ADB:Leopold (Herzog zu Braunschweig-Lüneburg)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Leopold (Maximilian Julius Leopold), Herzog zu Braunschweig und Lüneburg“ von Paul Zimmermann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 376–377, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Leopold_(Herzog_zu_Braunschweig-L%C3%BCneburg)&oldid=- (Version vom 21. Juli 2019, 16:11 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Leopold (Verweisung)
Band 18 (1883), S. 376–377 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Leopold von Braunschweig-Wolfenbüttel in der Wikipedia
GND-Nummer 119303108
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Kopiervorlage  
* {{ADB|18|376|377|Leopold (Maximilian Julius Leopold), Herzog zu Braunschweig und Lüneburg|Paul Zimmermann|ADB:Leopold (Herzog zu Braunschweig-Lüneburg)}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=119303108}}    

Leopold (Maximilian Julius Leopold), Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, jüngster Sohn Herzog Karls I. und seiner Gemahlin Philippine Charlotte, geb. zu Wolfenbüttel am 11. October 1752, † am 27. April 1785, erhielt von Männern, wie Ebert, Gärtner, Jerusalem eine vorzügliche Erziehung. Sein militärischer Begleiter war 1763–76 Oberst v. Warnstedt. Zu seiner weiteren Ausbildung trat er 1771 eine längere Reise durch Deutschland und Frankreich an, die er bis vor Paris ausdehnte. Am 1. September 1772 wurde er zu Sonnenburg durch Prinz Ferdinand von Preußen zum Johanniterritter geschlagen. Schon früh trat er in militärische Dienste, zunächst in die seines Vaters, in denen er 1772 zum Oberstlieutenant und 1776 zum Oberst befördert wurde. Im April 1775 reiste er nach Wien, wo er insbesondere von der Kaiserin Maria Theresia äußerst freundlich aufgenommen wurde. Man beabsichtigte, ihn für den österreichischen Kriegsdienst zu gewinnen. Aber die Verhandlungen zogen sich in die Länge. Inzwischen trat er im Mai eine Reise nach Italien an. Auf seine dringende Bitte begleitete ihn Lessing, der gerade in Wien weilte. Sie fuhren über Mailand, Venedig, Bologna, Florenz, Livorno, Genua, Turin, Rom nach Neapel, überall die reichen Kunstschätze des Landes eifrig studirend und die Bekanntschaft bedeutender Männer, wie des Grafen Firmian, des Cardinals Albani etc. aufsuchend. In Neapel erhielt L. die Nachricht, daß sein Oheim, König Friedrich II. von Preußen, ihm das durch den Tod des Generals v. Diringshofen erledigte Infanterieregiment in Frankfurt a. d. O. verleihen wolle. L. nahm das Anerbieten an und kehrte, ohne Wien zu berühren, über München nach Braunschweig zurück. Im Februar 1776 trat er in Frankfurt seine Stellung als Oberst und Regimentscommandeur an; 1782 erhielt er den Rang eines Generalmajors. Im baierischen Erbfolgekriege stand er erst bei dem Corps des Generals v. Möllendorf, dann bei dem [377] des Prinzen Heinrich. Den soldatischen Beruf, den er aus Neigung ergriffen, versah er mit Ernst und Eifer; er verfaßte ein nicht herausgegebenes Werk, „Militärische Vorschläge“; er erfand eine Veränderung des Gewehrschlosses, die das Laden erleichterte und von Friedrich II. gebilligt wurde. Sonst gehörte er nicht zu den begünstigten Lieblingen des großen Königs. Dem strengen, festen Sinne desselben war das bescheidene, weiche Wesen des Prinzen, dessen Hauptgrundzug eine unbegrenzte Wohlthätigkeit bildete, keineswegs sympathisch. L. war nicht ganz frei von der Empfindsamkeit seines Jahrhunderts, aber er zeigte dabei doch einen sehr gesunden Blick für die praktischen Aufgaben der Gegenwart, indem er der Noth der Zeit durch bleibende Einrichtungen abzuhelfen suchte. Dahin zielte besonders die Stiftung der Regimentsschule, für die er sehr bedeutende Opfer brachte und ganz aus eigenen Mitteln ein Gebäude aufführen ließ. Er nahm bis ins Kleinste an den Geschicken der Schule Theil; er veranlaßte die Einführung der Erziehungsmethode des Philanthropen v. Rochow, den er zu dem Zwecke in Rhekan selbst besuchte. Er war ein freigebiger Beschützer aller Armen und Bedrängten, dabei ein lebhafter Freund der Wissenschaften und Künste. Durchreisende Gelehrte fanden bei ihm stets ein offenes Haus. Sein Wesen war von einer fast Jedermann fesselnden Liebenswürdigkeit; er war der vergötterte Liebling aller Kreise. Jede Noth der Stadt fand ihn als stets bereiten Helfer, der Opfer und Gefahren nicht scheute. So bei Feuersgefahr, so bei der Hochfluth der Oder im J. 1780, wo die Soldaten seines Regiments durch Erhöhung der Dämme die Stadt vor schwerem Unglücke bewahrten. Noch höher ging die Oder im Frühjahr 1785. Die Dämme auf der rechten Seite waren am 27. April bereits mehrereMale durchbrochen, die Dammvorstadt war unter Wasser gesetzt, die Verbindung mit dem linken Ufer abgeschnitten, da einige Joche der Brücke, die jene Vorstadt mit der Hauptstadt allein verband, fortgerissen waren. Man fürchtete das schlimmste für die schwer bedrängten Vorstädter. Um ihnen zu helfen, besteigt L. mit wenigen Schiffern einen Kahn. Der wilde Strom ist bereits glücklich durchfahren, als der Kahn am jenseitigen Ufer an eine Weide stößt und umschlägt. Ein Schlagfluß machte dem Leben Leopolds, wie es scheint, auf der Stelle ein Ende. Erst am 2. Mai fand man die Leiche. Die Stadt bat, sie in ihren Mauern behalten zu dürfen, doch wurde sie dem Wunsche der Mutter gemäß im Erbbegräbnisse zu Braunschweig beigesetzt. Das Ereigniß machte auf die Zeitgenossen einen tief erschütternden Eindruck. Zahllose Gedichte, darunter das eines Goethe, priesen des Herzogs edle That. Der Graf von Artois setzte für das beste zum Lobe Leopolds verfertigte Gedicht einen Preis aus, welchen Marmontel errang. Als alleinigen Beweggrund der That Leopolds erblickte man allgemein nur das Bestreben des Fürsten, Menschen zu retten. Fast 60 Jahre später tauchen hiergegen zuerst Zweifel auf. Ein gewisser G. W. Keßler will in der That nur verwegene Tollkühnheit sehen (Raumer’s histor. Taschenbuch, 1844, S. 9681 ff.). Obgleich dieser Ansicht von verschiedenen Seiten widersprochen wurde, verbreitete sie sich dennoch immer mehr in wissenschaftlichen und populären Werken, bis neuerdings L. Hänselmann in dem Aufsatze: „Der Tod Herzog Leopolds von Braunschweig“ (Braunschweig 1878) Keßler’s Aussführungen einer vernichtenden Kritik unterwarf. Hoffentlich wird fortan der Ruhm des edlen Menschenfreundes in dem alten und echten Glanze unangetastet bleiben.