ADB:Eckstein, Friedrich August

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Artikel „Eckstein, Friedrich August“ von Gustav Emil Lothholz in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 48 (1904), S. 258–261, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Eckstein,_Friedrich_August&oldid=2487929 (Version vom 16. Dezember 2017, 17:00 Uhr UTC)
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Eckstein: Friedrich August E., ein bedeutender Schulmann und Gelehrter, wurde am 6. Mai 1810 zu Halle geboren. Früh verlor er den Vater, auf Bitten der Mutter erhielt er zu Ostern 1818 eine Freistelle in der zu den Francke’schen Stiftungen gehörigen Waisenanstalt für Knaben, zwei Jahre später wurde der Orphanus aus der deutschen Schule in die lateinische Hauptschule aufgenommen. Hier entwickelte der strebsame Schüler seine ungewöhnliche Begabung, seinen Lehrern empfahl er sich durch Fleiß, durch seine Leistungen und durch die leichte Auffassung des ihm im Unterricht Dargebotenen; durch seine persönliche Liebenswürdigkeit und wissenschaftliche Tüchtigkeit war er seinen Mitschülern ein lieber Genosse. Bereits im Jahre 1827 verließ er die Schule, um auf der Universität seiner Vaterstadt Philologie zu studiren. Tüchtige Männer wie Ed. Meier, der ein anerkannter Vertreter der Böckh’schen Richtung in der Alterthumswissenschaft einen Kreis von wissensdurstigen Studenten um sich sammelte, Gottfried Bernhardy, Jacobs, vor allen anderen aber übte Karl Reisig, einer der bedeutendsten Schüler Gottfr. Hermann’s in Leipzig, einen mächtigen Einfluß auf die Musensöhne aus. Es gehörte damals zum guten Tone, daß Studirende auch aus anderen Facultäten, namentlich der theologischen, ein und das andere Collegium bei Reisig hörten. (Vgl. Fr. Ritschl’s op. V, S. 95 flg. A. Ritschl’s Leben von O. Ritschl Bd. I., S. 34 und 269 flg.) Nach allen Seiten hin suchte sich der wißbegierige E. zu bilden, alles sich anzueignen, was für die Ausgestaltung der Persönlichkeit von Wichtigkeit war, Philologie, Philosophie, Geschichte, alles zog er in seine Studienkreise. Sehr vortheilhaft war es für seine Ausbildung, daß er mit in gleicher Weise strebsamen Genossen in nahe Berührung kam, denn nichts ist förderlicher als ein lebhafter Gedankenaustausch mit geistig regsamen Freunden. E. durfte es als ein Glück preisen, daß er mit Jünglingen [259] zusammentraf wie Friedrich Schöne, Friedrich Hanow[WS 1], Gustav Kießling, Mor. Seyffert, K. W. Büchner[WS 2], K. F. Ranke und vor allen mit Friedrich Ritschl, der nach dem unerwartet auf einer Reise nach Italien am 17. Januar 1829 in Venedig erfolgten Tode des hochgeliebten geistreichen Lehrers Karl Reisig, nachdem er sich an der Universität habilitirt hatte, die Traditionen seines Lehrers Reisig aufnahm und in demselben Sinne und Geiste wirkte. Auch E. hörte bei Ritschl. Es ist von großem Interesse, in der ausgezeichneten Biographie Friedr. Ritschl’s die Otto Ribbeck 1879 und 1881 veröffentlicht hat, das wissenschaftlich bewegte Leben und Treiben der jungen Philologen, unter denen E. einer der lebendigsten und wohlbeanlagtesten war, näher kennen zu lernen (O. Ribbeck’s Biographie Friedr. Ritschl’s Bd. I., S. 43 f.). Die Studienzeit war vorüber, die Staatsprüfung, wie vorauszusehen, sehr gut bestanden und schon 1831 erfolgte, nachdem er nur 3 Jahre (1827–30) studirt hatte, seine Anstellung als Lehrer an der lateinischen Hauptschule und bereits 1835 wurde er Ordinarius der Prima. Seine Gelehrsamkeit, seine pädagogische Geschicklichkeit, die Begeisterung für seinen Beruf hatten ihm schnell die Herzen der Schüler und die Hochachtung seiner Collegen und Vorgesetzten gewonnen. E. verstand es, Interesse zu erwecken und immer neu zu beleben, insbesondere wurde der Unterricht im Lateinischen und später im Deutschen in wahrhaft musterhafter Weise ertheilt, besonders wurden die Lectionen, in denen er die Schriften und die Bedeutung G. E. Lessing’s behandelte, gerühmt. Es war natürlich, daß begabte Schüler durch die pädagogische Geschicklichkeit des jungen Mannes sich außerordentlich angezogen und gefördert fühlten. Im J. 1839 trat E. als Oberlehrer an das Pädagogium der Francke’schen Stiftungen über, 1842 wurde er Rector der Hauptschule und 1849 Condirector der Francke’schen Stiftungen. (Der von den Francke’schen Stiftungen [damals Agathon Niemeyer] zum Condirector Erwählte hat nach den Statuten der Anstalt, wenn die Regierung damit einverstanden ist, das Recht der Nachfolge in dem Directorat der Francke’schen Anstalten.) Der Ruf Eckstein’s als eines tüchtigen Schulmanns war überall verbreitet, sodaß es nicht an Anträgen fehlte, anderswo in besser ausgestattete Stellungen zu gelangen. Von G. Hermann und M. Haupt wurde er 1845 als Nachfolger des hochverdienten Rectors der Landesschule Meißen, des Dr. Baumgarten-Crusius († am 12. Mai 1845) der königlich sächsischen Regierung dringend empfohlen. Bald darauf suchte man auch von Weimar aus an die Stelle des Director Gotth. Gernhard († am 4. März 1845) den auch im Großherzogthum wohlbekannten Hallischen Schulmann zu gewinnen. Später im Jahre 1853 bemühte man sich, um den gewiegten Pädagogen für Görlitz zu werben, und bald nachher wurde ihm unter sehr günstigen Bedingungen nach dem Tode seines alten Freundes, des Directors des Gothaischen Gymnasiums, des Gramatikers und Lexikographen, des geistvollen Fr. Valentin Chr. Rost († am 6. August 1862) die Leitung des Gymnasiums zu Gotha angetragen, aber er war zu fest an die geliebte Vaterstadt gebunden, mit der Geschichte des Orts und der Bürgerschaft so eng verwachsen, daß er sich doch nicht entschließen konnte, seine Zelte abzubrechen. (Vgl. A. D. B. XXIX, 279 [A. Baumeister]; Bursian, Geschichte der classischen Philologie Bd. I, S. 636 flg.) Freilich war E., der sich um die Francke’schen Stiftungen hohe Verdienste erworben hatte, dadurch sehr verstimmt worden, daß er nach dem Tode Herm. Agathon Niemeyer’s († 1851) als Director der Francke’schen Stiftungen nicht bestätigt wurde. (Man lese was von dem Chef des preußischen Gymnasialwesens Dr. Ludw. Wiese[WS 3] [Berlin 1886] S. 167 flg. über die Francke’schen Stiftungen und über die Frage der Nachfolge Eckstein’s berichtet wird.) [260] Dr. Gustav Kramer[WS 4], Director des französischen Gymnasiums zu Berlin, ein sehr tüchtiger Gelehrter, der vieler Menschen Städte gesehn, in der Schweiz, in Italien und Griechenland längere Zeit sich aufgehalten und an verschiedenen Anstalten der Hauptstadt seine Lehrgeschicklichkeit bewährt hatte, trat 1853 nur mit einigem Widerstreben an die Spitze der Francke’schen Stiftungen. Die beiden Männer E. und Kramer waren doch zu verschieden angelegt, als daß ein wirklich collegialisches Verhältniß sich hätte herausbilden können. Als daher nach dem allzufrühen Tode des Rectors der Thomasschule in Leipzig Dr. Kraner[WS 5] die Anfrage an E. gelangte, ob er geneigt sei, die Leitung dieser ehrwürdigen Anstalt zu übernehmen, da sagte er endlich zu, wenn es ihm auch schwer wurde, seiner geliebten Vaterstadt den Rücken zu kehren. Am 12. October 1863 fand die feierliche Einführung in das neue Amt statt. So wurde er auch wieder einer von den Leitern der Thomasschule, die sich um Wissenschaft und Schule gleichmäßig verdient gemacht haben, wie Joh. Matthias Gesner, Joh. August Ernesti, Gottfr. Stallbaum, Friedr. Kraner und andere. Gar bald war E. in seinem neuen, an Anregungen aller Art reichen großartigen Wohnorte heimisch. Sehr angenehm war es ihm, daß er neben der Aufgabe, die die Schule ihm stellte, als außerordentlicher Professor an der Universität wirken konnte. Er las über Pädagogik, wurde zum Director der philologischen Abtheilung des pädagogischen Seminars und zum Mitgliede der Commission für die Prüfung der Schulamtscandidaten ernannt, er prüfte das Fach der Pädagogik. Auch erklärte er, wenn es die akademischen Verhältnisse wünschenswerth machten, Cicero’s Schrift de oratore, besonders gern pflegte er den Horatius in seiner Eigenart den Schülern und Studenten nahe zu bringen. So hat er in mehr als zwanzigjähriger Thätigkeit auch in Leipzig sich um die Bildung künftiger Gymnasiallehrer hohe Verdienste und dauernde Dankbarkeit erworben.

Seine Studien hatte E. von Jugend auf besonders der Pädagogik und Geschichte der Philologie zugewandt. Der verdienstvolle nomenclator philologorum, bei dem Friedrich Ritschl Pathe gestanden – er sollte der Vorläufer und die Grundlage eines umfassenden biobibliographischen Lexikons werden – erschien 1871. E. war mit den maßgebenden Philologen und Schulmännern befreudet, er war eins der hervorragendsten Mitglieder der seit den dreißiger Jahren stattfindenden Philologenversammlungen. Sehr häufig wurde bei Besetzung von Directoren- oder Gymnasiallehrerstellen sein Rath eingeholt. Als er am 6. Januar 1881 sein 50jähriges Doctorjubiläum feierte, da zeigte es sich, wie allgemein die Hochschätzung war, die er seit vielen Jahren in allen gebildeten Kreisen der bedeutenden Handelsstadt gewonnen hatte. Am Ende der siebziger Jahre stellten sich bei ihm die Schwächen des Alters ein, da sah er Ostern 1881 sich gezwungen, mit schwerem Herzen sein Amt niederzulegen. Auch als er von seinem Schulamte zurückgetreten war, hielt er noch, wenn auch schwächer geworden, seine Vorlesungen an der Universität, lag seiner wissenschaftlichen Thätigkeit mit geistiger Frische ob, bis er in den Abendstunden des 15. November 1884[1] unerwartet schnell heimgerufen wurde. Ein an Erfahrungen und Hochachtung aller Art reiches Leben hatte sich an diesem Tage abgeschlossen, hohe Anerkennung war dem Verewigten in der mannichfachsten Weise zu Theil geworden, mit bedeutenden Menschen hat er in Beziehung gestanden, in seinen Schulämtern hat er anregend und fördernd gewirkt, sodaß sein Name in der Geschichte der Pädagogik immer mit Ehren genannt werden wird.

In der von Emil Jungmann[WS 6], seinem Amtsnachfolger herausgegebenen Biographie sind auf S. 20–23 die Schriften verzeichnet, durch deren Herausgabe [261] sich E. verdient gemacht hat, besonders hervorheben möchten wir den Separatabdruck aus Schmid’s Encyklopädie: Lateinischer Unterricht, und Fr. A. Eckstein, Lateinischer und Griechischer Unterricht. Mit einem Vorwort von W. Schrader[WS 7], herausgegeben von Dr. Heinr. Heyden, Leipzig 1887. Dazu kommen zahlreiche Artikel in Ersch und Gruber’s Realencyklopädie und Schmid’s Encyklopädie des Erziehungs- und Unterrichtswesens und in den ersten Bänden der Allgemeinen Deutschen Biographie, sowie Aufsätze in Brockhaus’ und Meyer’s Conversationslexikon. Vgl. Bursian, Geschichte der Philologie Bd. VI, S. 782 A. 1, S. 807, 943, 1160.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. Eckstein, Frdr. Aug. XLVIII 260 Z. 9 v. u. l.: 1885 (statt 1884). [Bd. 56, S. 396]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Gemeint ist wohl der Altersgenosse und Burschenschafter Gustav Ludwig Rudolf Hanow (1806–1872), später Direktor des Pädagogiums und Waisenhauses in Züllichau (Mark Brandenburg, heute: Sulechów in Polen) und 1848 Abgeordneter der Preußischen konstituierenden Nationalversammlung (linkes Zentrum), 1849 der Zweiten Kammer des Preußischen Abgeordnetenhauses sowie der Frankfurter Nationalversammlung. Offensichtlich handelt es sich um eine Verwechslung des Rufnamens mit dessen Sohn Friedrich Rudolf Hanow (* 1836), ebenfalls Philologe. 1858 Promotion De Theophrasti characterum libello zum Dr. phil. an der Universität Bonn; später Direktor des Gymnasiums in Küstrin. Angaben zu diesen wie zu weiteren Philologen wurden Eckstein’s eigenem Nomenclator Philologorum (1871) entnommen.
  2. Karl Wilhelm Ferdinand Büchner (1807–1881), später Direktor des Gymnasiums in Schwerin.
  3. Ludwig Wiese (1806–1900), deutscher Pädagoge; von 1852 bis 1875 Oberregierungsrat im preußischen Kultusministerium. Siehe Ludwig Wiese mit Quellentexten in Wikisource.
  4. Gustav Kramer (1806–1888), deutscher Philologe. Siehe den Artikel über ihn in der Wikipedia.
  5. Friedrich Kraner (1812–1863), deutscher Philologe und Pädagoge; 1857 Direktor in Zwickau, seit 1862 Rektor der Thomasschule in Leipzig.
  6. Franz Emil Jungmann (1846–1927), deutscher klassischer Philologe; seit 1817 Rektor der Thomasschule in Leipzig und Honorarprofessor an der Universität Leipzig. Siehe den Artikel über ihn in der Wikipedia.
  7. Heinrich Christian Wilhelm Schrader (1817–1907), deutscher Philologe und Pädagoge; Geheimer Oberregierungsrat in Preußen, seit 1883 Kurator der Universität Halle und Autor der „Geschichte der Friedrichs-Universität zu Halle“ (1894).