ADB:Keßler, Georg Wilhelm

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Artikel „Keßler, Georg Wilhelm“ von Ernst Friedländer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 15 (1882), S. 656–657, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ke%C3%9Fler,_Georg_Wilhelm&oldid=- (Version vom 16. Juni 2019, 11:20 Uhr UTC)
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Keßler: Georg Wilhelm K., ist am 24. März 1782 in dem meiningenschen Dorfe Herpf geboren. Er verlor früh seinen Vater, der Prediger gewesen war und seine Erziehung wurde nun seinem Vormund, Hofrath Heim, anvertraut. Den ersten Unterricht erhielt K. von dem Schulmeister zu Seba und dem Pfarrer Heim zu Solz, wohin der sechsjährige Knabe täglich gehen mußte. Bald kam er auf die Stadtschule in Meiningen und später auf das Gymnasium daselbst. Als er 11 Jahre alt war, verlor er auch die Mutter und kam dann zu seinem Oheim Heim ins Haus, während der Herzog für seine Erziehung sorgte und ihn zum Künstler ausbilden wollte. Doch wurde dieser Plan später aufgegeben und K. absolvirte 1800 das Gymnasium, um demnächst in Jena die Rechte zu studieren. Bei der äußersten Knappheit seiner Mittel und vielfach krank, verlebte er hier mühsame Jahre und siedelte im Herbste 1802 nach Berlin über, um eine Hofmeisterstelle anzunehmen. Bei seiner großen Pflichttreue hielt er trotz höchst unliebsamer Verhältnisse tapfer in zwei derartigen Stellen aus, erheitert und erfrischt durch den Umgang mit lieben Freunden und den Verkehr in dem Hause des alten Hofraths Heim, eines Verwandten, dessen Schwiegersohn und Biograph er später werden sollte. Am 4. Juni 1806 Referendar bei der kurmärkischen Kammer, machte er im J. 1806 mit sechsmonatlichem Urlaub in Gemeinschaft mit seinem Jugendfreunde Prinz Max v. Neuwied und dem Grafen Reuß LX eine Schweizerreise, deren Beschreibung später im Druck erschien (Leipzig 1810), kam dann zur Regierung nach Potsdam unter Bassewitz und Vincke, schloß mit Friedr. v. Raumer enge Freundschaft, machte am 13. Sept. 1810 mit hoher Auszeichnung das Assessor-Examen, wurde 4 Wochen darauf Regierungsrath, heirathete am 20. März 1812 Auguste Heim, nahm 1813 und 1814 als Hauptmann im 5. kurmärkischen Landwehr-Regiment am Feldzuge Theil, zeitweilig als Civilkommissar im Kurkreis Sachsen und der Niederlausitz abkommandirt, zuletzt dem russischen Hauptquartier vor Hamburg beigegeben. Im August 1816 kam K. als Regierungsdirector nach Münster unter Vincke, 1819 nach Frankfurt a. O., verlor am 3. August 1820 seine Gattin, gab aber nach 2 Jahren seinen Kindern durch Verheirathung mit einer Verwandten, Friederike Heim, eine zweite Mutter. Im März 1825 wurde K. Vizepräsident des Konsistoriums und des Schulkollegiums der Provinz Brandenburg, trat am 14. November desselben Jahres als Geh. Oberfinanzrath in das Ministerium und erhielt die Direction der Domänen- und Forstverwaltung, wirkte unter den Ministern v. Motz und v. Maaßen mit vorzüglichem Erfolge und ward am 6. Decbr. 1830 wirklicher Geh. Oberfinanzrath. Als nach Maaßens Tode im J. 1835 aus der Domänenabtheilung ein eigenes Ministerium unter Ladenberg gebildet wurde, erschien es K. bald dringend erwünscht in ein anderes Dienstverhältniß versetzt zu werden, und er war daher mit seiner Versetzung als Regierungspräsident nach dem damals noch ganz abgelegenen Arnsberg wohl zufrieden. Hier entwickelte er noch 9 Jahre hindurch eine segensreiche und ersprießliche Wirksamkeit, lehnte 1840 ein Anerbieten des Herzogs von Meiningen, dort Minister zu werden, ab, schlug auch die ihm angebotene Erhebung in den Adelstand aus, machte im J. 1841 mit seinem Freunde Fr. v. Raumer eine lehrreiche und schöne Reise nach England, und im folgenden Jahre auf ausdrückliche Einladung des Königs einen Ausflug zum Dombaufeste nach Köln. Im April 1845 erbat K. den Abschied, den er durch Allerh. K.-O. vom 18. April unter Verleihung des Charakters als wirklicher Geh. Rath erhielt. Er siedelte dann nach Berlin über, konnte aber nicht mehr lange sich der wohlverdienten Muße im Familien- und Freundeskreise erfreuen, kränkelte viel und starb am 18. Mai 1846. Von Keßlers Arbeiten nennen wir einige deutsche Uebertragungen Shakespeare’scher Dramen, Berlin 1809, die oben erwähnten Reisebriefe. Leipzig 1810. Ueber [657] Ertragsfähigkeit des Bodens, in Rankes histor.-polit. Zeitschrift. Leben des k. preuß. Geh. Raths E. L. Heim. Leipzig 1835. Der alte Heim, zweite Auflage des vorigen. Leipzig 1846. Ueber Erhaltung der Wälder und Holzmangel, im rheinisch.-westfälisch. Anzeiger Nr. 53 und 54. Prinz Leopold von Braunschweig, in v. Raumer’s histor. Taschenbuch. 1844.

Raßmann, Nachrichten von dem Leben münsterländischer Schriftsteller. 1866. Leben des k. preuß. wirklichen Geh. Raths G. W. Keßler. Leipzig 1853.