ADB:Facius, Johann Friedrich

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Artikel „Facius, Johann Friedrich“ von Friedrich August Eckstein in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 6 (1877), S. 531–532, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Facius,_Johann_Friedrich&oldid=- (Version vom 26. Mai 2019, 20:03 Uhr UTC)
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Facius: Johann Friedrich F., Philolog und Schulmann, geboren in Koburg am 26. Januar 1750, † daselbst am 21. Juni 1825. Nach dem frühen Tode seines Vaters, der herzogl. Rath und Geheimer Secretär war, wurde der Knabe von einem Hauslehrer unterrichtet und im 13. Lebensjahre in das Gymnasium aufgenommen. Unter den Lehrern nahm sich besonders Harles seiner an und förderte die Neigung zu philologischen Studien. 1767 bezog er die Universität Göttingen, um Theologie zu studiren. Mit größerer Vorliebe hörte er die Vorlesungen Heyne’s, trat in das philologische Seminar desselben und fand an diesem Lehrer einen Gönner und Berather, mit dem er stets in brieflichem Verkehr blieb. 1769 wurde er Hauslehrer in Hannover, konnte sich aber nicht in die Leute schicken und gab die Stellung auf. Die Hoffnung auf eine Anstellung an der Erlanger Universität ging nicht in Erfüllung, obschon er zur Unterstützung dieser Bewerbung 1772 die „Epistola critica in aliquot Orphei et Apollonii Rhodii loca“ und 1773 einen Aufsatz über die Aegis hatte drucken lassen. In diesem Jahre folgte er einem Rufe des Abtes Frommann als Lehrer in Kloster Bergen bei Magdeburg, aber auch diese Stellung sagte ihm nicht zu. Er kehrte 1774 in seine Vaterstadt zurück, wo er sich mit Privatunterricht beschäftigte. 1777 wurde er außerordentlicher Professor am Gymnasium mit einer sehr spärlichen Besoldung. Allerlei Versuche, ein einträglicheres Amt zu erlangen, mißglückten; erst 1784, nach Ablehnung eines Rufes nach Dorpat, erlangte er eine ordentliche Professur und eine Gehaltszulage, 1807 auch den Rathstitel. 1824 ertheilte ihm die philosophische Facultät in Göttingen honoris atque observantiae testandae causa den Doctortitel. Da er nur in den beiden obersten Classen zu unterrichten hatte und sich dabei auf die beiden alten Sprachen beschränken konnte, so blieb ihm Muße zu mancherlei wissenschaftlichen Arbeiten, die theils für die Schule bestimmt waren, theils gelehrte Zwecke verfolgten. Zu den ersteren gehören eine „Griechische Blumenlese“ (1783), „Compendium dialectorum Graecarum“ (1782), „Griechische Grammatik“ (1793), eine Abhandlung über den Stil (1782) und vier Reden des Isokrates (1790). Unter den gelehrten Arbeiten ist der „Orestes“ des Euripides (1778), zu welcher Ausgabe Heyne eine Vorrede schrieb, und besonders die handliche Ausgabe des Pausanias [532] (1794–97 in 4 Bänden) zu erwähnen, die er auf Heyne’s Rath unternahm, aber zu eilfertig veröffentlichte. Die Vergleichung von zwei Handschriften, die ihm Heyne mittheilte, war ebenso unvollständig als ungenau; von Ausgaben stand ihm nur die Kuhn’sche zu Gebote und so konnte er nur aus seiner Kenntniß des Schriftstellers manche gute Verbesserungen vorschlagen. Nach dem Rathe seines Lehrers gab er 1805 „Ex Plutarchi operibus excerpta quae ad artem spectant“ heraus, die er Millin in Paris widmete. Einzelne antiquarische Abhandlungen sind in den „Miscellen zur Geschichte und Cultur des Alterthums“ (1805) und vermehrt in den „Collectaneen zur griechischen und römischen Alterthumskunde“ vereinigt (1811); unter seinen Schulschriften verdient eine „De aenigmate et gripho“ (1789) Beachtung. Er war ein Liebhaber von Bildern und hielt sich für einen Kenner, ohne größere Sammlungen je gesehen zu haben. Aus dieser Neigung ist es zu erklären, daß er den „Praktischen Unterricht zur Malerei“ von Mengs aus dem Italienischen übersetzt (1783) und ein „Taschenbuch für junge Reisende, um Kunstgalerien mit Nutzen zu besuchen“ (1807) geschrieben hat. Auch die deutsche Litteratur hat er nicht vernachlässigt und in seiner Quartalschrift „Pözile“ (1800) eine Posse „Harlekin“ und 1810 einen Roman „Alessio“ veröffentlicht – jetzt vergessene Arbeiten. Da er nie verheirathet war, bildeten sich manche Eigenheiten des sonst dienstfertigen und zur Geselligkeit geneigten Mannes aus, der in seiner äußeren Erscheinung das Bild des vorigen Jahrhunderts bewahrte. Die Liebe seiner Schüler zeigte sich besonders bei der jährlichen Feier seines Geburtstages und würde noch mehr bei seinem fünfzigjährigen Dienstjubiläum hervorgetreten sein, wenn ihn nicht überhand nehmende Altersschwäche kurz vorher aus dem Leben abgerufen hätte.

E. v. Gruner in dem Neuen Nekrolog der Deutschen, 3. Jahrg. I. S. 724–746.