ADB:Fischer, Josef Anton

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Artikel „Fischer, Jos. Ant.“ von Friedrich Pecht in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 7 (1878), S. 77, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Fischer,_Josef_Anton&oldid=- (Version vom 23. April 2019, 14:53 Uhr UTC)
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Fischer: Jos. Ant. F., Historienmaler, geb. zu Oberstorf im Allgäu 28. Febr. 1814, † in München 20. März 1859. Er ist der bedeutendste Schüler von Heinrich Heß neben Schraudolph, den er an Phantasie und Innigkeit des Gefühls übertrifft. In dieser Tiefe des Gemüths und einem schönen Stylgefühl wurzelt denn auch seine Bedeutung als eines der hervorragendsten der vielen Epigonen Overbeck’s und Gliedes der sogenannten nazarenischen Schule. Schon im Jahre 1832 mit Ernst Förster, dann später 1843 Italien allein besuchend, bildete er sich an der altitalienischen Kunst, speciell an Fiesole, erfuhr auch direkte Einflüsse von Overbeck, ohne indeß den von Heß ausgebildeten, mehr dem Raphael nachgeahmten Styl je zu verlassen und sich dem peruginesken des römisch-deutschen Meisters zu nähern. Kommt er auch über dessen lyrisch sentimentale Auffassung des Christenthums nicht hinaus, so erweist er sich doch alsbald in seinen colorirten Cartons aus dem Leben der Maria in der Münchener Aukirche als der bei weitem talentvollste der dort beschäftigten Künstler. Freilich ist auch er so wenig naiv, als diese ganze Kunst überhaupt, dafür zeigen seine Madonnenfiguren eine edle Anmuth und liebenswürdige Reinheit, sowie eine korrekte stylvolle Zeichnung und guten Farbensinn, die seine dortigen Bilder den angenehmsten und harmonischsten Schöpfungen der älteren Münchener Schule zuzählen lassen, wenn seiner Erfindung auch eigentliche Hoheit und männliche Kraft fehlen. Dieselben Eigenschaften bethätigte er denn auch in seinen großen, von einem bedeutenden Fortschritt Zeugniß ablegenden Cartons für die Fenster im Kölner Dom, von denen die besten in der Münchener Pinakothek zu finden, so die Anbetung der heiligen drei Könige, eine vortreffliche Grablegung Christi und Ausgießung des heiligen Geistes. Sie imponiren durch die stylvolle Größe der Formengebung, so wie mehr Sinn für Individualisirung typischer Gestalten als Schraudolph zeigt. Ja, die Charaktere sind oft auffallend gut erfunden, obwohl sie durchweg wie die Heß’schen etwas Bürgerliches, wenn auch nicht Bäurisches behalten, den Adel der guten Italiener so wenig erreichen als ihre Energie. In einer zweiten in Oel gemalten Grablegung Christi wird er, Raphael folgend, selbst dramatischer, wobei freilich auch die vollständige Unzulänglichkeit seiner Beherrschung der Oeltechnik dem Ganzen wieder gewaltig Eintrag thut. Indeß gelingen doch dieser mehr sanften, den Keim frühen Todes in sich tragenden Natur alle die Vorwürfe am besten, die der Santa Conversazione sich mehr oder weniger nähern, und es liegt auch auf seinen Schöpfungen jener seltsame Zwang salbungsvollen Gebahrens, der durch dieses ganze romantisch angehauchte Nazarenerthum zieht und ihm ein eigenthümlich wiederaufgewärmtes Wesen verleiht, über das nur die streitbaren Naturen eines Cornelius und Führich sich vollkommen erheben, zu eigentlicher Größe, Erhabenheit und Ursprünglichkeit gelangen.