ADB:Eggers, Christian Freiherr von

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Artikel „Eggers, Christian Ulrich Detlev Freiherr von“ von Karl Theodor von Inama-Sternegg in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 670–671, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Eggers,_Christian_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 21. September 2019, 08:08 Uhr UTC)
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Eggers: Christian Ulrich Detlev Freiherr v. E., Staatsmann, war geboren am 11. Mai 1758 zu Itzehoe, kam aber schon in den Jahren 1771 und 1772 nach Kopenhagen, und es scheint, nach seinen eigenen Aeußerungen, daß dieser Aufenthalt für seine spätere Laufbahn bestimmend wurde. Elf Jahre später trat E. in den königl. dänischen Dienst des deutschen und ostindischen Secretariats bei dem Generallandesökonomie- und Commerzcollegium zu Kopenhagen und wurde schon im folgenden Jahre durch den geh. Rath Carstens mit dem berühmten Staatsminister Grafen Andreas Petrus v. Bernstorff (s. d.) bekannt, dem er auch zeitlebens ein treues und dankbares Andenken, ja eine fast schwärmerische Verehrung bewahrte. Bernstorff fand an Eggers’ staatsrechtlichen und staatswissenschaftlichen Studien Gefallen, besonders da sie von einem Geiste der Aufklärung und politischer Reform getragen waren, welcher mit den Ideen und Plänen vollkommen übereinstimmte, deren Verwirklichung er sich beim Antritte seines zweiten Ministeriums (1784) vorgesetzt hatte. So erhielt denn E. schon 1785 die Professur der politischen, ökonomischen und Cameralwissenschaften an der Universität zu Kopenhagen, wurde 1787 daneben auch Assessor der Rentenkammer daselbst und 1788 noch überdies mit der Professur für Staatsrecht betraut. Da sich aber eine solche Berufsüberhäufung für die Dauer als undurchführbar erwies, und Eggers’ Neigung ihn immer entschiedener auf die Laufbahn des praktischen Staatsmannes hinwies, so wurde er 1789 von seinen akademischen Verpflichtungen dispensirt, jedoch so, daß er sie nach Belieben wieder übernehmen konnte. Gleichzeitig mit seiner Lehrthätigkeit begann auch Eggers’ schriftstellerische Laufbahn, ganz im Geiste der Philanthropie und Aufklärung, wie er von den französischen Encyklopädisten nach der ganzen gebildeten Welt hin ausströmte. Einer „Gedächtnißrede auf Max. Jul. Leopold von Braunschweig, gehalten in der Versammlung der drei vereinigten Logen in Kopenhagen und Flensburg“, 1785, folgten rasch: „Gemälde zu Ehren der Menschheit“, 1. Heft und „Rousseau der Jüngling“, 1785, „Skizze und Fragmente einer Geschichte der Menschheit in Rücksicht auf Aufklärung“, 1. Bd. 1786 (spätere Fortsetzungen bis 1803 in 2 Theilen), sowie zwei wesentlich für Lehrzwecke bestimmte Schriften über „Dänische Staatskunst und dänische politische Schriften“, 1786 und „Physische und statistische Beschreibung von Island aus authentischen Quellen und den neuesten Nachrichten“, 1. Thl. 1786. Mit dem Ausscheiden aus dem Lehramte begann für E. eine zweite Periode seines Wirkens als Hülfsarbeiter des Grafen Bernstorff in der Staatskanzlei, später als Legationsrath. An den großen Reformen, welche dieser hervorragende dänisch-deutsche Staatsmann in dieser Zeit ins Werk setzte, nahm E. einen ebenso werkthätigen wie warmen Antheil. Insbesondere war es die Angelegenheit der Bauernemancipation in den Herzogthümern, welche ihn lange Zeit hindurch auf das lebhafteste beschäftigte. Hatten schon seine früheren Schriften „Briefe an Frau v. B. über die Aufhebung der Leibeigenschaft und der Frohndienste“ (im Deutschen Magazin 1789), „Commentatio inauguralis de jure imperantis libertatem perfectam restituendi rusticis glebae adscriptis“, 1791 und seine „Bemerkungen über den Geist der neueren Landwirthschaftsgesetze in Dänemark“, 1792, sich des Beifalls von Graf Bernstorff zu erfreuen gehabt, so veröffentlichte E. nunmehr auf directe Veranlassung des Grafen das „Schreiben eines holsteinischen Edelmannes an seinen Bruder über die Aufhebung der Leibeigenschaft in Holstein“, 1795, in welchem er, als Dolmetsch der Reformideen des Grafen, zunächst für die persönliche Freiheit der leibeigenen Bauern eintrat, welche zu gewähren nicht blos der Gutsherr, sondern auch der Landesherr schuldig sei; die Gewährung des Eigenthumsrechts an den Ländereien dagegen, das nicht den Bauern, sondern nur den Gutsherren zustehe, könne vom Landesherrn zwar [671] nicht befohlen werden; wol aber werde es sich von selbst finden, wenn nur der Bauer seine persönliche Freiheit erst wieder erlangt habe. In einer weiteren Abhandlung „Bedarf es weit aussehender Vorbereitungen, um dem holsteinischen Bauern seine persönliche Freiheit wieder zu geben?“ (im Deutschen Magazin, 1796. Bd. II.) wies er dann, unter Bekämpfung aller gegen das Emancipationsproject erhobenen Bedenken, auf die Veranstaltungen hin, welche nothwendig wurden, um den Bauern neben persönlicher Freiheit auch Eigenthum an ihren Stellen und Inventarien, mit Abschaffung der Frohndienste, zu geben, und berührte dabei zugleich, nach den Instructionen Bernstorff’s, die Aussicht auf eine Unterstützung aus der staatlichen Creditcasse. Der Erfolg dieser Schriften entsprach den Erwartungen Bernstorff’s, wie des Verfassers. Im selben Jahre noch erklärte die zur Untersuchung der Frage niedergesetzte wissenschaftliche Commission, daß sie die Aufhebung der Leibeigenschaft auf den adelichen Gütern nothwendig fände und daher wünsche, und schon 1797 ward mit der Ausführung dieses Beschlusses begonnen. In Würdigung seiner Verdienste um die Hebung der Landescultur in seinem engem Vaterlande wurde E. in der Folge zum Oberprocurator der Herzogthümer und endlich zum Oberpräsidenten in Kiel ernannt, wo er 1813 starb. Von seinen übrigen Schriften sind besonders bemerkenswerth die „Denkwürdigkeiten der französischen Revolution in Hinsicht auf Staatsrecht und Politik“, 1794–1806, 6 Bände, seine „Memoiren über die dänischen Finanzen“, 1800, und das von ihm herausgegebene „Deutsche gemeinnützige Magazin“, 1788 ff., das aus seiner Feder zahlreiche Aufsätze ökonomischen und politischen Inhalts enthält.

Meusel, G. T. Viele biogr. Angaben enthält auch Eggers, Denkwürdigkeiten aus dem Leben des königl. dänischen Staatsministers A. P. Grafen v. Bernstorff, 1800.