ADB:Edelsheim, Georg Ludwig Freiherr von

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Artikel „Edelsheim, Georg Ludwig Freiherr von“ von Karl Obser in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 48 (1904), S. 261–262, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Edelsheim,_Georg_Ludwig_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 16. September 2019, 11:20 Uhr UTC)
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Edelsheim: Georg Ludwig Freiherr von E., jüngerer Bruder des Folgenden, badischer Staatsminister und Minister des Auswärtigen, wurde geboren zu Hanau am 22. Juni 1740, studirte zu Göttingen, Straßburg und Genf, hielt sich dann vorübergehend in Gotha auf und wurde auf Empfehlung der Herzogin von Friedrich d. Gr. zur Einleitung von Verhandlungen über einen Sonderfrieden mit Frankreich im Februar 1760 mit einer geheimen Mission betraut, die ihn nach Paris und London führte und ihm, wenn sie auch scheiterte, doch in Folge seines geschickten, taktvollen Auftretens das Vertrauen und die Gunst des Königs gewann. Im Mai 1761 trat er als Secretär bei der preußischen Gesandtschaft in London ein, wurde zwei Jahre später nach dem Hubertusburger Frieden zur weiteren Ausbildung in den Staatsgeschäften dem Berliner Ministerium des Auswärtigen zugetheilt und im J. 1771 nach der Abberufung des preußischen Gesandten v. Rhodt, den er schon früher gelegentlich zur vollen Zufriedenheit des Königs vertreten hatte, zu dessen Nachfolger in Wien ernannt. Familienverhältnisse nöthigten ihn jedoch, schon Ende 1773 sein Abschiedsgesuch einzureichen und nach Hanau zurückzukehren, wo er die Verwaltung des ihm durch den Tod des Vaters zugefallenen Gutes zu übernehmen hatte und sich mit Adelaide v. Keyserlingk vermählte. Aber es war ihm nicht lange beschieden, sich der Stille und Muße des Landlebens zu erfreuen; auf Wunsch Friedrich’s d. Gr., der ihm bis an sein Ende in gnädiger Gesinnung gewogen blieb, übernahm E. im April 1778 die Aufgabe, die kleineren mittel- und süddeutschen Höfe (Weimar, Gotha, Kassel, Darmstadt und Karlsruhe) unter Hinweis auf die österreichischen Uebergriffe wegen eines engeren Anschlusses an Preußen zu sondiren und mit Hannover und Kurköln wegen einer Association der beiden sächsischen und des westfälischen Kreises in Verbindung zu treten: Verhandlungen, die zunächst freilich in Folge des Mißtrauens Frankreichs ohne Ergebniß verliefen und durch den Abschluß des Teschener Friedens auch gegenstandslos wurden, immerhin aber den Boden für den späteren Fürstenbund in gewissem Sinne vorbereiteten. Rücksicht auf die Erziehung seiner Kinder und die Aussicht auf Wiedervereinigung mit seinen am badischen Hofe lebenden Geschwistern bestimmten ihn, nach einigen Jahren ländlicher Zurückgezogenheit im April 1784 einem Rufe des Markgrafen Karl Friedrich zu folgen und nach Karlsruhe überzusiedeln, wo er unter Ernennung zum Oberst-Kammerherrn und wirklichen Geheimen Rathe mit der Vertretung Badens beim Schwäbischen Kreise beauftragt wurde. Sein Wirkungskreis erweiterte sich, als der Markgraf ihn nach dem Tode seines älteren Bruders zu dessen Nachfolger im Ministerium ernannte und ihm die Leitung der auswärtigen Politik übertrug (28. April 1794). Gestützt auf eine reiche, langjährige Erfahrung, ein kluger, scharfblickender, form- und geschäftsgewandter Diplomat, hat er es in der Zeit der schwersten Krisis, die je über Baden hereingebrochen ist, verstanden, die politischen Interessen des Landes mit unleugbarem Geschick zwei Jahrzehnte hindurch zu wahren und an seinem Theil [262] dazu beigetragen, daß das Staatswesen Karl Friedrich’s aus den Stürmen der Revolutionskriege und den Kämpfen des Kaiserreichs an Macht und Ansehen erheblich vermehrt hervorgegangen ist. Im Herbst 1794 noch ein eifriger Verfechter der Idee eines neuen, gegen Frankreich gerichteten Fürstenbundes, sah er sich nach dem Basler Frieden, wenn auch widerstrebend, schließlich durch die Macht der Verhältnisse doch gezwungen, die Bahnen einer Separatfriedenspolitik zu beschreiten und den Abschluß eines Sonderfriedens mit der Republik zu befürworten, der zu der künftigen Gebietsvergrößerung Badens den Grund legte. Während der französischen Invasion im J. 1796, vor der der Markgraf sich nach Triesdorf geflüchtet, führte E. in schwieriger Lage an der Spitze des Geheimen Rathes die Geschäfte der Regierung mit Umsicht und anerkennenswerthem Muthe. Vom Herbst 1797 bis April 1799 nahm er dann als badischer Subdelegirter an den Verhandlungen des Rastatter Congresses eifrigen und nicht unrühmlichen Antheil. Im Frühjahr 1801 eilte er auf Wunsch Karl Friedrich’s nach Paris, um in Vertretung des erkrankten Gesandten v. Reitzenstein bei der bevorstehenden Entscheidung der Entschädigungsfrage Baden die wünschenswerthen Vortheile zu sichern. Die alten Sympathien für Preußen, in denen er aufgewachsen war, traten infolge der verhängnißvollen Politik, die dieser Staat nach dem Basler Frieden eingeschlagen, seit dem Ende der 90er Jahre mehr und mehr bei ihm zurück: in demselben Maße befestigte sich in ihm die Ueberzeugung, daß die Pflicht der Selbsterhaltung den Anschluß an Frankreich gebiete; sie war es, die ihn schließlich auch im Herbst 1805, als jede Hoffnung auf Wahrung der Neutralität geschwunden war, bestimmte, schweren Herzens das Bündniß mit Napoleon zu unterzeichnen. In der Rheinbundszeit schwand sein Einfluß auf die auswärtige Politik des Großherzogthums sichtlich und die Leitung der Geschäfte ging, wenn sie gleich dem Namen nach noch in seinen Händen lag, thatsächlich doch auf Männer wie Reitzenstein, Dalberg und Andlaw über, von denen der erstere ihn auch an staatsmännischen Fähigkeiten und Charakterfestigkeit zweifellos überragte. In dem unerfreulichen Gewirre politischer Intriguen und Leidenschaften, das die gesunde Weiterentwicklung des Staates zu untergraben drohte und den Lebensabend Karl Friedrich’s verdunkelte, inmitten der Späher Napoleon’s, die seine Schritte mit Mißtrauen verfolgten, wurde seine Stellung, zumal er an dem haltlosen, jeder ernsten Arbeit abgeneigten Regierungsverweser keine Stütze fand, immer schwieriger und erschien wiederholt ernstlich erschüttert. Es zeugt von seinem Geschick, daß er trotzdem seinen Platz, auch unter dem Enkel Karl Friedrich’s zu behaupten und, soweit es an ihm lag, das Wohl des Ganzen zu fördern wußte. So hatte er die Genugthuung, den Zusammenbruch des ersten Kaiserreichs noch zu erleben, der den Ausblick auf bessere Zeiten eröffnete. Er starb nach kurzem Krankenlager am 1. December 1814. „Sein Ruhm als Staatsmann und als Mensch“ – heißt es von ihm in dem Nachrufe, den ihm die Karlsruher Zeitung vom 12. December widmete – „verwelkt so wenig als der Dank des Regentenstammes und des Landes, welchen die allgemeinste Theilnahme an seinem Verluste erprobt hat“.

Kurze Selbstbiographie in „Recueil des portraits des ministres et députés au congrès de Rastadt“ (Basel bei Decker, 1794–1801) Lieferung 4. – K. Obser, Die Mission des Freih. Georg Ludwig v. Edelsheim i. J. 1760 (Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins. N. Folge, II, 69–98; III, 354–358). – Politische Correspondenz Karl Friedrich’s von Baden, bearb. von B. Erdmannsdörffer und K. Obser, Bd. I–V. – Acten des Karlsruher Archivs.