ADB:Friedrich (Erzherzog von Österreich)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Friedrich, Erzherzog von Oesterreich“ von Oscar Criste in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 49 (1904), S. 116–118, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Friedrich_(Erzherzog_von_%C3%96sterreich)&oldid=- (Version vom 12. Juli 2020, 07:50 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Friedrich Franz II.
Band 49 (1904), S. 116–118 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Friedrich Ferdinand Leopold von Österreich in der Wikipedia
GND-Nummer 118895109
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|49|116|118|Friedrich, Erzherzog von Oesterreich|Oscar Criste|ADB:Friedrich (Erzherzog von Österreich)}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118895109}}    

Friedrich, Erzherzog von Oesterreich und königlicher Prinz von Ungarn, k. k. Viceadmiral und Marinecommandant, geboren am 14. Mai 1821 zu Wien als dritter Sohn des Feldherrn Erzherzogs Carl und seiner Gemahlin Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg, erhielt gleich seinen Brüdern eine ausgezeichnete Erziehung und entschied sich bereits im Alter von 14 Jahren für den Seemannsberuf. Am 28. Juli 1837 trat er in die k. k. Marine ein und machte in diesem und dem folgenden Jahre Seereisen nach Neapel, Sicilien und Malta, dann im Westbecken des Mittelmeeres. Im Jahre 1839 zum Linienschiffscapitän befördert und zum Commandanten der Fregatte „Carolina“ und der in Lissa stationirten Schiffsdivision ernannt, trat der Erzherzog am 26. Juni in Begleitung des Obersten Wilhelm v. Lebzeltern und des Corvettencapitäns Marinovich eine größere Reise nach Griechenland an, deren Eindrücke er in einem von scharfer Beobachtung und objectivem Urtheil zeugenden Tagebuch niedergelegt hat. Zurückgekehrt übernahm Erzherzog F. das Commmando der Fregatte „Guerriera“, welche anläßlich der zwischen dem Sultan Abdul [117] Medschid und dem Vicekönig von Aegypten, Mehemed Ali, ausgebrochenen Zwistigkeiten zur Verstärkung der k. k. Escadre in der Levante bestimmt war. Am 22. August segelte der Erzherzog nach Smyrna, wo die k. k. Escadre unter dem Befehle des Contreadmirals Baron Bandiera vor Anker lag, in deren Verband die „Guerriera“ am 13. September trat. Den mehrmonatlichen Aufenthalt bei der Levanteflotte während der diplomatischen Verhandlungen benützte der Erzherzog zur Besichtigung der englischen und französischen Geschwader, zu einem Besuche von Constantinopel und zur Bereisung des griechischen Archipels. Infolge des am 15. Juli 1840 zwischen Oesterreich, Preußen, Rußland und England zum Schutze und zur Aufrechterhaltung der Integrität des türkischen Reiches abgeschlossenen Vertrages segelte die k. k. Escadre nach Alexandrien, wo sie sich am 24. August mit der britischen Flotte unter Admiral Stopford vereinigte, welcher den Oberbefehl über die gesammten alliirten Streitkräfte übernahm. Am 9. September erschien die englisch-österreichisch-türkische Flotte vor Beirut und eröffnete, nachdem der Commandant des Platzes, Soliman Bey, die Aufforderung zur Uebergabe abgelehnt hatte, am Abend des 11. das Bombardement. Soliman räumte die Stadt und nahm außer Schießbereich derselben Stellung; das Feuer der Alliirten, welches die Festungswerke größtentheils zerstörte, blieb unerwidert. Am 14. verließen die Admirale die Rhede von Beirut, ankerten in der Bucht von Djounnié und landeten am nächsten Tag Mannschaften der kaiserlichen Schiffe. Angesichts der überlegenen feindlichen Streitkräfte und mit Rücksicht auf den herannahenden Winter, erschien das Verbleiben der Schiffe an der offenen Küste gefährlich, auch konnte die schwache alliirte Armee nicht ohne den Schutz der Flotte und ohne festen Stützpunkt an der Küste belassen werden; Admiral Stopford beschloß daher, sich Saidas zu bemächtigen und betraute den Commodor Napier mit dieser Aufgabe. Mit acht Schiffen, darunter die „Guerriera“ unter Erzherzog F., begann Napier am 26. September die Beschießung des Platzes. Noch während des Feuers der Schiffe mit der Leitung des Angriffs auf das Südcastell beauftragt, landete Erzherzog F. zuerst ein Detachement, das rasch die Höhen der Ufer erstieg, bald darauf ein zweites, das ungeachtet des aus einigen Häusern unterhaltenen feindlichen Gewehrfeuers landete. Nachdem dieses Detachement, vereint mit einer Abtheilung Engländer am Eingang der Stadt als Reserve Stellung genommen hatte, drang Erzherzog F. selbst an der Spitze des ersten Detachements und einiger Engländer gegen das Bergcastell vor, welches er, allen voran, erstieg. Bald darauf traf eine Abtheilung Engländer, die von der Nordseite in die Stadt eingedrungen war, dort ein, während die türkischen Truppen von der Seite des Wassercastells einrückten. Um 6 Uhr Nachmittags waren die Alliirten im vollen Besitze der dominirenden Punkte und hiermit auch der Stadt. Für diese Waffenthat wurde dem Prinzen das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens verliehen, von Kaiser Nicolaus erhielt er den St. Georgs-Orden, von der Königin von England das Großkreuz des Bath-Ordens, vom Könige von Preußen den Orden pour le mérite. Durch die Einnahme von Saida gelangte in kurzer Zeit auch der ganze nördliche Theil des Libanon längs der Küste in den Besitz der Alliirten; der wichtigste Punkt, die Festung St. Jean d’Acre, mußte allerdings noch genommen werden. Am 2. November ankerte die alliirte Flotte, 21 Schiffe, darunter die österreichischen Fregatten „Medea“ und „Guerriera“, dann die Corvette „Leipzig“ in Sicht des Platzes und am 3. begann die Beschießung, die ohne Unterbrechung bis um halb sechs Uhr Nachmittags dauerte. Die großartige Kampfscene erreichte den Höhepunkt, als um halb fünf Uhr ein Pulverdepot der Festung in die Luft flog und ungeheure Verheerungen [118] verursachte. Auf die Nachricht, daß ein Theil der Besatzung entwichen sei, beschloß Erzherzog F., noch in der Nacht einen Ueberfall der Citadelle zu unternehmen. Kurz nach Mitternacht schiffte er 93 Mann, 2 Officiere und 2 Seecadetten aus und drang tollkühn an deren Spitze durch eine als Schießscharte benützte Oeffnung seitwärts vom Thore in die Stadt und erreichte unaufgehalten die Citadelle, deren Posten sich ergaben. Erzherzog F. ließ die Citadelle rasch zur Vertheidigung herrichten und wartete den Tagesanbruch ab. Auf der Flotte ahnte Niemand, was sich im Dunkel der Nacht vollzogen hatte. Als das erste Licht des Tages die Trümmerhaufen von Acre beschien, ließ Erzherzog F. auf dem höchsten Punkte der Citadelle die Flaggen Oesterreichs, Englands und der Türkei entfalten, welche, kaum erblickt, von allen Admiralen mit 21 Kanonenschüssen begrüßt wurden. Fregatte „Medea“ und Corvette „Leipzig“ ankerten während des Salutes bei Acre und Contreadmiral Bandiera ließ sofort das Castell durch 100 Mann Marineinfanterie besetzen. Bald nach der Einnahme von Acre wurden auch Antakieh, Jaffa, Kaifa, Jerusalem und Balbek erobert und am 27. November unterzeichnete der Vicekönig den Vertrag, in welchem er sich verpflichtete, Syrien zu räumen und die türkische Flotte herauszugeben. Im Laufe des Monates Januar 1841 waren die Verhältnisse zwischen der Pforte und Aegypten wieder geordnet. Nach schweren Stürmen an der syrischen Küste, während welchen der Blitz zweimal in das erzherzogliche Schiff einschlug, einen Matrosen tödtete, einen anderen lähmte, verließ die „Guerriera“ am 20. Januar die Levante und segelte nach Triest. Die Unannehmlichkeit der vierzehntägigen Contumaz milderte des Erzherzogs Bruder Albrecht, damals Brigadier in Graz, welcher ihm an Bord freiwillig Gesellschaft leistete. Nach kurzem Besuch in Wien übernahm Erzherzog F. das Commando über den ersten Seebezirk Venedig, das er, gleichzeitig Brigadiersdienste leistend, bis in das Jahr 1842 führte. Die folgenden Monate waren Reisen nach England und Schottland gewidmet, wo der Prinz die hervorragendsten maritimen Etablissements besichtigte; am 6. Februar 1843 traf er wieder in Wien ein und wohnte am 5. April der erhebenden Feier bei, als Kaiser Ferdinand die Brust des Erzherzogs Carl zu dessen 50jährigem Jubiläum das Großkreuz des Maria Theresien-Ordens im Beisein des gesammten Hofes mit den Insignien dieses Ordens in Brillanten schmückte. In demselben Jahre zum Contreadmiral und im August 1844 zum Viceadmiral und Marineobercommandanten an Stelle des in den Ruhestand getretenen Marquis Paulucci ernannt, war der Erzherzog hauptsächlich bestrebt, der Marine den traditionell herausgebildeten, venetianisch-provinziellen Charakter zu benehmen, den Geist des Personals zu heben und die ökonomischen Verhältnisse zu regeln. Noch während einiger kürzeren Reisen nach Deutschland und den Niederlanden begann der Erzherzog zu kränkeln; unmittelbar nach dem Tode seines Vaters, 30. April 1847, dessen Begräbniß er beiwohnte, nahm das Leberleiden eine bedrohliche Wendung und in der Nacht zum 6. October 1847 starb er in den Armen seines getreuens Mentors Lebzeltern.

Bergmann, Erzherzog Friedrich von Oesterreich, Wien 1857. – Wurzbach, Biographisches Lexikon, 6. Band. – Schels, Eroberung St. Jean d’Acre’s, Wien 1840. – Hirtenfeld, Der Militär-Maria-Theresienorden, Wien 1857. – Gedenkblätter der k. k. Kriegs-Marine, 1. und 2. Band. – Teuffenbach, Vaterländisches Ehrenbuch.