ADB:Elsner, Jakob

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Artikel „Elsner, Jakob“ von Wilhelm Heinrich Erbkam in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 6 (1877), S. 68–69, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Elsner,_Jakob&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 10:35 Uhr UTC)
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Elsner: Jakob E., berühmter Gelehrter und reformirter Theolog, geb. im März 1692 in Saalfeld, einer kleinen Landstadt in Ostpreußen, † 8. Oct. 1750 in Berlin. Sein Vater, dessen Familie aus Böhmen herstammte und der ein angesehener und wohlhabender Bürger von Saalfeld war, wünschte seinen Sohn zum Kaufmann auszubilden, wozu dieser aber keine Neigung zeigte, vielmehr frühzeitig Eifer zum Studiren kund gab. Er besuchte deshalb, sobald er dazu auf der gelehrten Schule seiner Vaterstadt hinreichend vorbereitet war, die Universität Königsberg und wandte sich damals schon mit Vorliebe den orientalischen Sprachstudien zu. Im J. 1715 ward er Conrector an der reformirten Schule in Königsberg, wobei er zugleich die Functionen eines Hauscaplans bei dem Grafen und Feldmarschall Alexander zu Dohna versah. Nach zwei Jahren gab er diese Stellung auf und unternahm eine gelehrte Reise über Danzig, Berlin, Cleve nach Holland. Hier verweilte er vier Jahre und legte dort den Grund zu seiner ausgebreiteten Gelehrsamkeit im Gebiete der biblischen Hermeneutik und Alterthumskunde. Er hatte sich bereits solchen Ruf erworben, daß der König von Preußen ihn 1720 zum Professor der Theologie und orientalischen Sprachen an der theologischen Lehranstalt in Lingen in Westfalen ernannte, und bald darauf auch die reformirte Gemeinde daselbst ihn zu ihrem Prediger erwählte. In Holland hat er das erste größere Werk herausgegeben, nämlich die „Observationes sacrae in Novi Foederis libros“, 1720. I, der zweite Band erschien 1728. Die Utrechter theologische Facultät ernannte ihn darauf zum Doctor der Theologie. Zwei Jahre darauf erhielt er einen Ruf als Rector (Director) und erster Professor an dem reformirten Joachimsthal’schen Gymnasium in Berlin, den er nach anfänglichem Weigern annahm. Es wurde ihm hier die schwierige Aufgabe gestellt, eine durch Schwäche des früheren Directors in Zuchtlosigkeit und Anarchie gefallene Anstalt zur Zucht und Ordnung zurückzuführen; er löste diese Aufgabe auf glückliche Weise. Doch sehnte er sich nach einem stilleren Wirkungskreise und nahm deshalb gern den Ruf als zweiter Prediger an der reformirten Parochialkirche in Berlin an. Doch ernannte man ihn zum Consistorialrath und geistlichen Inspector jenes Gymnasiums. Später rückte er in die erste Predigerstelle ein und wurde auch zum Mitglied des Kirchendirectoriums der reformirten Gemeinden ernannt. Nachdem er schon 1742 Director der Classe der schönen Wissenschaften bei der königl. Gesellschaft gewesen war, so behielt er auch diese Stelle 1744 bei der Reorganisation jener Gesellschaft als Akademie der Wissenschaften bei. Trotz der mannigfachen Beschäftigung im praktischen Amtsleben wendete er seine Mußezeit auf gelehrte Arbeiten, von denen nebst vielen Predigten eine Anzahl gedruckt ist, sie haben indeß außer jenem obengedachten Werke für unsere Zeit keine wissenschaftliche Bedeutung mehr. Doch macht davon eine Ausnahme ein Werk über den damaligen Zustand der griechischen Kirche, welches nach den Angaben eines in Europa herumreisenden griechischen Geistlichen verfaßt ist und unter dem Titel erschien: „Neueste Beschreibung oder Abbildung der heutigen Griechischen Christen in der Türkey aus glaubwürdiger Erzehlung Herrn Athanasius Dorostamus, Archimandriten des Patriarchen zu Constantinopel mit vielen Zeugnissen der berühmtesten Nachrichten und eignen Anmerkungen herausgegeben“, 1737.

Vgl. Histoire de l’académie royale des sciences et belles lettres depuis son origine jusqu’à présent, Berlin 1752. S. 225. – Neubauer, Fortgesetztes (Moser’sches) Lexikon oder Nachricht von den jetzt lebenden Theologen in Deutschland, 1764. I. 70. 84. 490–92. Dunkel, Historisch-kritische Nachrichten von verstorbenen Gelehrten und deren Schriften, 1753. I. II. 63. II. 339. – Bibliotheca Bremensis nova Class. I. 365, Bremen 1760. – Müller und Küster, Altes und Neues Berlin, I. 217. – Schmersahl, Nachrichten [69] von jüngst verstorbenen Gelehrten, 1753, II. 430. – Arnoldt, Historie der Königsberger Universität II. 443. – Hering, Beiträge zur Gesch. der evangel.-reformirten Kirche II. 180. – Neue Beiträge zur Geschichte etc. I. 303. – Adelung.