ADB:Ebert, Arnold

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Artikel „Ebert, Johann Arnold“ von Wilhelm Creizenach in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 586–587, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ebert,_Arnold&oldid=- (Version vom 22. September 2019, 23:38 Uhr UTC)
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Band 5 (1877), S. 586–587 (Quelle).
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Ebert: Johann Arnold E. wurde am 8. Febr. 1723 zu Hamburg geboren. Sein Vater stand in hamburgischen Kriegsdiensten. E. besuchte das Johanneum, wo ihn bald mit seinem Mitschüler Basedow ein vertrautes Freundschaftsverhältniß verband. In Prima fühlte er sich hauptsächlich durch den Unterricht des Rectors Johann Samuel Müller angezogen, der ihn seiner besondern Freundschaft würdigte. Nach seinem Abgang vom Johanneum besuchte er noch das akademische Gymnasium seiner Vaterstadt und gab zugleich in mehreren angesehenen Häusern Unterricht, hauptsächlich in den neueren Sprachen. Er selbst sagte, daß diese Beschäftigung auf seine gesellige Bildung den wohlthätigsten Einfluß ausgeübt habe. Von der größten Bedeutung für seine gesammte geistige Entwicklung ward jedoch die Bekanntschaft mit Hagedorn, der an seinen litterarischen und poetischen Bestrebungen den wärmsten Antheil nahm. Er machte ihn auch den Freunden der Litteratur bekannt, indem er zwei Abhandlungen von de la Nauze über die Lieder der alten Griechen in der Uebersetzung Ebert’s der Ausgabe seiner Oden und Lieder beifügte und in der Vorrede seinen jungen Freund in den lobendsten Ausdrücken erwähnte. Auch die Vorliebe Ebert’s für die englische Sprache und Litteratur wurde sicherlich durch Hagedorn bestärkt. Ostern 1743 begab er sich nach Leipzig, um sich dort dem Studium der Theologie zu widmen. Eine Serenade, „Das Vergnügen“ betitelt (abgedruckt im zweiten Theil seiner Episteln und vermischten Gedichte S. 61 ff.), zog ihm den Unwillen der hamburgischen Geistlichkeit zu. Es trug dies jedenfalls mit dazu bei, daß er sich sehr bald vom Studium der Theologie abwandte und sich ausschließlich schönwissenschaftlichen Studien widmete. Ein günstiges Geschick führte ihn bald in den Kreis der Bremer Beiträger, an deren litterarischen Bestrebungen er den eifrigsten Antheil nahm, wenn er auch selbst in den „Belustigungen des Verstandes und Witzes“ und in den „Beiträgen zum Vergnügen des Verstandes und Witzes“ nur einige kleinere Gedichte veröffentlichte. 1748 erhielt er auf Antrieb seines Freundes Gärtner einen Ruf nach Braunschweig als Hofmeister an der mit dem Collegium Carolinum verbundenen Pensionsanstalt; bald darauf wurde ihm der Unterricht in der englischen Sprache am Collegium übertragen. Auch den Erbprinzen, dessen Liebe und Achtung er in hohem Maße gewann, unterrichtete er im Englischen. Mit den litterarisch bedeutenden Männern, die damals in Braunschweig und dessen Umgebung lebten, mit Zachariä, Jerusalem, Gärtner u. a., später mit Eschenburg und Lessing stand er in vertrautem Verkehr und erwarb sich durch sein mildes und liebenswürdiges Wesen die allgemeinste Hochachtung. Sein Leben verlief ruhig, ohne bedeutende Veränderung. 1753 wurde er ordentlicher Professor am Carolinum und hielt nunmehr auch Vorlesungen über Gelehrtengeschichte. 1770 übernahm Eschenburg diese Vorlesungen, wogegen E. nunmehr den Unterricht in der griechischen Sprache erhielt. Am 18. Mai 1773 vermählte er sich mit Luise, der Tochter des Kammerraths Gräfe; die Gedichte, die er ihr alljährlich am Hochzeitstage widmete, sind ein schönes Denkmal seiner beglückten Ehe. 1775 erhielt er ein Canonicat am Cyriaksstift, 1780 wurde er zum Hofrath ernannt. Seinen Aufenthalt in Braunschweig unterbrach er jeden Sommer auf kurze Zeit durch eine kleine Reise. In der letzten Zeit seines Lebens nahm er meist Hamburg zum Reiseziel, um dort Klopstock zu besuchen, der damals allein von dem Leipziger Freundeskreise noch am Leben war und seinem Freunde in der ergreifenden Ode „An Ebert“ die Jugendzeit ins Gedächtniß zurückrief.[1] E. starb nach kurzer Krankheit am 19. März 1795. In seinen Dichtungen verräth sich der Freund Hagedorn’s und der Bremer Beiträger; der Hauptvorzug derselben besteht in dem anmuthigen und geschmackvollen Vortrag und in dem correcten Versbau. Sein einflußreichstes Werk ist die Uebersetzung von Young’s Nachtgedanken, die eine schwärmerische Begeisterung für Young und eine Menge [587] von Nachahmungen hervorrief. Sein Bildniß befindet sich vor dem neunten Bande der neuen Bibliothek der schönen Wissenschaften und vor dem Göttinger Musenalmanach auf 1796.

Vgl. Eschenburg’s Leben Ebert’s im zweiten Theile von Ebert’s Episteln und vermischten Gedichten (Hamburg 1789, 1795). – Karl G. W. Schiller, Braunschweigs schöne Litteratur in den Jahren 1745–1800 (Wolfenbüttel 1845), S. 63–74; das vollständigste Verzeichniß seiner Schriften in Schröder’s hamburgischem Schriftstellerlexikon. Daselbst fehlt jedoch: Johann Arnold Ebert’s christliche Gedanken über das Leiden und Sterben des Erlösers, von einem Freunde der Wahrheit nebst einer Vorrede zum Druck befördert, Hamburg 1742. 4. (vgl. Eschenburg, S. XVII l. c.).

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 586. Z. 6 v. u.: Die Bemerkung, daß Klopstock in der Ode an E. dem Freunde die Jugendzeit ins Gedächtniß zurückgerufen habe, könnte zu einem Mißverständniß Anlaß geben. Es soll damit blos gesagt sein, daß die ahnungsvoll schwermüthige Ode die bejahrten Männer, an denen ihr Inhalt in Erfüllung ging, tief ergriffen hat; die Abfassungszeit reicht, wie bekannt, in Klopstock’s Jugend, in das Jahr 1748 zurück. [Bd. 9, S. 795]