ADB:Eginhard

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Artikel „Eginhard“ von Anton Schlossar in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 48 (1904), S. 274–276, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Eginhard&oldid=- (Version vom 20. Mai 2019, 15:27 Uhr UTC)
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Eginhard (Pseudonym für Gotthard Freiherrn von Buschman), Dichter und Schriftsteller auf verwaltungsrechtlichem Gebiete, geboren am 10. November 1810 zu Ragendorf (nach Andern am 9. November zu Wien), erhielt seine Ausbildung in Wien und studirte auch an der Hochschule daselbst die Rechtswissenschaft. Im J. 1832 zum Doctor der Rechte promovirt trat er als Conceptspraktikant bei der k. k. allgemeinen Hofkammer in den Staatsdienst und zeigte sich fortan von besonderem Pflichtgefühle für die Aufgaben seines Berufes durchdrungen. Schon als junger Beamter veröffentlichte er die fleißige und instructive Schrift: „Ueber die österreichische Staatsbürgerschaft“ (Wien 1833). Stets von der Nothwendigkeit einer constitutionellen Verfassung für seinen Heimathsstaat überzeugt war er auch Mitglied des berühmten juridisch-politischen Lesevereins in Wien, welcher für die freiheitliche Gestaltung der Verhältnisse Oesterreichs im J. 1848 von so hervorragender Bedeutung wurde. In dem erwähnten Jahre wirkte er als Mitglied der Wiener Nationalgarde mit regem Eifer für Freiheit und Ordnung in der kampfdurchtobten Residenzstadt. In seiner amtlichen Stellung finden wir ihn später als Beamten des Finanzministeriums, woselbst er seit 1861 eine [275] Ministerialrathsstelle bekleidete und als Referent des obersten Gefällsgerichtes fungirte. Unter seinen amtlichen Leistungen ist besonders die Wirksamkeit als Regierungsvertreter für die Forstservitutsregulirung auf den Staatsdomänen in Oberösterreich und Salzburg hervorzuheben, wobei er auf die wirthschaftliche Existenz des betheiligten Bauernstandes besonders Rücksicht zu nehmen bestrebt war. Im J. 1872 wurde Frhr. v. Buschman in auszeichnender Weise in den Ruhestand versetzt, in welchem er jedoch fortwährend schriftstellerisch und poetisch thätig blieb bis zu seinem am 21. August 1888 zu Maria Enzersdorf bei Mödling erfolgten Tode.

Neben seiner ersprießlichen amtlichen entwickelte Gotthard Frhr. v. Buschman unter dem Decknamen: Eginhard aber auch eine reiche poetische Thätigkeit. Ein großer Freund der Natur und ihrer Schönheiten hatte er schon als junger Mann eine Fußreise nach Schweden und Lappland unternommen, die nicht ohne Einwirkung auf seine spätere litterarische Entwicklung blieb und sein Interesse namentlich auch der skandinavischen Natur- und Sagenkunde zuwandte. Aber auch die schönsten Gebirgsgegenden Oesterreichs und der Schweiz hatte er besucht und manchen aussichtsreichen Alpengipfel erstiegen. Seine Freude an der Kenntniß fremder Länder und Gegenden bethätigte er selbst noch in seinem höheren Alter, da er Spanien, Italien und den Orient sich zum Ziele seiner Reisen erwählte.

Hatte E.-B. schon in Zeitschriften und Almanachen frühzeitig Proben seiner poetischen Begabung niedergelegt, so trat er auch bald mit einem größeren dichterischen Werke hervor, es ist dies die Sammlung „Marienkranz“ (Leipzig 1840), welche den Dichter als Anhänger echter Romantik zeigt. Er widmet darin einer wie der „Prolog“ darlegt, frühzeitig geschiedenen Geliebten eine Zahl lebendig entworfener epischer Bilder, in denen er verschiedene historisch merkwürdige weibliche edle Gestalten vorführt, welche den Namen Maria getragen, von Maria der Mutter Jesu an bis in die neuere Zeit herab. Der Dichter hat dabei Gelegenheit, auch in den Naturschilderungen mancher der ihm lieb gewordenen Gegenden zu gedenken, welche er auf seinen Reisen selbst kennen gelernt. Auch ein dramatisches Stück: „Marie Ypsilantis“, welches den griechischen Freiheitskampf der neueren Zeit zum Hintergrunde nimmt, findet sich in dem ansprechenden Buche. – Nicht lange nach dieser Veröffentlichung verherrlichte der Dichter in den sieben Gesängen „Auf nach Norden“ (1844) mit dichterischem Schwunge die Schönheit der skandinavischen Landschaft und die Tüchtigkeit der männlichen, wie die edle Sinnigkeit der weiblichen Bewohner jenes nordischen Gebietes und errang mit diesem poetischen Werke namentlich auch in Schweden selbst besondere Anerkennung. Eine spätere Sammlung kleinerer Dichtungen erschien unter dem Titel „Singen und Ringen“ im J. 1856, dieselbe enthält neben christlich-frommen Anklängen im edelsten Sinne des Wortes und manchem philosophisch vertieften Gedichte eine Zahl epischer erzählender Stücke, welche wieder von der plastischen Darstellungsweise des Poeten beredtes Zeugniß ablegen und zum großen Theile dem geschichtlichen Gebiete, auch wol dem der Volkssage entnommen sind. In manchem der Lieder und erzählenden Gedichte kommt selbst ein gewisser Humor zur Geltung und verschiedene aphoristische Sprüche erweisen die freiheitlichen Anschauungen des feinsinnigen Poeten. Das dramatische Fragment der Sammlung „Aus Faust’s Jugend“ bietet eine eigenartige Scene als Beitrag zu dem vielbehandelten Faustthema. Bevor des letzten epischen Werkes Eginhard-Buschman’s gedacht wird sind noch zwei größere dramatische Dichtungen zu erwähnen, nämlich das der nordischen Sage entnommene „dramatische Märchen“: „König Ragnar’s Hort“ (Wien 1865) und das historische Volksschauspiel: [276]Graf Rudolf vor Basel“ (Wien 1882). In beiden Stücken zeigt sich ein nicht belangloses dramatisches Talent. In dem nordischen Drama hat der Dichter in kräftigen Zügen nordische Recken, namentlich den König Ragnar und die kühne und doch weiblich fühlende Frauengestalt Aslög gezeichnet und der märchenhaften Handlung Leben und Bewegung zu verleihen verstanden. Das Rudolf in den Vordergrund stellende Drama weist uns eine Episode aus dem Leben des vor der Stadt Basel gelagerten Grafen von Habsburg, die mit dessen Wahl zum römisch-deutschen Kaiser abschließt. Bewegte Turnier- und Lagerscenen und die recht charakteristisch entworfenen Bürger-, Ritter- und Mädchengestalten verleihen dem als patriotisches Festspiel gedachten Stücke neben einer geschlossenen Handlung mehr als ephemeren Werth. Die letzte (epische) Dichtung Frhr. v. Buschman’s und zugleich die umfangreichste ist das „Lied von Herzog Friedel und Sänger Osly“ (Wien 1880). Der Verfasser, welcher mehrfach in seinen poetischen Werken der Bewunderung für den Dichter Anastasius Grün Ausdruck gibt, hat in diesem Epos sich gewissermaßen des berühmten Vorgängers „Letzten Ritter“, wenigstens in der Wahl eines der Zeitfolge naheliegenden patriotischen Stoffes und in der Form der Behandlung, zum Muster genommen. Die Hauptpersonen des Epos sind der Herzog Friedrich mit der leeren Tasche von Tirol und der Dichter Oswald von Wolkenstein. Der Poet weiß die verschiedenen historischen Beziehungen der beiden Persönlichkeiten geschickt im Liede zu verwerthen und ein großes Bild der Kämpfe und Befehdungen jener Zeit mit dem schönen landschaftlichen Hintergrunde des Tiroler Gebirgslandes vor dem Leser aufzurollen. Bearbeitungen von Originalgedichten Oswald v. Wolkenstein’s erscheinen dem Texte eingestreut, welcher in 6 Gesänge zerfällt, dessen letzter in dem Preise des Landfriedens von 1423 ausklingt. Die auch von genauen historischen Studien zeugende Dichtung war noch bei Lebzeiten des berühmten Dichtergrafen Auersperg (Anastasius Grün) abgefaßt und vom Verfasser diesem im Manuscripte mit der Bitte um Begutachtung vorgelegt. Graf Auersperg hatte eine genaue Prüfung vorgenommen und es liegen noch seine Briefe vor, die höchst anerkennende Worte über dieses poetische Werk enthalten, zugleich aber Aenderungen vorschlagen, welche der Verfasser gewissenhaft befolgt und damit dem Ganzen eine festere Gestaltung verliehen hat. Den Druck des Werkes hat Anast. Grün nicht mehr erlebt, E.-B. aber dasselbe pietätvoll „den Manen“ seines ruhmvoll bekannten Berathers gewidmet.

Um der Thätigkeit dieses vielseitigen Mannes auch auf verwaltungs- und staatsrechtlichem Gebiete vollständig gerecht zu werden, seien noch seine sachlich eingehende Schrift: „Ueber das österreichische Forstwesen“ (1848), die historisch-politische Studie: „Die niederösterreichischen Landstände und die Revolution in Oesterreich“ (1850), die vortreffliche Arbeit: „Strafrechtlicher Schutz des Parlamentarismus in Oesterreich“ (Wien 1879) und die einschneidende Fragen der österreichischen Beamtenorganisation behandelnde Broschüre: „Adel und Beamtenthum Oesterreichs mit besonderer Bedachtnahme auf eine Dienstpragmatik für Staatsbeamte“ (Wien 1886) hier angeführt. Durch letztere Schrift hat der Verfasser sich den besonderen Dank der darin vertretenen österreichischen Staatsbeamtenschaft erworben.

Erbetene Mittheilungen vom Sohne des hier Besprochenen, Herrn k. k. Ministerialrath Hugo Baron v. Buschman in Wien. – Brümmer, Lexikon d. deutschen Dichter d. 19. Jahrh. Leipzig. I. Bd. – Zu vgl. auch der Anast. Grün’s Briefe an Buschman enth. Aufsatz von A. Schlossar in der N. Fr. Presse, 5. April 1903, Lit.-Blatt.