gern Abends ins Freie hinauszog, „die Schönheit sehn, wo sie dem Auge sich bot“. In dem autobiographischen „Buch Elegien“ hat der Dichter kurz vor seinem Scheiden selber Erinnerungen aus der Knabenzeit festgehalten. Da erzählen seine Distichen, wie der Knabe sich in die Grimm’schen Märchen vertieft, dann aber Schiller’s Tragödien und Fouqué’s Dichtungen [266] ihn wie ein Rausch ergriffen hätten. Unter ihrem Eindruck fügten sich dem jungen Leser von selbst mühelos eigene Reime; war das Empfinden kindlich einfachst, so war doch dem ahnenden Sinn schon ein Gefühl für die Form aufgegangen. Ostern 1824 wurde Emanuel Sextaner des Katharinengymnasiums, dem er dann bis zum Frühjahr 1835 als Schüler angehörte. In der Erzählung „Julian“ hat er der Lehranstalt, die ihre Pfleglinge zu Menschen, nicht zu Lateinern erziehen wollte, in der sein Jugendleben frei und frisch erwuchs, dankbar das rühmlichste Zeugniß ausgestellt. Humorvolle „Schulgeschichten“ hat G. in der „Argo“ erzählt. Noch treuer als an der städtischen Schule hing er zeitlebens an der Vaterstadt selbst. Wo immer er weilt, gedenkt er in sehnsüchtiger Liebe des hochgiebligen Lübeck und des Thurms von St. Marien an des beflaggten Stromes Lauf. Aber mit dieser starken Heimathliebe ist doch wieder ein echter Spielmannstrieb zum Wandern verbunden, der im Mailied und „O Wandern, o Wandern, du freie Burschenlust“ fröhlichsten Ausdruck gefunden hat. In Geibel’s empfänglichem Gemüth mußte die alterthümliche Hansestadt früh geschichtliches und patriotisches Empfinden wecken. Die dänische Vergewaltigung und deutsche Ohnmacht wurde in den drei alten Hansestädten wol noch bitterer empfunden, als im Binnenlande. Beschwören seine Balladen die alten Hansehelden Wittenborg und Jürg Wullenwever („Eine Septembernacht“), so flammt sein Lied auf um die Bedrängniß der alten Hansekönigin Lübeck in trostloser Gegenwart (1844) zu klagen und im „Hanseatischen Festlied“ das verheißungsvolle erste Hissen der schwarz-weiß-rothen Flagge zu begrüßen (1867). Zu den frühen Eindrücken der Heimath gesellte sich auch der für den Poeten so unermeßlich wichtige der ersten Jugendliebe, die der Gymnasiast schon im November 1834 in Cäcilie Wattenbach fand (K. Th. Gaedertz, Was ich am Wege fand. Leipzig 1902). Eine Reihe von Gedichten hatte er ihr schon vor den Abschiedsliedern am 21. April 1835 gewidmet; am 5. Mai 1835 wurde G. als Studiosus der evangelischen Theologie an der Universität Bonn eingeschrieben. Nicht eigene Neigung sondern der keinen Widerspruch duldende Wunsch des Vaters hatte ihm die theologische Laufbahn zugewiesen. Nur zwei Semester studirte G. an der rheinischen Hochschule, dann siedelte er nach kurzem Besuche der Heimath nach Berlin über. Dennoch war dies Bonner Jahr für G. wichtig: Welcker’s römische Litteraturgeschichte, Klausen’s Sophoklescolleg, Brandis’ philosophische Vorlesungen fesselten ihn. Daß er Ernst Moritz Arndt Aug’ in Auge kennen lernen durfte, war für den Fortsetzer von Arndt’s vaterländischer Lyrik bedeutend. Wie er beim ersten Schritt „Am Rhein“ in schwungvollen Distichen Land und Leute gefeiert hatte, so übte bei den bis Mainz und Hanau sich erstreckenden Ausflügen die rheinische Natur ihre Wirkung auf den Dichter. Dem Studentenleben hielt sich G. mit andern Lübeckern wie Markus Niebuhr und Heinrich Kruse im allgemeinen fern, verkehrte jedoch in der burschenschaftliche Ideen pflegenden freien Vereinigung Rulandia. Kruse siedelte auch mit Geibel nach Berlin über und dort traf dieser auch mit seinem Jugendfreunde Ernst Curtius wieder zusammen, der G. in seiner Neigung zur Philologie bestärkte. Auch der Vater willigte nun ein, daß statt der Kanzel eine Lehrerstelle am Lübeckschen Gymnasium des Sohnes Ziel werden dürfe. Aber schon begann die Litteratur den nunmehrigen Studiosus der classischen Philologie immer mehr zu fesseln. Nicht als ein Unbekannter hatte er seinen Besuch bei dem liebenswürdigen Chamisso gemacht, denn der Herausgeber des Musenalmanachs hatte bereits Gedichten des Bonner Studenten die viel begehrte Aufnahme in den vornehmsten der deutschen Musenalmanache zugebilligt. Als erster Student wurde G. in die berühmte Montagsgesellschaft aufgenommen, [267] die Vereinigung aller litterarischen Größen Berlins. Hier schloß er die für den Jüngeren so bedeutsame Freundschaft mit Franz Kugler. Am wichtigsten von allen seinen Berliner Bekanntschaften sollte indessen für ihn die mit Bettina v. Arnim werden. G. hatte seinen aussichtslosen Lieblingswunsch geäußert, eine Reise nach Griechenland zu unternehmen; da verschaffte ihm Bettina eine Hofmeisterstelle im Hause des russischen Gesandten zu Athen, des Fürsten Katakazis. Ueber den Brenner und Venedig zog G. nach Triest, wo er sich am 16. Mai 1838 einschiffte; bei der Landung im Piräus wurde er von Ernst Curtius begrüßt, der während des ganzen bis April 1840 währenden Aufenthalts in Griechenland sein treuester Genosse blieb.

Fast in sämmtlichen Abtheilungen von Geibel’s Werken finden wir einzelne der auf griechischem Boden entstandenen Gedichte. Das dritte Buch der „Jugendgedichte“ trägt die Ueberschrift: Athen 1838–1840; unter den „Gedichten und Gedenkblättern“ finden wir eine Abtheilung „Erinnerungen aus Griechenland“ und von den autobiographischen Elegien sind die siebente und achte ebenfalls von diesen Erinnerungen angefüllt.

Das erste Buch, das Geibel’s Namen trägt, sind die von ihm und Curtius gemeinsam verfaßten und herausgegebenen „Klassischen Studien“, erstes (einziges) Heft, Bonn 1840, dreißig Uebersetzungen aus altgriechischen Dichtern und ein neugriechisches Bettlerliedchen enthaltend. 1875 gab der gealterte Dichter sein „Klassisches Liederbuch“ heraus, griechische und römische Gedichte, darunter fünfzig Oden des Horaz „in deutscher Nachbildung“. So erscheint sein ganzes Schaffen eingerahmt von diesen classischen Studien, die er auf geweihtem classischem Boden begann. Von seiner deutschen Eigenart ist G. als Dichter niemals abgewichen; aber der Aufenthalt in Hellas gerade in den entscheidenden Jahren seiner menschlichen und dichterischen Entwicklung ist das folgenreichste Ereigniß seines Lebens. Durch ihn hat Geibel’s dichterische Physiognomie ihr bestimmtes Gepräge erhalten. Was Schiller als des Künstlers höchstes Glück und Bedingung seiner Größe gepriesen hat, daß „eine wohlthätige Gottheit ihn mit der Milch eines besseren Alters nähre und ihn unter fernem griechischen Himmel zur Mündigkeit reifen lasse“, das wurde G. durch günstige Schicksalsfügung zu Theil. Am Fuße des Parthenon und während der im Sommer 1839 mit Curtius unternommenen Inselfahrt (Curtius, Erinnerungen an Geibel, Münchner Allg. Zeitung 1884, Nr. 212/14) legte G. das ernste Gelübde ab:

Muthig im Dienste der Kunst nach dem einfach Schönen zu ringen,
 Wahr zu bleiben und klar, wie’s mich die Griechen gelehrt,
Und, was immer verwirrend die Brust und die Sinne bestürme,
 Stets das geheiligte Maß fromm zu bewahren im Lied.

Diesen in Hellas gefaßten Grundsätzen ist er zeitlebens treu geblieben. Es gereichte ihm zum Heile, daß er einige Jahre dem litterarischen Treiben der Heimath entrückt blieb; aus der Ferne hoben sich Wesentliches und Unwesentliches viel schärfer von einander ab. Bei der Abreise hatte G. ein Bändchen Gedichte druckfertig hinterlassen; die Nachricht von der Verbrennung der Handschrift war dem in Athen Weilenden eher willkommen als betrübend, denn er war über diese früheren Versuche hinausgewachsen. Er fand, daß die lebenden deutschen Dichter sich in charakterlosem Gezwitscher verlören, während ihm selbst gerade während des Aufenthalts im Süden Graf Platen immer mehr zum Muster und Führer wurde. Er rief die Dichter auf, sich unter Platen’s Fahne zu sammeln, was zugleich den Kampf gegen die von der Nachahmung Heine’s beherrschte Modelyrik bedeutete. Und die in der Ferne gewonnene Erkenntniß hat er auch in späteren Jahren noch bestätigt, wenn er zum Dank für Platen’s Schule [268] aufforderte; „die strenge Pflicht, die römische Zucht“ habe uns gute Früchte getragen. Allein nicht bloß für die Festigung künstlerischer Grundsätze, sondern auch für Geibel’s politische Anschauungen war der Aufenthalt in der Fremde wichtig. Aus der Ferne gesehen verschwanden die politischen Parteigegensätze vor dem Einen, was Noth schien: einem starken einigen Deutschland. Es ist bezeichnend, daß das „Thürmerlied“, mit dem G. 1871 die Sammlung seiner vaterländischen Mahngedichte einleitete, in Athen gedichtet worden ist.

Seinen Plan, mit Otfried Müller das Innere Griechenlands und Kleinasiens zu durchforschen mußte G. aus Mangel an Geldmitteln aufgeben und sich wieder nordwärts wenden. Am 17. Mai 1840 fuhr er in Wien ein und noch vor Schluß des Monats war er wieder im Elternhause. Nicht gerade frohen Muthes kehrte er zur Heimath, denn schon war er entschlossen, keinen bürgerlichen Beruf zu ergreifen, sondern sich ganz dem Dienst der Musen zu weihen, ein Entschluß, dessen Durchführung nicht ohne äußere und innere Kämpfe erfolgen konnte. Im Herbst 1840 erschien im A. Duncker’schen Verlage zu Berlin Geibel’s erstes Bändchen „Gedichte“, Klara Kugler, der Gattin des treuen Freundes gewidmet. G. hat noch die 100. Auflage dieser Sammlung erlebt, aber in den ersten drei Jahren fand sie bei Kritik und Publicum wenig Beachtung. „Die Zeit des bangen Wartens“ auf den Erfolg wurde dem Amtlosen noch erschwert durch den am 7. April 1841 erfolgenden Tod der geliebten guten Mutter. Wie eine Erlösung kam da dem als bloßen Dichter von seinen Mitbürgern scheel angesehenen jungen Manne die herzliche Einladung des Freiherrn Karl v. d. Malsburg, einige Zeit auf seinem Schlosse Escheberg in der Nähe von Kassel zu leben. Das vom Juni 1841 bis 1842 auf Escheberg verbrachte Jahr hat G. selber als eines der glücklichsten seines Lebens bezeichnet. Geibel’s Briefe an den in altdeutscher Biederkeit auf seinem Stammsitz hausenden Freiherrn und an Mitglieder seiner Familie (hrsg. von Albert Duncker, Berlin 1885) zeigen, mit welcher Herzlichkeit der dankbare Dichter fast drei Jahrzehnte lang der Familie Malsburg verbunden blieb. Von Escheberg ließ G. auch seine erste patriotische Liedersammlung, die zwölf Gedichte „Zeitstimmen“ ausgehen (1841), die ihm freilich von der engherzigen Lübecker Censur arg verstümmelt wurden. Als der Siebenundzwanzigjährige nach Jahresfrist wieder in die Vaterstadt zurückkam, wurde er durch Zureden von allen Seiten dazu gebracht, sich mit dem Gedanken der Annahme einer Lehrerstelle am Katharineum auszusöhnen, als ihm unerwartet von Friedrich Wilhelm IV. ein lebenslängliches Jahresgehalt von 800 Thalern zugesichert wurde. In der ersten Freude, der das Dankgedicht „An den König von Preußen“ entfloß, ahnte G. noch nicht, daß diese „Pension“ ihm in der Folge noch Aerger bereiten sollte.

Die reichhaltige Schloßbücherei zu Escheberg hatte G. zu spanischen Studien verlockt, als deren Früchte ein Trauerspiel „König Roderich“ (1844) und „Volkslieder und Romanzen der Spanier“ (1843) erschienen. Ihre Verdeutschung war „Ferdinand Freiligrath, dem Dichter und Uebersetzer gewidmet“. Freiligrath beantwortete diese Huldigung mit einer Einladung nach seinem Wohnsitz St. Goar und gerne folgte der frühere Bonner Student im Mai 1843 diesem Rufe an den Rhein. Es war ein fröhliches Dichterleben, das G. mit Freiligrath und Levin Schücking den Sommer über führte, ehe er im September in Freiligrath’s Album die Verse „Abschied von St. Goar“ einschrieb. Zunächst kehrte G. im gastfreien Kerner-Hause zu Weinsberg ein, dann führten ihn Verhandlungen mit der Cotta’schen Verlagshandlung nach Stuttgart. Erst Ostern 1844 traf er wieder in Lübeck ein, um schon im Herbste aufs neue einer Einladung, diesmal des Balladendichters Graf Strachwitz, [269] nach Schlesien zu folgen. Auch in den folgenden Jahren war Lübeck eigentlich nur das Standquartier, von dem seine Wanderfahrten ausgingen. Wie lebhaften Antheil der Unstete aber an den Wünschen und Sorgen der Vaterstadt nahm, beweist sein „Ruf von der Trave“ (1845), dessen Verse der Entrüstung über Dänemark’s Plackereien gegen Lübeck scharfen Ausdruck gaben. Als nun gar die Vergewaltigung Schleswig-Holsteins mit dem Brief des „Fürst vom Inselreich“ ihren Anfang nahm, da ließ G. mit dem „Protestlied“ und zwölf „Sonetten für Schleswig-Holstein“ (1846) die alten Töne der geharnischten Sonette wieder erklingen. Die reichen Gaben seiner lyrischen Gedichte aber sammelte er 1847 in den „Juniusliedern“ (Gedichte 2. Periode), deren Name die sommerliche Reife ihres Schöpfers andeuten sollte. Und wenn er auch 1856 eine weitere Sammlung „Neue Gedichte“ (Gedichte 3. Periode) folgen ließ, so sind es doch in der That diese „Juniuslieder“ (32. Auflage 1894), welche Geibel’s beste lyrische Leistungen enthalten. Aber kaum waren die „Juniuslieder“ abgeschlossen, so brach für den Vaterlandsfreund die Zeit heran, die er selbst in einem seiner Gedichte als das bitterste Leid bezeichnete. Die Verhöhnung, die Herwegh 1843 im „Duett der Pensionirten“ gegen ihn und Freiligrath schleuderte, hatte der seiner reinen Gesinnung bewußte Dichter ruhig ertragen können, auch als Freiligrath seinerseits auf das königliche Jahresgehalt verzichtete. Unbeirrt von allen Lockungen der Parteien konnte und wollte er „zu der Fahnen keiner schwören“, nur dem Vaterland und seinen Hoffnungen wollte er gehören „wie das Blatt dem Baume“. Nun aber, nachdem das Jahr 1848 jene Hoffnungen zu erfüllen geschienen hatte, waren alle diese Geburtswehen doch vergeblich gewesen, der Dichter, der seiner Träume Bild gekommen wähnte, mußte es entweiht und geschändet sehen. Es ehrt den Mann und Dichter, daß er selbst in den Tagen von Olmütz seinen Glauben an Deutschlands Zukunft nicht einen Augenblick wanken ließ. Hatte er schon vorher statt allen Geredes einen Mann mit eherner Faust, einen Nibelungenenkel gefordert, so weissagte er nach dem Scheitern des deutschen Parlamentes, mit scharfem Stahle müsse die Frucht aus Deutschlands Leib geschnitten werden. So erfüllten Bismarck und die Jahre 1866 und 1870 nur, was er früh erkannt und ausgesprochen hatte.

So lange das Parlament in Frankfurt tagte, vertrat G. am Lübecker Gymnasium den zum Abgeordneten gewählten Professor Ernst Deecke. Im Herbst 1849 lernte er in Heringsdorf den Fürsten Carolath kennen, auf dessen schlesischen Gütern er von da an ein oftmals wiederkehrender, stets willkommner Gast wurde. Einer Einladung des Fürsten folgte er auch im Sommer 1850, seine Karlsbader Cur unterbrechend, nach Gastein. Am 21. November 1851 verlobte er sich in Lübeck mit Amanda Trummer, die am 26. August 1852 seine Gattin wurde. Die Gedichte an „Ada“ füllen ein Buch von Geibel’s „Tagebuchblättern“, aber das Glück der Ehe war nur ein kurzes. Schon am 27. November 1855 ist die zweiundzwanzigjährige Frau, nachdem sie am 10. Mai 1853 ihrem Gatten ein Töchterchen geschenkt, gestorben. Bald nach seiner Verlobung hatte G. von König Max II. die Berufung nach München unter Verleihung einer Professur für deutsche Litteratur und Metrik erhalten. Nachdem G. im März sich dem König vorgestellt hatte, siedelte er im October 1852 in die bairische Hauptstadt (Karlstraße Nr. 20) über. Seine Lehrthätigkeit an der Universität, die überhaupt nur im Wintersemester stattfinden sollte, erlangte weder für den Dichter noch für die Zuhörer Bedeutung. Dagegen fiel ihm in des Königs dichterisch-gelehrter Tafelrunde (s. A. D. B. XXII, 46 f.) eine erste Stelle zu, und um ihn schaarte sich die Münchener Dichterschule. In der 1862 von G. herausgegebenen Anthologie „Ein Münchner [270] Dichterbuch“, dem erst zwanzig Jahre später Paul Heyse ein zweites „Neues Münchner Dichterbuch“ folgen ließ, trat der Geibel’sche Kreis auch nach außen geschlossen hervor. Von gebornen Baiern finden sich im ersten Dichterbuch nur M. Beilhack, Felix Dahn, Hans Hopfen, S. Lichtenstein, Hermann Lingg, Melchior Mey; von Eingewanderten: Fr. Bodenstedt, Moriz Carriere, Julius Grosse, W. Hertz, Heyse, Heinrich Leuthold, Graf Schack, Viktor Scheffel. Von ihnen treffen wir 1882 wieder G. selbst, Bodenstedt, Grosse, Hertz, Heyse, Schack, Scheffel und daneben als neu hinzugetretene: Amélie Godin, Max Kalbeck, Franz Kobell, Ludwig Laistner, Frieda Port, L. Schneegans, Karl Stieler. Mit Heyse war G. von seiner Berliner Studentenzeit, mit Graf Schack bereits aus den Bonner Tagen her freundschaftlich verbunden gewesen. Gemeinsam mit Heyse gab er gleichsam als Zeichen ihres Bundes beim Eintritt in München ein „Spanisches Liederbuch“ (Berlin 1852), gemeinsam mit Adolf Friedrich v. Schack den „Romanzero der Spanier und Portugiesen“ (Stuttgart 1860) heraus. Als dritte genossenschaftliche Sammlung reihte sich daran die mit dem Schweizer Leuthold ausgeführte Arbeit: „Fünf Bücher französischer Lyrik vom Zeitalter der Revolution bis auf unsere Tage in Uebersetzungen“ (Stuttgart 1862).

Der Zusammenschluß der in München weilenden Dichter zu der nach Lingg’s Gedicht „Das Krokodil zu Singapur“ benannten Krokodilgesellschaft ist am eingehendsten in Heyse’s „Jugenderinnerungen“ (S. 191–298), aber auch in den Autobiographien und Aufzeichnungen von Graf Schack, Lingg, Dahn, Karl v. Binzer, Max Haushofer (Velhagen-Klasing’s Monatshefte, Februar 1902. 16, 672 f.) geschildert worden. Die Gegensätze zwischen den aus Norddeutschland berufenen Gelehrten und Dichtern einerseits, den eingeborenen andererseits machten sich sehr scharf geltend, und der jähzornige G. war eher zu einer Führer- als Vermittlerrolle geschaffen. Grund zur Klage wurde wol von beiden Seiten gegeben. Aber wenn die neuere Litteraturgeschichte in fast widerspruchsloser Uebereinstimmung von einem Münchener Dichterkreis spricht und ihm eine wichtige Stellung für die fünfziger und sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts zuweist, so erscheint dabei immer der formenstrenge G. als sein anerkanntes, gebietendes Haupt. Wenn die Leistungen der Münchener auf dem Gebiete des Dramas keine Bedeutung erlangten, so entspricht auch dieser Mangel wie mancher Vorzug in Lyrik und Erzählung den Grenzen von Geibel’s Begabung.

Seit der Gründung des vom König 1852 gestifteten Maximiliansordens für Kunst und Wissenschaft, dessen Mitglieder nicht wie bei anderen Orden der König, sondern das Capitel zu wählen, der Fürst nur zu bestätigen hatte, lag bei G. die Entscheidung über vorzunehmende Neuwahlen von Vertretern der schönen Litteratur. Der mit solcher Macht ausgerüstete G. mußte dabei manche Feindseligkeit wecken. Schon 1861 wäre der Dichter, der überhaupt nur die Wintermonate an der Isar zubrachte, gerne ganz von München wieder fortgezogen. Sein königlicher Gönner wollte ihn jedoch nicht ziehen lassen. 1863 besuchte G. die alten Erinnerungsstätten am Rhein und kehrte erst im Januar 1864 nach München zurück, wo er gar bald seinem königlichen Schirmherrn († am 10. März) einen letzten Ehrengruß in die Gruft nachzusenden hatte. Bei seinem Abscheu gegen Richard Wagner mußte ihn das München König Ludwig’s II. noch unleidlicher dünken als es ihm schon unter König Max gewesen war. Mit banger Sorge folgte er der Entwicklung der deutschen politischen Verhältnisse, beklagte in seinen Liedern den Conflict in Preußen, jubelte im Siegeslied von Düppel und stand 1866 naturgemäß völlig auf Seite Preußens. Schon König Max hatte einmal an dem unitarischen [271] Wunsche eines Geibel’schen Gedichtes Anstoß genommen. Als nun G. bei König Wilhelm’s Besuch in Lübeck am 13. September 1868 in seinem Begrüßungsgedicht die Hoffnung aussprach, der Preußenadler möge bald „übers Reich ununterbrochen vom Fels zum Meer“ ziehen, wurde bei Geibel’s Rückkehr nach München durch königl. Cabinetsbefehl vom 14. October sein Gehalt „bis auf Weiteres sistirt“. Am 19. October erbat G. in einem Schreiben, das würdevolles, berechtigtes Selbstgefühl in ehrfurchtsvoller Form aussprach, vom König die Enthebung von seiner Ehrenprofessur und als Capitular des Maximilianordens. Erwägt man, daß G. in einem Gedichte ausdrücklich als sein politisches Bekenntniß ausgesprochen hat: „Sein gefürstet Banner trage jeder Stamm wie er’s erkor“ und nur ihre Einigung vor der alle überragenden Kaiserstandarte gefordert hatte, so durfte der Briefschreiber wol mit Recht betonen, daß er „das vollkommen berechtigte Selbstgefühl des bairischen Stammes“ nicht verletzt habe. Der sonst so großgesinnte Baiernkönig war in jeder Hinsicht übel berathen, als er der gehässigen und unklugen Maßregelung des deutschen Dichters freien Lauf ließ. Es war eine natürliche Folge, daß der preußische Cultusminister schon am 5. November dem nach Lübeck zurückgekehrten Dichter König Wilhelm’s Verleihung eines lebenslänglichen Ehrensoldes von tausend Thalern mittheilte. Die dabei in Aussicht gestellte Universitätsprofessur war wol auf keiner Seite ernstlich gemeint. Mehr als eine Verwahrung gegen das Vorgehen in München als aus künstlerischen Gründen erfolgte 1869 auch die Verleihung des Schillerpreises an Geibel für seine Tragödie „Sophonisbe“. Hatte die in München erfahrene Behandlung in Geibel’s Seele einen Groll zurückgelassen, so brachte auch für ihn der Ausbruch des großen Krieges Milderung. Indem König Ludwig dem sieggekrönten Bundesfeldherrn die deutsche Kaiserkrone anbot, erfüllte er ja selbst den Wunsch, dessen Aussprechen seine Berather zwei Jahre vorher dem Lübecker Dichter so sehr verübelt hatten. Noch in München war von G. 1864 eine lyrische Sammlung „Gedichte und Gedenkblätter“ zusammengestellt worden, zu Weihnachten 1871 ließ er die „Heroldsrufe“ (5. Aufl. 1888) erscheinen. Von dem in Athen zur Neujahrswende 1839/40 niedergeschriebenen „Thürmerlied“ bis zu den Strophen zur Feier des Frankfurter Friedens (18. Juni 1871) sind hier Geibel’s „ältere und neuere Zeitgedichte“ vereinigt. Da in den gesammelten Werken die beiden Gruppen 1849–66, 1866–71 nicht alle Gedichte der ursprünglichen „Heroldsrufe“ enthalten, behält das Bändchen seinen selbständigen Werth für G. und als dichterische Illustration der deutschen Geschichte dreier wichtigster Jahrzehnte. 1875 schloß G. die vieljährige Arbeit am „Klassischen Liederbuch“ ab; 1877 sammelte er in den „Spätherbstblättern“, deren Eigenart der treue Freund aus Münchner Tagen Moriz Carriere mit Geibel’s früheren Liedern feinsinnig verglich (Beil. z. Allg. Ztg. Nr. 345), die im letzten Jahrzehnt entstandenen Gedichte. War G. viel durch Krankheit gequält, so konnte er, da seine Tochter schon 1872 den Lübecker Rechtsanwalt Dr. Fehling geheirathet hatte, sich doch am Erblühen seiner Enkel erfreuen. Wiederholt genoß er den Landaufenthalt zu Schwartau; an Besuchern fehlte es ihm weder hier noch in Lübeck, wo er am 6. April 1884, einem Palmsonntag, starb.

G. hat sich in Drama, Epik und Lyrik versucht. Wie er aber seine Erstlingstragödie „König Roderich“ (1844) selber von der Sammlung seiner Werke ausschloß, so hat er aus zahlreichen dramatischen Fragmenten einzig das Vorspiel seiner Albigensertragödie „Die Jagd von Veziers“ veröffentlicht. Auf Anregung seines Freundes Curtius schrieb G. ein Lustspiel „Die Seelenwanderung“, später „Meister Andreas“ betitelt, bei dessen Uraufführung am 7. April 1847 auf dem prinzlichen Liebhabertheater Curtius’ Zögling, der [272] spätere Kaiser Friedrich, den Spaßanstifter Buffalmaco spielte. Ueber Geibel’s Quelle vergl. Markus Landau, Beilage zur Münchner Allgem. Zeitung, 1884, Nr. 246. Ohne jedes dramatische Leben ist die 1882 veröffentlichte Dramatisirung des Sprichworts „Echtes Gold wird klar im Feuer“. Die Loreley hat G. mit wenig Glück als Textbuch für Mendelssohn bearbeitet; 1858 erschien als „Tragödie aus der Nibelungensage“ seine „Brunhild“ (Gg. R. Röpe, Die moderne Nibelungendichtung, Hamburg 1869) und 1868 die dann preisgekrönte „Sophonisbe“. Man wird Hebbel’s zornige Geringschätzung des ganzen Münchner Kreises ungerecht finden können, dennoch muß man das Empfinden begreifen, das den geborenen Dramatiker beschlich, wenn er seinen gewaltigen Werken den Weg zur Bühne versperrt und diese blutleeren Schemen Geibel’s bevorzugt sah. Natürlich schreibt G. auch im Drama gute Verse, verleugnet seine vornehme Gesinnung nicht, allein Kraft und Stärke fehlen ihm. Er hat keine dramatische Ader. Aber auch bei Lesung der Ottaverime des unvollendeten, modernen, halb komischen Epos „Julian“ (drei Gesänge) erkennt man, daß Geibel’s Begabung sich hierfür nicht eignet. Zum Ersatz dafür ist die Umdichtung der nordischen Sage von „König Sigurd’s Brautfahrt“ (1846) in eine Art Kudrunstrophe dem Nachahmer Uhland’s wohl gelungen. Für die Wiedererzählung einer Liebes- und Feengeschichte aus Tausend und Einer Nacht in reimlosen, fünffüßigen Trochäen („Morgenländischer Mythus“ 1865) fehlt G. die sinnliche Farbenpracht. Dagegen ist sein Monolog Judas in Blankversen mit dem Versuche, den Verrath des gläubigsten Jüngers in dem von Goethe im Plan seines „ewigen Juden“ angedeuteten Sinne zu motiviren, in ihrem gewaltigen Zusammenfassen eine wirklich bedeutende Dichtung. Diesen größeren epischen Versuchen reihen sich dann die Balladen und kleineren erzählenden Dichtungen an. Auch ihnen merkt man es wol an, daß ihrem Verfasser die dramatische Begabung versagt war. Geibel’s beide mit Recht berühmtesten erzählenden Gedichte „Sanssouci“ und „Der Tod des Tiberius“ tragen den Charakter von schildernden Reflexionsdichtungen. Antike (Nausikaa, Der Tod des Perikles) wie mittelalterliche Sagen (Gudrun’s Klage; Volker’s Nachtgesang), die verschiedensten Jahrhunderte der Geschichte lieferten ihm Balladenstoffe. Der Einfluß Uhland’s und des Volksliedes wiegt dabei vor, aber auch die Form des Monologs aus Schillers „Kassandra“ wirkt nach, die Terzinen und die Schaurigkeit des „Templers“ erinnern an Chamisso’sche Vorbilder. Trotz trefflicher Leistungen wird man G. kaum einen Platz in der ersten Reihe der deutschen Balladendichter zugestehen können, um so sicherer aber einen in der vordersten Linie der nachgoetheschen Lyriker. Auf Geibel’s einflußreiche historische Stellung in der Entwicklung unserer Lyrik im 19. Jahrhundert wurde bereits hingewiesen. Der eingerissenen Vernachlässigung der Form und der Heine’schen zersetzenden Ironie, die spielende epigrammatische Geistreichigkeit an Stelle warmen Fühlens einschmuggelte, beiden der Lyrik drohenden Gefahren gegenüber vertrat G. Platen’sche Formenstrenge und Wahrheit der Empfindung. Wenn er auch zur Pflege der durch Klopstock, Hölderlin, Platen erworbenen Odenform und freien Rhythmen mahnte, die elegische Form selber meisterhaft handhabte, so hielt er als Schüler Eichendorff’s und des Volksliedes doch die vierzeilige Reimstrophe für die natürliche Form der deutschen Lyrik. Er achtete auf Reinheit der Reime, mehr noch auf sorgsame Pflege der Sprache. Mit Recht ist G. von germanistischer Seite gerade wegen dieses Verdienstes vor den meisten seiner Zeitgenossen gerühmt worden. Ungerecht dagegen ist der beliebte Tadel, der in G. wegen der Weichheit der Empfindung nur eine Art Lyriker für Backfische sehen wollte. [273] Es trifft vollkommen für seine Dichtung zu, wie er selbst die Aufgabe gekennzeichnet hat:

„Nicht die Empfindung allein, auch was in ernster Erfahrung
 Ihn das Leben gelehrt, spreche der Lyriker aus,
Aber vom Herzen gereift zum Herzen rede die Weisheit
 Aber im Strom des Gefühls sei der Gedanke gelöst.“

Gewaltige Leidenschaften und Schmerzen, wie sie etwa einen Friedrich Hebbel durchstürmten, hat G. nie erfahren, wenn er auch wiederholt manchen lieben Herzenswunsch männlich niederringen mußte und dabei an des Gesanges Gabe sich zu trösten suchte. Aber mit warmer und echter Empfindung hat er das Leben in sich aufgenommen und in seinen wahr gefühlten Liedern mit schlichten, doch melodischen Worten wiedergegeben, wie er es empfand. Rein und vornehm ist seine Empfindung wie seine Sprache. Die Vaterlandsliebe füllte sein tiefstes Wesen. Hoffnungsstark blieb der fromme, aber kirchenfremde Dichter auch in trübster Zeit als deutscher Patriot, wie er im eigenen Leben allen Weltschmerz und alles Grämliche sich ferne hielt. Als Dichter der „Heroldsrufe“ steht G. wol ebenbürtig neben Uhland’s und Walther’s politisch-vaterländischer Poesie.

Eine Ausgabe seiner „Gesammelten Werke“ einschließlich des größten Theils seiner Uebersetzungen hat G. selbst noch 1883 in acht Bänden (Stuttgart, Cotta) zusammengestellt; dritte Auflage 1893. Als Ergänzung erschienen 1896 „Gedichte aus dem Nachlaß“, fünfte Auflage 1897. Von den 1858 in Cottaschen Verlag übergegangenen „Gedichten“ ist 1900 die 127. Auflage erschienen, die zweite Auflage einer Ausswahl für die Schule 1899. Einzelne Gedichte und Aphorismen veröffentlichte Gaedertz in der Deutschen Rundschau, Litzmann in den „Erinnerungen“.

Von der trefflichen Biographie des mit dem Dichter befreundeten Karl Goedeke ist nur der erste Theil, bis zur Berufung nach München reichend, Stuttgart 1869 erschienen; K. Th. Gaedertz, Geibel, Sänger der Liebe, Herold des Reiches, ein deutsches Dichterleben. Leipzig 1897. Zahlreiche Erinnerungen an G. haben seine Freunde oder deren Beauftragte veröffentlicht, so Ernst Curtius und W. Jensen in den Beilagen z. Münchner Allgem. Zeitung 1884, Nr. 212/14 und 128/29; Klaus Groth, Meine Beziehungen zu E. G. „Nord und Süd“, August 1884; W. Deecke, Aus meinen Erinnerungen an E. G., Weimar 1885. Besonders werthvolles bietet Carl C. T. Litzmann, E. G. Aus Erinnerungen, Briefen und Tagebüchern, Berlin 1887. K. Th. Gaedertz ergänzte seine „Geibel-Denkwürdigkeiten“, Berlin 1886, noch durch eine besondere Studie „Geibel und Holtei“ im litterarischen Echo, 1, 1202, nachdem er schon im 7. Bde. des Biographischen Jahrbuchs f. Alterthumskunde 1884 einen Nekrolog auf G. veröffentlicht. Ueber G. und Kugler hat P. Heyse im 26. Jahrgang der Deutschen Rundschau 1899, wie über sein eigenes Verhältniß zu G. in seinen „Jugenderinnerungen“ gehandelt. Alle Freunde Geibel’s und zahlreiche Dichter finden wir vereinigt in dem von Arno Holz herausgegebenen Geibel-Gedenkbuch, Berlin 1884.
Die beste Charakterisirung von Geibel’s Dichtung findet sich noch immer bei Goedeke. – Max Koch, Geibels Werke, Beil. z. Münchner Allg. Ztg. 1883, Nr. 351/53. K. Leimbach und H. Trippenbach, Geibel’s Leben, Wirken und Bedeutung, 2. Aufl., Wolfenbüttel 1894. Jos. Bandel, Zeitgenössische Dichter, Stuttgart 1882, S. 151–214. Ueber Einzelheiten: K. Strackerjan, G.; Die Romantiker, Oldenburg 1882; H. Lindenberg, G. als religiöser Dichter, Lübeck 1888; K. Gg. Siebert, Ueber ein charakteristisches [274] Element in der Lyrik Geibel’s, Marburg 1859. Chr. Petzet, Die Blüthezeit der deutschen politischen Lyrik, München 1903, S. 242–259. W. Scherer’s Gedenkrede auf G., Berlin 1884, Sonderabdruck aus Deutsche Rundschau 40, 36–45.