ADB:Ebel, Hermann

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Artikel „Ebel, Hermann“ von Julius Jolly in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 516–518, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ebel,_Hermann&oldid=- (Version vom 19. Juni 2021, 12:53 Uhr UTC)
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Ebel: Hermann E., Keltologe und Sprachforscher, geb. 10. Mai 1820 in Berlin, studirte in Berlin und Halle Philologie und Geschichte und wirkte dann nach abgelegtem Probejahr als Lehrer zuerst in Berlin am köllnischen Gymnasium, hierauf 1852–58 an dem Schwarzbach’schen Pädagogium zu Ostrowo bei Filehne, [517] dann eine Reihe von Jahren an dem Gymnasium in Schneidemühl, bis im J. 1872 seine Berufung nach Berlin als ordentlicher Professor der vergleichenden Sprachwissenschaft erfolgte, eine Stellung deren er sich aber nur kurze Zeit erfreute: er starb am 19. August 1874 in dem Ostseebad Misdroy. Dieses äußerlich so ruhig verlaufene Gelehrtenleben war reich an glänzenden wissenschaftlichen Leistungen, welche E. eine dauernde Stelle in der Geschichte der Sprachforschung und Keltologie sichern. Dem ersteren Gebiete gehören zunächst zahlreiche Untersuchungen über griechische und lateinische Etymologie, über die altitalischen Dialekte, über Gothisch und Althochdeutsch an, die er seit 1852 in der von Aufrecht und A. Kuhn begründeten „Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete des Deutschen, Griechischen und Lateinischen“ (Berlin 1851 ff.) veröffentlichte. Sie bekunden das feine Sprachgefühl, die meisterhafte Combinationsgabe, gezügelt durch eine strenge Methode und die umfassende Gelehrsamkeit ihres Verfassers. Aber eigentlich begründet wurde sein Ruf durch die Forschungen auf dem Gebiete der übrigen indogermanischen, der arischen und insbesondere der keltischen Sprachen, die er in Kuhn und Schleicher’s „Beiträgen zur vergleichenden Sprachforschung auf dem Gebiete der arischen, keltischen und slavischen Sprachen“ gleich im ersten Jahrgang dieser Zeitschrift (1857 ff.) niederlegte. Die abenteuerlichen Ideen, welche in früherer Zeit namentlich unter der weitverbreiteten und noch nicht ganz ausgestorbenen Secte der „Keltomanen“ über den Charakter und die Verwandtschaftsverhältnisse dieser Sprachengruppe geherrscht hatten, waren schon vor E. von Diefenbach, Pictet und namentlich von Bopp (1838) durch den eingehenden Nachweis widerlegt worden, daß dieselbe nach ihrem ganzen grammatischen Bau unbedingt zu dem großen indogermanischen Sprachstamme gezählt werden muß, auch hatte Zeuß in seiner Grammatica celtica auf Grund dieser fundamentalen Thatsache die Structur der keltischen Sprachen in eingehender wissenschaftlicher Weise dargestellt. Allein für die Einzelforschung blieb auch nach diesem tiefgelehrten Werke noch ungemein viel zu thun übrig, da das Keltische schon in seiner alterthümlichsten Form, die uns zugänglich ist, dem Altirischen, eine ungemein abgeschliffene Gestalt trägt, und die grammatischen und lexikalischen Verluste durch Neubildungen ersetzt hat. Hier setzen die Ebel’schen Forschungen ein, und wie Bopp’s Zergliederung des keltischen Formenbaues eine der bedeutendsten Thaten dieses Begründers der vergleichenden Grammatik war, so sind Ebel’s sprachvergleichende Arbeiten über den grammatischen Bau und Wörterschatz der keltischen Dialekte (Irisch, Erse, Manx; Welsch, Cornisch, Bretonisch und Altgallisch), besonders der alterthümlicheren unter ihnen, die hervorragendsten Leistungen des unermüdlichen Forschers. Schon seine kleineren Arbeiten, die mit Ausnahme der Abhandlung „De verbi Britannici futuro et conjunctivo“, welche im Jahresbericht des Programms in Schneidemühl 1866 herauskam, alle in Kuhn und Schleicher’s „Beiträgen“ erschienen, erwarben dem Gymnasiallehrer von Schneidemühl einen europäischen Ruf, so daß in London 1863 eine Uebersetzung eines Theils derselben unter dem Titel „Celtic studies from the German of Dr. Hermann Ebel“ erschien, und in dem anderen Lande, wo ebenfalls keltische Sprachen noch jetzt gesprochen werden, in Frankreich, sein Name gleichfalls selbst in weiteren Kreisen bekannt zu werden anfing. Das Hauptwerk seines Lebens ist aber die von ihm veranstaltete zweite Ausgabe von Zeuß’ Grammatik unter dem Titel: „Grammatica celtica, construxit J. C. Zeuss, editio altera, curavit H. Ebel“, Berolini 1868–71, ein ebenso umfangreiches als auf umfassender Grundlage beruhendes und systematisch gearbeitetes Buch. Gleichzeitig steuerte er zu Schleicher’s Indogermanischer Chrestomathie altirische Lesestücke bei. Als nun 1872 Bopp’s Lehrstuhl, der nach seinem Tode mehrere Jahre lang leer gestanden war, wieder besetzt wurde, wurde E. dafür gewonnen [518] der auf diese Weise endlich einen seiner Begabung angemessenen Wirkungskreis erhielt, in dem er als Lehrer eine strenge, alles prunkende Beiwerk verschmähende Methode entfaltete, als Forscher umfassende Vorbereitungen für die Herausgabe eines altirischen Wörterbuchs traf, an dessen Vollendung ihn ein jäher Tod hindern sollte. In Freundeskreisen machte den gelehrten Sprachforscher ein hervorragendes musikalisches und poetisches Talent zum geschätzten Gesellschafter; er hat zahlreiche ungedruckte Compositionen und eine Anzahl Gedichte hinterlassen.