ADB:Disteli, Martin

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Artikel „Disteli, Martin“ von Jacob Achilles Mähly in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 256, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Disteli,_Martin&oldid=- (Version vom 20. Mai 2019, 17:15 Uhr UTC)
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Disteli: Martin D., Maler und geistreicher Carrikaturenzeichner, geb. zu Olten (im schweizerischen Canton Solothurn) 1. Mai 1802, sollte sich anfänglich dem Staatsdienst widmen; sein ausgesprochenes Talent zur Tendenzzeichnung führte ihn aber schon auf den Hochschulen zu Freiburg im Br. und zu Jena der Kunst zu. Noch jetzt sieht man im Carcer der letztgenannten Musenstadt den „Raub der Sabinerinnen“ in halblebensgroßen Figuren, und „Marius“ mit Schlafmütze und Thonpfeife nachdenklich „auf den Trümmern von Carthago“ sitzend, welche beiden Situationen er mit so genialer Hand an die Wand zeichnete, daß selbst der Großherzog Karl August ihrer urkomischen Wirkung nicht widerstehen konnte und durch Abschluß des Zimmers für ihre Erhaltung sorgte. D. vertauschte die Universität Jena mit der Akademie München und führte hier sein erstes größeres Gemälde aus, das von Seiten der Composition Anerkennung fand. In richtiger Kenntniß seiner Stärke jedoch entsagte er der Palette und widmete sich fortan in Olten, wohin er als relegirter Burschenschafter zurückgekehrt war, beinah ausschließlich der Composition. In seinen Stoffen durchaus nicht wählerisch – denn er war durch ökonomische Zerrüttung seiner Familie auf den Broterwerb angewiesen – zeichnete er Aushängeschilder, Schweizerschlachten, Illustrationen für Zeitschriften und zu bekannten Werken (Münchhausen), Taschenbücher („Die schweizerischen Alpenrosen“), auch Bildercyklen („Die Heuschrecken“); einen besonders geachteten Namen erwarb er sich durch seine Zeichnungen zu den Fabeln des bekannten Schweizerdichters Ab. Eman. Fröhlich. Alle seine früheren Leistungen wurden aber in Schatten gestellt durch seinen seit 1839 herausgegebenen Kalender („Distelikalender“), der jährlich eine Menge der geistreichsten und witzigsten Zeichnungen brachte und durch Bild und Wort besonders dem Zopfthum in Staat und Kirche scharf auf den Leib ging und zwar, wenn es sein mußte, in ungescheutem persönlichstem Angriff. Am derbsten und stärksten trat er im letzten der von ihm selber besorgten Jahrgänge (1844) auf; die Folge war das Verbot seines Kalenders in allen ultramontanen Cantonen. Seine historischen Zeichnungen aus der Schweizergeschichte, die der „Distelikalender“ gleichfalls in großer Anzahl enthält, sind an scharf markirter Originalität kenntlich, leiden aber an Uebertreibung der Kraftfülle und streifen, natürlich ohne Wissen und Willen des Künstlers, an die Carrikatur. D. † am 18. März 1844 an den Folgen einer regellosen, mit Liebesgram in ursächlichem Zusammenhang stehenden Lebensweise.

Vgl. Alfr. Hartmann, Gallerie berühmter Schweizer der Neuzeit, Baden 1868. I. Bd.