ADB:Denzinger, Heinrich

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Artikel „Denzinger, Heinrich“ von Friedrich Lauchert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 47 (1903), S. 663–665, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Denzinger,_Heinrich&oldid=- (Version vom 23. Oktober 2019, 23:52 Uhr UTC)
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Denzinger: Heinrich (Joseph Dominicus) D., katholischer Theologe, geboren am 10. October 1819 zu Lüttich, † am 19. Juni 1883 zu Würzburg. Seine früheste Jugend verlebte er in seiner Geburtsstadt Lüttich, wo sein aus Franken stammender Vater seit 1817 Professor der Philosophie war. Hier empfing er den ersten Schulunterricht und trat 1828 in das Collège royal ein. Die weitere Gymnasialbildung erhielt er von 1831 an in Würzburg, wohin die Familie infolge der belgischen Revolution übersiedelte. Nachdem er 1836 das Gymnasium absolvirt hatte, betrieb er während der zwei nächsten Jahre philosophische Studien an der Universität zu Würzburg, worauf er im Herbst 1838 in das Priesterseminar eintrat und drei Jahre Theologie studirte. Am 12. December 1840 wurde er Doctor der Philosophie. Nach vollendetem Triennium und Empfang der Subdiaconatsweihe trat er am 11. October 1841 in das Collegium Germanicum zu Rom ein und setzte hier vier weitere Jahre hindurch seine Studien fort. Am 8. September 1844 empfing er hier die Priesterweihe, wurde im Juli 1845 Doctor der Theologie und verließ Rom am 13. August 1845. Nach seiner Heimkehr wurde er am 3. October 1845 zum Kaplan in Haßfurt für die Filialen Wülfingen und Sailershausen ernannt. Am 9. September 1848 wurde er außerordentlicher Professor der neutestamentlichen Exegese in Würzburg, begann aber bald daneben auch Vorlesungen über Dogmatik zu halten. Am 25. Januar 1854 wurde er zum ordentlichen [664] Professor der Dogmatik ernannt. Im J. 1866 wurde er Ehrenmitglied des Doctorencollegiums der theologischen Facultät der Universität Wien. Infolge seines Werkes über die „Ritus Orientalium“ ernannte ihn der Papst zum Consultor der Congregation de propaganda fide pro rebus Orientalium. Seit etwa 1860 begann das schwere Rückenmarksleiden sich auszubilden, das ihn seit ca. 1866 an das Krankenlager fesselte. Auch unter diesen mit christlicher Geduld ertragenen Leiden setzte er seine wissenschaftliche Thätigkeit fort. Auch Vorlesungen hielt er noch bis in sein letztes Jahr in seiner Wohnung vor einem kleineren Kreise von Zuhörern; indessen hielt seit 1871 auch Hettinger Vorlesungen über Dogmatik. – Durch umfassende Gelehrsamkeit und großen Scharfsinn ausgezeichnet war D. neben Hettinger und Hergenröther einer der Hauptträger des wissenschaftlichen Rufes der Würzburger theologischen Facultät. Seine schriftstellerische Thätigkeit beginnt mit der philosophischen „Dissertatio inauguralis de Philonis philosophia et schola Judaeorum Alexandrina“ (Herbipoli 1840). Seine nächste größere Arbeit nach der Rückkehr von Rom war die „Kritik der Vorlesungen des Herrn Professors Heinrich W. J. Thiersch über Katholicismus und Protestantismus“ (I. Abtheilung, Die Principienfragen; II. Abtheilung, Specieller Theil, 1. Heft: Von der Rechtfertigung, 2. Heft: Von den Sacramenten und dem Meßopfer; Würzburg 1847); eine eingehende und gelehrte Vertheidigung des katholischen Standpunktes in den wichtigsten Controversfragen, speciell gegen die von Thiersch vom Standpunkte des Irvingianismus dagegen erhobenen Einwendungen. Die nächste Schrift: „Ueber die Aechtheit des bisherigen Textes der Ignatianischen Briefe“ (Würzburg 1849) setzt sich mit Cureton und Bunsen auseinander; ergänzend schließen sich daran die Auseinandersetzungen mit Ritschl in dem Aufsatz: „Ritschl und die Ignatianischen Briefe“ (Theol. Quartalschrift 1851, 388–409). Im Zusammenhang mit diesen Untersuchungen steht auch der Aufsatz: „Ueber die Zeit der Entstehung des gnostischen Aeonensystems“ (Theol. Quartalschrift 1852, 442–449). Es folgt: „Die speculative Theologie Günther’s und seiner Schule“ (Würzburg 1853). Im folgenden Jahre erschien in erster Auflage das praktische und überaus nützliche „Enchiridion Symbolorum et Definitionum, quae in rebus fidei et morum a Conciliis oecumenicis et Summis Pontificibus emanarunt“ (Wirceburgi 1854); davon erschienen zu Lebzeiten Denzinger’s fünf Auflagen (5. Aufl. 1874), seither noch drei weitere (Ed. 8, aucta et emendata ab Ignatio Stahl, 1899). Auf die kleine Schrift: „Die Lehre von der Unbefleckten Empfängniß der seligsten Jungfrau Maria“ (Würzburg 1855) und die „Kritische Untersuchung über das Leben des heiligen Martyrers Aquilinus“ (Katholische Wochenschrift 1855, Nr. 11–13, und separat, Würzburg 1855) folgte sodann Denzinger’s Hauptwerk: „Vier Bücher von der religiösen Erkenntniß“ (Würzburg 1856/7, zwei starke Bände), ein glänzendes Denkmal des Fleißes und der Gelehrsamkeit des Verfassers. Im Anschluß an die Grundsätze der großen Theologen der Vorzeit und unter fortwährender kritischer Auseinandersetzung mit allen möglichen abweichenden Richtungen in alter und neuer Zeit, besonders auch mit den verschiedenen Ansichten der Vertreter des modernen Rationalismus und Pantheismus, werden die Principienfragen über das Wesen der Religion, über das Verhältniß von Vernunft und Offenbarung, Glauben und Wissen erörtert. Auf liturgischem Gebiete bewegte sich das nächste große Werk: „Ritus Orientalium, Coptorum, Syrorum et Armenorum, in administrandis sacramentis. Ex Assemanis, Renaudotio, Trombellio aliisque fontibus authenticis collectos, prolegomenis notisque criticis et exegeticis instructos, concurrentibus nonnullis theologis ac linguarum orientalium peritis edidit …“ (2 Bde., Wirceburgi 1863/4). [665] Das Werk, eine Frucht jahrelanger mühsamer Arbeit, beschäftigt sich, wie der genauere Titel anzeigt, mit Ausschluß der griechischen Kirche, nur mit den seit dem fünften Jahrhundert von der katholischen Einheit getrennten nestorianischen und monophysitischen Einzelkirchen Asiens und Aegyptens, stellt zunächst deren Lehre über die Sacramente zusammen und theilt dann die Formularien für die Sacramentsspendung nach den verschiedenen Riten in lateinischer Uebersetzung mit, vollständiger und zuverlässiger, als die in den Originalen schwer zugänglichen Texte anderswo vereinigt zu finden sind. Daß Denzinger’s Beschäftigung mit diesen Kirchen des Orients schon sehr weit zurückreichte, zeigt besonders das letzte Heft seiner „Kritik der Vorlesungen von Thiersch“ und die in der Theologischen Quartalschrift 1850 erschienene Abhandlung: „Nachklänge der Lehre vom Primat bei den Nestorianern und Monophysiten des Orients“ (S. 355–374). Seine letzte gedruckte Schrift ist die Broschüre: „Kepha. Ueber die päpstliche Unfehlbarkeit. Für gebildete Katholiken“ (Würzburg 1870). Für den Cursus Patrologiae von Migne besorgte D. die Ausgabe der Opera S. Brunonis episcopi Herbipolensis (Series latina, T. 142, Paris. 1853) und schrieb für die Ausgabe der Pseudoisidorischen Decretalen (Ser. lat., T. 130, Paris 1853) die einleitende „Ecloge et Epicrisis eorum, quae a recentioribus criticis de Pseudoisidorianis Decretalibus statuta sunt“. Ferner gab er einige ältere theologische Werke neu heraus: Habert, Theologia graecorum Patrum vindicata circa materiam gratiae (Wirceburgi 1853); De Rubeis, De peccato originali (ib. 1857); Prud. Maranus, Divinitas Domini nostri Jesu Christi (ib. 1859). Die Arbeit an einem ausführlichen Handbuch der Dogmatik, womit er sich Jahre lang und noch auf seinem Krankenbett beschäftigte, blieb unvollendet.

H. Denzinger, Erinnerungen aus seinem Leben, gesammelt von seinem älteren Bruder (Aug. Denzinger); Katholik, 1883, II, S. 428–444, 523–538, 638–649. – Fr. Hettinger, Dreifaches Lehramt. Gedächtnißrede auf Denzinger; Freiburg i. B. 1883. – Stamminger im Kirchen-Lexikon von Wetzer und Welte, 2. Aufl., Bd. III, S. 1516 f.