ADB:Karl (Erzherzog von Österreich)

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Artikel „Karl Ludwig, Erzherzog von Oesterreich“ von Adam Wolf in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 15 (1882), S. 322–324, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Karl_(Erzherzog_von_%C3%96sterreich)&oldid=2499631 (Version vom 24. Februar 2018, 02:12 Uhr UTC)
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Karl Ludwig, Erzherzog von Oesterreich, Herzog von Teschen, kaiserlicher Generalfeldmarschall, geb. am 5. September 1771 in Florenz, † am 30. April 1847. Er war der dritte Sohn des Großherzogs von Toscana, [323] später Kaiser Leopolds II. Die erste Jugend verbrachte er in Toscana, 1790 kam er nach Wien. 1791 nach Belgien als künftiger Gouverneur für die Statthalter Erzherzogin Marie Christine und Herzog Albert von Sachsen-Teschen, welche ihn adoptirten. Seine Laufbahn war eine militärische. Er führte 1792 bei Jemappes eine Brigade, 1793 unter dem Prinzen von Koburg die Avantgarde, er entschied die Siege bei Aldenhoven und Neerwinden, wurde Generalstatthalter in Belgien, Feldmarschalllieutenant und 1794 Feldzeugmeister. Er commandirte in den Schlachten bei Landrecies, Tournay und Fleurus ein Armeecorps. Nach dem Verlust Belgiens erhielt K. 1796 das Obercommando über die Rheinarmee, erfocht als Reichsgeneralfeldmarschall die Siege bei Wetzlar, Teining, Amberg und Würzburg, er schlug Jourdan und Moreau bis über den Rhein, nahm noch im Winter Kehl und Hüningen ein. 1797 übernahm er gegen Bonaparte das Commando über die österreichische Armee in Venetien, vollzog einen meisterhaften Rückzug nach Innerösterreich und schloß am 18. April 1797 den Präliminarfrieden von Leoben. Im November d. J. wurde er Gouverneur und Generalcapitän von Böhmen. Nach dem Congreß von Rastatt 1799 befehligte er abermals die Rheinarmee, besiegte Jourdan bei Ostrach und Stockach, besetzte Zürich, ging, von den Russen nicht unterstützt, nach Deutschland zurück, nahm Mannheim und drängte die Franzosen über den Rhein. Am 17. März 1800 legte er das Commando nieder, ging nach Böhmen und organisirte ein Freiwilligencorps von 25000 Mann. Als er nach der Schlacht bei Hohenlinden den Oberbefehl über die kaiserliche Armee übernehmen mußte, konnte er das Vordringen Moreau’s nicht hemmen und schloß am 25. Decbr. den Waffenstillstand von Steier. Nach dem Frieden von Lüneville 1805 wurde er Feldmarschall und Präsident des Hofkriegsrathes, 1806 Generalissimus mit unbeschränkter Vollmacht. Seine Reformen für die Einrichtung, Verwaltung und Bildung der Armee ließen das alte Militärsystem Lacy’s erlöschen. Der Hofkriegsrath, die Rekrutirung und Verpflegung der Armee wurden neu eingerichtet, die lebenslängliche Dienstzeit wurde 1802, der Zopf 1805 abgeschafft. Der Erzherzog vermehrte von 1806–9 die Infanterie, vereinfachte die Taktik, schuf die Reserve und die Landwehr, gründete militärische Unterrichtsanstalten, eine militärische Zeitschrift, das Kriegsarchiv u. A. In dem Kriege von 1805 commandirte er die Armee in Venetien. Er behauptete sich gegen Massena in der dreitägigen Schlacht von Caldiero, mußte sich jedoch nach der Katastrophe von Ulm nach Ungarn zurückziehen. In dem Kriege von 1809 rückte er mit der österreichischen Hauptmacht bis Regensburg vor, aber die Schlachten bei Abensberg, Landshut und Eckmühl fielen unglücklich aus. Während Napoleon nach Wien marschirte, führte der Erzherzog seine Armee nach Böhmen und in das Marchfeld, wo er am 21. und 22. Mai bei Aspern und Eßlingen Napoleon so vollständig schlug, daß die französische Armee dem Untergange nahe war. Der Sieg wurde jedoch nicht benützt und sechs Wochen nachher, am 5. und 6. Juli, verlor der Erzherzog die Schlacht von Wagram. Er bestand noch auf dem Rückzuge nach Mähren einige Gefechte und schloß dann den Waffenstillstand von Znaim, am 12. Juli 1809. Noch vor dem Wiener Frieden nahm er als Generalissimus seine Entlassung. An den Kämpfen von 1813–15 hat er nicht Theil genommen, nur 1815, als Napoleon von der Insel Elba zurückgekehrt war, war er Gouverneur von Mainz. Die Würde eines Hoch- und Deutschmeisters hatte er 1804 niedergelegt. Nach dem Tode des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen 1822 erbte K. dessen Güter Teschen, Altenburg, Belye, das Palais in Wien und die reiche Kunstsammlung (Albertina). Seit dem 17. Septbr. 1815 war er mit der Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg vermählt, † 1829. Aus der Ehe stammen die vier Söhne: Albrecht, geb. am 3. August 1817, k. k. [324] Feldmarschall, 1866 Oberbefehlshaber der Armee gegen Italien und Sieger von Custozza; Karl Ferdinand, geb. am 29. Juli 1818, Feldmarschalllieutenant († 1874); Friedrich, geb. am 14. Mai 1821, Contreadmiral, rühmlich bekannt im syrischen Feldzug 1840, † am 5. Octbr. 1847 in Venedig; Wilhelm, geb. am 21. April 1827, Hoch- und Deutschmeister, Feldmarschalllieutenant und Generalinspector der Artillerie. Ferner zwei Töchter: Therese, geb. 1816, † 1867 als Wittwe des Königs Ferdinand II. von Neapel, und Marie Caroline, geb. 1825, 1852 vermählt mit Erzherzog Rainer. Erzherzog K. starb, 76 Jahre alt, am 30. April 1847 in Wien. Seine militärischen Schriften sind von Bedeutung: „Grundsätze der Strategie, erläutert durch die Darstellung des Feldzugs von 1796 in Deutschland" (3 Bde., Wien 1814), „Geschichte des Feldzugs von 1799 in Deutschland und der Schweiz“ (2 Bde., Wien 1819). Eine Sammlung seiner militärischen Werke erschien in Wien 1862. Das Reiterstandbild von Fernkorn, errichtet 1860 in Wien, trägt die Inschrift: „Dem heldenmüthigen Führer der Heere Oesterreichs“, „dem beharrlichen Kämpfer für Deutschlands Ehre“. Eine kleine Wiederholung der Statue mit schönen Reliefs am Sockel steht im Garten des Schlosses Weilburg bei Baden.

Vgl. Duller, Erzherzog Karl von Oesterreich, 2 Bde., 1844–45. Schneidawind, Karl, Erzherzog von Oesterreich und die österreichische Armee, 2 Bde., 1840. Das Buch vom Erzherzog Karl, 1848. Thielen, Erzherzog Karl von Oesterreich, 1858. Wolf, Erzherzog Karl, 1860. Wiener Zeitung 1860, 116, 117, 118.