ADB:Eccard, Johannes

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Eccard, Johann“ von Arrey von Dommer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 595–596, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Eccard,_Johannes&oldid=- (Version vom 23. September 2019, 03:45 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Ebroin
Nächster>>>
Eck, Johann von
Band 5 (1877), S. 595–596 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Johannes Eccard in der Wikipedia
GND-Nummer 118528688
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|5|595|596|Eccard, Johann|Arrey von Dommer|ADB:Eccard, Johannes}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118528688}}    

Eccard: Johann E., berühmter Tonsetzer aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, geb. zu Mühlhausen 1553. Seine erste musikalische Erziehung wird er, wie anzunehmen sehr nahe liegt, durch Joachim v. Burgk empfangen haben; Schüler des Orlandus Lassus war er aller Wahrscheinlichkeit nach zwischen 1571 und 74. Winterfeld, dem wir überhaupt erst eine nähere Kenntniß und Würdigung Eccard’s zu danken haben, ist der Meinung, daß er von München über Venedig nach Hause zurückgekehrt sei, was sehr glaublich ist; die Anziehungskraft, welche die dortigen großen Meister und Tonlehrer (Andrea Gabrieli, Claudio Merulo, Gioseffo Zarlino und später andere) schon damals auf die deutschen Musiker ausübten, war so mächtig, daß, wer irgend konnte, die Wallfahrt dorthin unternahm. Im J. 1578 lebte E., nachdem er inzwischen in seiner Vaterstadt sich aufgehalten hatte, einige Zeit bei Joseph Fugger in Augsburg als Musikus, dann kam er in den Dienst des Markgrafen Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach und nach Königsberg in Preußen, wo er anfangs Vice-Capellmeister, seit 1599 aber wirklicher Capellmeister war. Neun Jahre später, 1608, berief Joachim Friedrich ihn nach Berlin, doch setzte hier schon nach drei Jahren der Tod seinem Wirken ein Ziel. Eccard’s erstes Werk, 20 „Odae sacrae“ zu 4 und mehr Stimmen, von dem Rector der Mühlhausener Stadtschule, Helmbold, gedichtet, erschien daselbst 1574; es folgten weltliche und geistliche Lieder ebd. 1578 und Königsberg 1589, nachher 20 lateinische Oden Helmbold’s, Mühlhausen 1596; auch lieferte er zu Joachims v. Burgk Crepundia sacra von 1577 und zu dessen 30 geistlichen Liedern (nach Winterfeld wahrscheinlich zuerst 1585) verschiedene Stücke, wie auch in späteren Drucken Tonsätze Joachims v. Burgk und Eccard’s verbunden sich finden. Die wichtigsten Werke Eccard’s jedoch und diejenigen, welche hauptsächlich seinen Namen unter den Tonsetzern des protestantischen Kirchengesanges groß gemacht haben, sind seine beiden letzten. Erstens die 55 Tonsätze zu 5 Stimmen über die in Preußen gebräuchlichen Kirchenmelodien, in zwei Theilen, Königsb. 1597; zweitens und insbesondere „Die preußischen Festlieder durchs ganze Jahr mit 5–8 Stimmen“, in zwei Theilen, zuerst Königsb. 1598 (später noch durch Tonsätze seines Schülers Joh. Stobäus vermehrt, Th. I. Elbing 1642, II. Königsb. 1644). Eine sehr ausführliche und liebevoll eingehende Besprechung der Werke Eccard’s und seines Kunstcharakters findet jeder, den es näher interessirt, bei Winterfeld, Evangel. Kirchenges. I, 433–496. Man kann aber im einzelnen Winterfeld’s sinnige Bemerkungen über diesen Tonsetzer als zutreffend annehmen, ohne darum [596] an diejenige alle Zeitgenossen überragende Bedeutung Eccard’s welche Winterfeld ihm beizulegen geneigt ist, zu glauben. Dazu war schon der auf das Lied und liedartige Sätze eingeschränkte Umfang seines Schaffens zu eng begrenzt, und wenn man auch das „Festlied“ als seine Erfindung gelten lassen will, so war doch weder diese Mischung von Lied und Motette besonders entwicklungsfähig und von Einfluß auf spätere Formbildungen, noch Eccard’s Schöpferkraft und Formenreichthum überhaupt sehr groß. Ungeachtet der tadellosen Reinheit, des vollendeten Flusses der Stimmführung und der höchsten Klangschönheit, welche ihm durchaus eigen sind, kann man doch weder behaupten, daß er zur Entfaltung und Bereicherung der Harmonie sehr wesentlich und etwa in einem ähnlichen Umfange wie vor allen Hans Leo Hasler, dann Gumpeltzhaimer, Erbach etc. beigetragen habe; noch daß er auf die fernere Entwicklung der Vocalformen einen merklichen Einfluß geübt habe (vgl. A. v. Dommer, Handbuch der Musikgesch. 198 ff.). G. W. Teschner hat sowol die geistlichen Lieder Eccard’s (Th. I und II nach der Königsberger Ausgabe von 1597) als auch die preußischen Festlieder von E. und Joh. Stobäus (Th. I und II, nach der Elbinger und Königsberger Ausgabe von 1642 und 1644) neu herausgegeben. Eine Menge gedruckter Gelegenheitsgesänge Eccard’s bewahrt die Königsberger Bibliothek, s. Jos. Mueller, Die musikalischen Schätze der Biblioth. zu Königsberg, Bonn 1870.