ADB:Folliot de Crenneville, Ludwig Karl Graf

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Artikel „Folliot de Crenneville, Ludwig Graf“ von Oscar Criste in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 48 (1904), S. 616–617, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Folliot_de_Crenneville,_Ludwig_Karl_Graf&oldid=- (Version vom 8. Mai 2021, 23:26 Uhr UTC)
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Folliot: Ludwig Graf F. de Crenneville, k. k. General d. Cavallerie. Einem alten normännischen, auch nach England verzweigten Adelsgeschlechte entsprossen, mit vornehmen französischen und lothringischen Familien und mit dem letzten Sprößling der lothringischen Herzogsfamilie, dem österreichen FM. Prinzen v. Lambesc, verwandt, im Jahre 1765 in Metz geboren, trat F. nach Absolvirung der königlichen Militärschulen zu Pont à Mousson und Paris im J. 1780 als Eleve in die französische Kriegsmarine, in welcher er nach zahlreichen Reisen binnen 10 Jahren zum Schiffslieutenant avancirte. Im J. 1791 wanderte er aus Frankreich aus, machte noch im folgenden Jahre den Feldzug im Marinecorps der französischen Prinzen mit, und trat am 1. April 1793 als Cadet in das kaiserliche Chevauxlegersregiment Nr. 1. Noch als Oberlieutenant lenkte er 1796 in der Schlacht bei Würzburg die Aufmerksamkeit des Erzherzogs Karl auf sich, wurde 1798 als Rittmeister zum Chevauxlegersregiment Nr. 3 übersetzt und bald darauf zum Major und Flügeladjutanten des Herzogs Ferdinand von Württemberg ernannt, den er bei seinen Missionen nach Petersburg begleitete. In dem Feldzuge des Jahres 1800 zeichnete er sich wiederholt aus, wurde noch in demselben Jahr Oberstlieutenant und Oberst, am 27. März 1801 Generaladjutant des Erzherzogs Karl und Chef des Marinedepartements und im März 1805 außer der Tour Generalmajor. Den Feldzug jenes Jahres machte F. als Adlatus des FML. Freiherrn v. Mack mit, wurde aber noch vor der Capitulation von Ulm dem russischen Hauptquartier zugetheilt und kam im November als Militärbevollmächtigter nach Berlin, um die Mitwirkung der preußischen Armee an dem Feldzuge zu beschleunigen. In den Jahren 1806–1809 wurde F. als Brigadier in Fiume und Böhmen verwendet, kam bei Ausbruch des Krieges in das Corps Kolowrat, dessen Vorhut er bei Regensburg kommandirte und an den Gefechten an der Regen, an der Lahn und Naab und bei Sieg theilnahm. Am 27. April 1813 zum Feldmarschalllieutenant und Commandanten der Reservedivision ernannt, führte F. in diesem Verhältniß die Vorhut und zeichnete sich in den Gefechten bei Plauen, Töltschen, Roßthal und Wilfnitz, bei Cotta und in der Schlacht bei Leipzig, bei Hochheim, wo er als einer der ersten die feindliche Redoute erstieg und eine Fahne und zwei Geschütze eroberte, [617] bei Troyes und Montereau derart aus, daß ihm am 1. Juni 1814 außer Capitel das Ritterkreuz des Maria-Theresienordens verliehen wurde. Nachdem F. noch den Feldzug des Jahres 1815 im Corps Radivojevich mitgemacht hatte, kam er als Divisionär nach Vicenza, mußte jedoch infolge seiner durch die Strapazen des Feldzuges erschütterten Gesundheit 1817 in den Ruhestand treten. Auch in diesem Verhältniß wurde F. wiederholt bei der Organisation und Verwaltung der Marine verwendet. Im J. 1823 neuerdings in die Activität getreten, wurde F. zum Obersthofmeister des Vicekönigs Erzherzog Rainer und zum Geheimen Rathe ernannt, 1831 zum General der Cavallerie befördert und im nächsten Jahr in die Arcièrenleibgarde eingetheilt. Die Rückberufung nach Frankreich hatte F. schon unter der Regierung Napoleon’s I. abgelehnt; als ihm unter König Ludwig XVIII. abermals die Einladung zuging mit der Aussicht auf reichliche Entschädigung für seine confiscirten Güter, antwortete er: „Ich werde arm, aber treu meinem Herrscher und seinem Hause bleiben, von dem ich mit Gnaden überhäuft wurde. Nach dem Tode meines Königs bin ich Oesterreicher geworden und ich werde es ebenso bleiben wie meine Söhne.“ Graf F., der seit 1810 mit der Gespielin der damals Kaiserin gewordenen Erzherzogin Marie Luise, der Freiin Victoria von Poutet vermählt war, starb am 21. Juni 1840.

Acten des k. u. k. Kriegs-Archivs. – Teuffenbach, Vaterländisches Ehrenbuch. – Hirtenfeld, Der Militär-Maria-Theresienorden.