ADB:Friedrich III. (Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg)

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Artikel „Friedrich III., Herzog von Sachsen-Gotha und Altenburg“ von August Beck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 5–6, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Friedrich_III._(Herzog_von_Sachsen-Gotha-Altenburg)&oldid=- (Version vom 22. April 2019, 18:43 Uhr UTC)
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Friedrich III., Herzog von Sachsen-Gotha und Altenburg, geboren am 14. April 1699, gestorben am 10. März 1772, war der Sohn Herzog Friedrichs II. und der Prinzessin Magdalena Augusta, Tochter des Fürsten Karl Wilhelm von Anhalt-Zerbst. Er folgte seinem Vater im J. 1732 in der Regierung und hatte eine vortreffliche Erziehung genossen. Freilich war er nicht so begabt, wie sein Vater, aber dafür war er ein äußerst wohlwollender, gutmüthiger und sittenreiner Fürst, der durch mehrjährige Reisen eine feine Bildung und Welt- und Menschenkenntnisse sich erworben hatte. 1718–20 hatte er Italien und Frankreich, 1722–24 Frankreich, England und Holland durchreist. In seiner Gemahlin Louise Dorothea, mit welcher er am 13. September 1729 sich vermählte (s. diese) und deren vertrauten Freundin, der Oberhofmeisterin Juliane Franziska v. Buchwald (s. III. 494), hatte er zwei hochbegabte, geistreiche Frauen um sich, die durch ihre Genialität, lebensfrohen Muth und sittliche Reinheit den besten Einfluß ausübten. Als im J. 1734 französische Heeresmassen in die sächsischen Lande einrückten, richtete er schnell eine Landesvertheidigung ein, und überließ dem Kaiser gegen eine Enschädigung von 120000 Gulden 1000 Mann Cavallerie und 4000 Mann Infanterie, die sein Bruder, Prinz Wilhelm, in das Feld führte. Dem Fürsten von Waldeck überließ er (1734) gegen eine Entschädigung von 64000 Gulden jährlich 800 Mann, und auch dem Könige Friedrich II. von Preußen überließ er im J. 1744 eine Anzahl Rekruten. Die Liebe zu seinen Unterthanen bethätigte er im J. 1737 dadurch, daß er ihnen eine ihm im J. 1732 von den Landständen bewilligte Steuer erließ. Seine Regierung wurde übrigens durch manche widerwärtigen Ereignisse getrübt. Die nächste Veranlassung dazu gab der Herzog Anton Ulrich von Sachsen-Meiningen, der die Tochter eines Kassel’schen Hauptmanns, Cäsarea Schurmann, zur Gemahlin genommen und die Kinder aus dieser Ehe in den Reichsfürstenstand vom Kaiser hatte erheben lassen. Herzog F. III. setzte es durch, daß sie für nicht successionsfähig erklärt wurden (1744). Ueber den sogenannten „Wasunger Krieg“, in welchen der Herzog F. III. mit verwickelt wurde, wird an einer andern Stelle geredet werden. Derselbe wurde durch den Tod des Herzogs Ernst August von Weimar (29. Januar 1748) in den Hintergrund gedrängt. Es entstand über die Vormundschaft des jungen Herzogs Ernst August Konstantin von Sachsen-Weimar Streit mit Meiningen. Durch einen Vergleich (17. September 1749) wurde der Streit dahin vermittelt, daß Herzog F. III. die Vormundschaft über Weimar und den Erbprinzen, Herzog Franz Josias aber die über Eisenach und die nachgelassene Prinzessin führen sollte. Große Noth und Jammer entstand in den Landen des Herzogs durch den siebenjährigen Krieg; ganz besonders litt darunter das Altenburger Land. Der Prinz von Soubise kam selbst nach Gotha, nach der Schlacht bei Roßbach aber (5. November 1757) [6] eilte das geschlagene französische Heer in völliger Flucht durch Gotha, und es wird erzählt, daß ein preußischer Deserteur ohne Gewehr in Goldbach 14 Feinde gefangen nahm und entwaffnete, dann aber in Gotha (im Gasthofe zum Schützen) 40 Franzosen mit Hülfe eines Juden ausplünderte, bei welcher Gelegenheit er aber ergriffen und mit dem Zuchthause bestraft wurde. – Herzog F. III. war auch ein frommer Fürst, stets auf die Erhaltung der reinen lutherischen Lehre bedacht. Er führte die kirchliche Confirmation im Lande ein (1752), erließ Mandate gegen die Entheiligung des Sabbaths (1733), stellte aber die dritten Feiertage ab und verlegte die Aposteltage auf die Sonntage (1770). Die Gründung der Herrenhuter-Colonie zu Neudietendorf hinderte er nicht, obschon das darüber verlangte Gutachten des Oberconsistoriums sich entschieden dagegen ausgesprochen hatte. Durch persönliche Besuche in Neudietendorf hatte er sich von den zweckmäßige Einrichtungen des Orts und dem guten Geiste der Bewohner selbst überzeugt. – Er hinterließ zwei Söhne, Ernst Ludwig (geb. 30. Januar 1745), seinen Nachfolger, und August (geb. 1747, gest. 1806), sowie eine Tochter Friederike Louise (geb. 1752, gest. 1776).

Aug. Beck, Geschichte des gothaischen Landes, Gotha 1868, Bd. I. 381.