ADB:Förtsch, Michael

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Artikel „Förtsch, Michael“ von Julius August Wagenmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 7 (1878), S. 195, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:F%C3%B6rtsch,_Michael&oldid=- (Version vom 19. Juni 2019, 01:30 Uhr UTC)
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Förtsch: Michael F., lutherischer Theolog, geb. 24. Juli 1654 zu Wertheim in Franken, † 24. April 1724 zu Jena. – Als Kind angesehener, aber durch die Kriegsnoth verarmter[WS 1] Eltern, zog er durch seinen schönen Gesang die Aufmerksamkeit des badischen Kirchenrathsdirectors Dr. Linsemann auf sich und wurde durch ihn unter die Sänger der Durlacher Hofcapelle und unter die Stipendiaten des dortigen Gymnasiums aufgenommen. Nachdem er zu Straßburg, Jena, Helmstädt Theologie studirt, wurde er 1681 als Münsterprediger nach Straßburg berufen, sah diesen Ruf aber dadurch vereitelt, daß in demselben Jahre Straßburg in die Hand der Franzosen, der Münster in die der Katholiken kam. F. folgte jetzt einem Ruf nach Durlach als Hofprediger, Professor am Gymnasium illustre, später auch Kirchenrath daselbst. Nachdem er von hier durch die französische Kriegsnoth vertrieben war, eine Zeitlang in Lörrach sich aufgehalten, unterdessen auch in Gießen 1686 die theologische Doctorwürde sich erworben hatte: wird er 1695 von Herzog Eberhard Ludwig von Würtemberg, nicht ohne Widerstreben der Facultät zum Professor der Theologie und Superintendenten des Stifts in Tübingen ernannt, als einer der wenigen Nichtwürtemberger, die hier im Lauf von 4 Jahrhunderten einen theologischen Lehrstuhl inne gehabt haben (s. Weizsäcker, Zur vierten Säcularfeier Tübingens 1877. S. 84 ff.). Von Anfang an mit Mißtrauen empfangen, besonders wegen seines Verhältnisses zu den Gießener Theologen, fühlte er sich in Tübingen nie recht heimisch, scheint auch den in ihn gesetzten Erwartungen nicht ganz entsprochen zu haben (virum doctissimum et facundissimum nennt ihn sein Schüler, der Kirchenhistoriker Weismann, aber auch nimis verbosus et justo citius abrupit labores inchoatos), und folgt daher, obwol 1703 vom Herzog zum Abt von Lorch ernannt, schon im folgenden Jahre einem Rufe nach Jena als Professor theol. primarius und Generalsuperintendent, wo er denn auch (1705–1724) als Vertreter einer moderirten aber antiunionistischen und antipietistischen Orthodoxie unter viel Anerkennung als ein Theologus cordatus, orthodoxus, moderatus noch 19 Jahre in Ehren und in Segen wirkte.

Ueber sein Leben s. J. C. Köcher, De vita, scriptis et meritis Foertschii, Jena 1724, 4.; Zeumer, Vitae theol. Jenensium S. 265. Ebenda Verzeichnisse seiner Schriften, wovon zu nennen ein Commentar zu Ambros. de officiis 1698, eine Schrift gegen die Quietisten, über die Erkenntniß der Nichtwiedergeborenen, Decas diss. theol. 1704, Breviarium controversiarum 1706, Manudictio ad theol. comparativam, de moderatione in controversiis cum Reformatis, über die zu Tübingen vorgeschlagene Vereinigung der Protestanten (gegen das Klemm-Pfaff’sche Unionsproject 1722). Vgl. auch Vierordt, Geschichte der evang. Kirche in Baden II, 320, 487. Weismann, KG. II, 972, 1022; Tholuck, Kirchl. Leben des 17. Jahrhunderts, II, S. 181.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. korrigiert, im Original veramter