ADB:Gartz, Zacharias

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Artikel „Gartz, Zacharias“ von Hermann Pieper in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 49 (1904), S. 253–254, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gartz,_Zacharias&oldid=- (Version vom 17. Juni 2019, 03:42 Uhr UTC)
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Gartz: Zacharias G. (Garcaeus), märkischer Chronist, geboren am 11. Januar 1544 zu Pritzwalk, wo sein Vater Bürgermeister war, † am 9. März 1586 als Stadtsyndikus zu Brandenburg a. d. H. Vorgebildet auf der Schule in seiner Vaterstadt und zu Magdeburg, bezog er im Sommer 1564 die Universität zu Wittenberg, wo er außer den allgemeinen humanistischen [254] noch juristische, medicinische und astronomische Studien trieb und sich der von Peucer, dem Schwiegersohne Melanchthon’s, vertretenen Richtung anschloß. Zu Weihnachten 1571 übernahm er das Rectorat in Pritzwalk, legte dasselbe aber bereits zu Pfingsten 1574 wieder nieder, um seine Studien in Wittenberg von neuem aufzunehmen. Inzwischen wurde ihm jedoch die Leitung der Schule zu Brandenburg-Altstadt übertragen, welches Amt er zu Ostern 1575 übernahm und bis zum Sommer 1576 verwaltete. Um diese Zeit wurde er, nachdem er sich mit einer Tochter des Bürgermeisters Andreas Schuller (Schüler), des Bruders von Georg Sabinus, verlobt hatte, Stadtschreiber (Syndikus) von Brandenburg-Altstadt, später auch Schöppenschreiber an dem dortigen Schöppenstuhl.

Außer einer Schulrede, einem Gelegenheitsgedicht und einigen historischen Eintragungen in den städtischen Rechnungsbüchern besitzen wir von G. eine zunächst für den Kreis seiner Amtsgenossen bestimmte, in lateinischer Sprache abgefaßte Chronik in 3 Büchern: „Successiones Familiarum et res gestae Illustrissimorum Praesidum Marchiae Brandenburgensis ab anno Christi 927 usque ad nonas Quintileis 1582“. Die noch vorhandene Originalhandschrift des Verfassers (jetzt in der Fürstl. Stolbergschen Bibliothek zu Wernigerode) zeigt, wie eifrig dieser bis zu seinem Tode bemüht gewesen ist, durch zahlreiche Nachträge und Verbesserungen seine Angaben zu vervollständigen und die „Successiones“ allmählich zu „Annales“ umzugestalten. Leider ist das Werk unvollendet geblieben.

Aus dem so zusammengetragenen Material hat G. selbst noch zu seinen Lebzeiten einen Auszug (Epitome seu Index chronologicus, datirt von 1585) und eine chronologische Uebersicht (Synopsis chronologica, datirt vom Mai 1583) angefertigt, welche beide ebenfalls bis jetzt in der Originalhandschrift (in der Kgl. Bibliothek zu Berlin) erhalten sind. Diese sind bisher ungedruckt geblieben, während die „Successiones“, freilich nur nach zwei, obendrein noch verschiedenen Abschriften und deshalb nicht ohne willkürliche Entstellungen und fremde Zusätze, 1729 von dem Wittenberger Professor Joh. Gottlieb Krause, zusammen mit Leutinger’s Schriften, herausgegeben sind, nachdem schon früher Männer wie Joh. Cernitius, Christoph Hendreich und G. G. Küster eine Veröffentlichung derselben geplant hatten.

Bis ins 19. Jahrhundert wurde G. als wichtiger Quellenschriftsteller für die brandenburgische Geschichte angesehen, obwol die meisten der von ihm benutzten und auch gewissenhaft citirten Werke schon im 16. Jahrhundert im Druck vorlagen, oder doch wie Creusing, Nicolaus v. Klempzen, Val. v. Eickstet später gedruckt worden sind. Von ungedruckten, jetzt verloren gegangenen Quellen hat G. benutzt die Memoiren des Engelbrecht Wusterwitz, ältere chronikalische Aufzeichnungen von Brandenburg, Havelberg und Pritzwalk sowie verschiedene Auf- und Inschriften historischen Inhaltes, die noch zu seiner Zeit, nicht aber jetzt mehr existiren; werthvoll sind auch die drei historischen Volkslieder, die er uns aufbewahrt hat.

Seine Bedeutung als Historiker ist vielfach überschätzt worden. Er ist ein fleißiger Compilator, der den Wunsch hatte, seine Freunde, die Rathsherren von Brandenburg, über die Vergangenheit der Stadt und des Staates aufzuklären, wie er dies selbst in den Vor- und Nachreden zu seinen Werken sagt.

Joh. Lev. Schlicht, Horae subsecivae in Schola Saldria I (Berlin 1718), S. 86–102. – O. Tschirch, Beitr. z. Geschichte der Saldria (Brandenburg 1889), S. 12–14. – H. Pieper, Programm d. 2. Städt. Realschule zu Berlin von 1896 u. 1898. – Ad. Stölzel, Der Brandenburger Schöppenstuhl. Berlin 1901, S. 102 ff.