ADB:Burck, Joachim von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Burgk, Joachim von“ von Arrey von Dommer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 607–608, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Burck,_Joachim_von&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 06:56 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Leodegar Bürgisser
Band 3 (1876), S. 607–608 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Joachim a Burck in der Wikipedia
GND-Nummer 100833195
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|3|607|608|Burgk, Joachim von|Arrey von Dommer|ADB:Burck, Joachim von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=100833195}}    

Burgk: Joachim v. B. (Burck), Organist, Cantor und sehr angesehener Componist besonders geistlicher Lieder, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts blühend, geb. um 1546 wahrscheinlich zu Burg im Magdeburgischen, † vor 1618. Er war Cantor und Organist an der unterstädtischen Hauptkirche zu St. Blasien in Mühlhausen, und in diesem Cantorate Vorgänger einer stattlichen Reihe namhafter Männer, unter denen wir später (1707–8) auch Seb. Bach begegnen. Bereits 1566 lebte Joachim zu Mühlhausen; ob er aber schon damals oder erst seit 1569, wo er anfing, zu Mühlhausen drucken zu lassen, die genannten Aemter daselbst bekleidet hat, ist ebenso unbekannt wie sein Familienname und seine übrigen näheren Lebens- und Amtsverhältnisse. Bezüglich seiner Thätigkeit als praktischer Musiker wird die Gründung des Mühlhauser Singechores ihm zugeschrieben, und auch als Organist muß er einen guten Namen gehabt haben; denn als 1596 die von David Beck aus Halberstadt zu Grüningen erbaute große Orgel von 59 Stimmen (Prätorius, Synt. II, 188) aufgestellt war, befand sich (nach Walther) auch Joachim unter den zur Prüfung derselben eingeladenen Organisten. Und wie er als Bürger in großer Achtung gestanden haben muß, denn um 1583 war er Mitglied des Rathes, so erfreute er sich als Componist einer ausgebreiteten und über die Grenzen seines Lebens weit hinausreichenden Beliebtheit. Die Zahl seiner bekannten Werke ist recht ansehnlich und manche derselben sind mehrfach gedruckt; den Kern derselben bilden eine Menge geistlicher Lieder zu Dichtungen des Mühlhauser Superintendenten Ludwig Helmbold; außerdem befinden sich darunter, neben andern geistlichen Singstücken, auch zwei deutsche Passionen. Die älteste derselben, nach den 4 Evangel. 4 voc., soll nach Walther bereits Erfurt 1550 gedruckt sein, was zwar augenscheinlich zu früh ist, und der Wittenberger Druck von 1568 wird [608] der erste sein; doch bliebe sie immer noch die früheste unter den bekannten deutschen Passionen für die protestantische Kirche (Clemens Stephani 1570, Keuchenthal 1573, Steuerlein 1576, Selnecker 1587, Gesius 1588 etc.). Joachims Werke sind: „Passion Christi nach den 4 Evangel. 4 voc.“, Wittenb. 1568, Erfurt 1577; „Passion nach Lucas 5 voc.“, Mühlh. 1597; „Harmoniae sacrae“, Nürnb. 1566; „Symbol. Apostol. Nicaean., Tedeum und Einsetzungsworte“, Mühlh. 1569; „Offic. sacrosanct. coenae dominicae etc.“, Erfurt 1580; „20 Odae sacrae L. Helmboldi etc.“, nach Art der italienischen Villanellen, I, Erfurt 1572; II, 3 voc., Mühlh. 1578; „20 deutsche Liedlein auf christl. Reimen L. Helmboldi“, Erfurt 1575 (sie sind später in andere Sammlungen Joachims übergegangen); „40“, und „41 teutsche Lieder vom heil. Ehestande etc.“, jene Mühlh. 1583 und 1595, diese ebd. 1596; „30 geistl. Lieder auff die Fest durchs Jahr etc.“, 4 voc., Mühlh. 1594 (vielleicht schon 1585), Erfurt 1609; 4 Tonsätze sind von Eccard; „Crepundia sacra“, Mühlh. 1596, größtentheils sog. Gregoriuslieder, worin am Tage Gregorii die Schulkinder erinnert werden, daß Christus selbst daß Lehramt bestellt habe; „40 deutsche christl. Liedlein L. Helmboldi 4 voc.“, Mühlh. 1599; nur die ersten 22 Tonsätze sind von Joachim, die anderen 18 von Eccard. Eine Gesammtausgabe mehrerer Werke Helmbold’s mit ihren Tonsätzen von Joachim und Eccard erschien unter dem Titel „Odarum sacrarum L. Helmboldi“, I-VI, Mühlh. 1626 (enthält die Credpundia, 30 Lieder auf die Feste etc.). Von Joachims geistlichen Liedern haben eine Anzahl Aufnahme in gute Gesangbücher (Prätorius, Musa Sioniae, Gothaisches Cantional, Mühlhauser und Freylinghausen’s Gesangbuch) gefunden und sind zum Theil noch geraume Zeit nach Joachims Tode, einige noch bis Mitte des vorigen Jahrhunderts in kirchlichem Gebrauche gewesen. Vgl. auch Winterfeld, Kirchenges. I. 397. Spitta, Bach I. 331.