ADB:Glocker, Ernst Friedrich

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Glocker, Ernst Friedrich“ von Wilhelm von Gümbel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 9 (1879), S. 238–240, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Glocker,_Ernst_Friedrich&oldid=- (Version vom 20. Oktober 2019, 19:45 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Glockendon
Nächster>>>
Gloger, Constantin
Band 9 (1879), S. 238–240 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Ernst Friedrich Glocker in der Wikipedia
GND-Nummer 116664703
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|9|238|240|Glocker, Ernst Friedrich|Wilhelm von Gümbel|ADB:Glocker, Ernst Friedrich}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116664703}}    

Glocker: Dr. Ernst Friedrich G., Professor der Mineralogie und Director der mineralogischen Sammlung an der Universität Breslau, geb. am 1. Mai 1793, stammte aus einer bürgerlichen Familie Stuttgarts, wo er auch seine Jugend verlebte und erste Bildung erhielt. Von hier ging G. 1810 an die Universität Tübingen über, um daselbst philosophischen und theologischen Studien sich zu widmen. Nach Vollendung derselben widmete er sich auf kurze Zeit dem Kirchendienste, bezog aber, als eine frühere Neigung zur Naturwissenschaft bald wieder die Oberhand in ihm gewann, aufs neue die Universität Tübingen, um zuerst der Botanik, später der Mineralogie sich zuzuwenden. Zu gleichem Zwecke besuchte er später auch Halle a. S., von wo aus er eine Anstellung als Lehrer der Naturwissenschaft in Breslau 1818 fand. Daselbst habilitirte er sich 1823 [239] an der Universität durch die Schrift: „De topazio Plinii“ 1824, nachdem er schon vorher einen für den Schulunterricht sehr brauchbaren „Grundriß der Mineralogie“, Berlin 1821, geschrieben und, wie es scheint, auf Veranlassung von Treviranus eine interessante Schrift „Ueber die Wirkung des Lichtes auf die Gewächse“ 1821 veröffentlicht hatte, welche ihm den Weg zu der akademischen Laufbahn öffnete. Kleinere Aufsätze von ihm erschienen damals in Oken’s Isis. Bereits 1814 wurde G. zum Extraordinarius und 1825 als Professor am Magdalenengymnasium, aber erst 1834 nach Steffens’ Abgang zum Ordinarius an der Universität ernannt. Zugleich damit wurde ihm auch die Direction des Mineraliencabinets der Universität übertragen, für dessen Erweiterung und Bereicherung er bis zu seinem Wegzug von Breslau eifrigst Sorge trug. Neben seiner Lehrthätigkeit beschäftigte sich G. besonders mit mineralogischen und geognostischen Durchforschungen der Nachbarländer und verwendete hierzu fast ausschließlich die Ferienzeit. Schlesien, Lausitz, Mähren und die Sudetenländer durchwanderte er zu wiederholten Malen und brachte eine reiche Sammlung von Mineralien und Versteinerungen aus diesen Gebieten zusammen. In einer Reihe von Publicationen Glocker’s sind die wissenschaftlichen Ergebnisse dieser Forschungen enthalten; dahin gehören: „Beiträge zu einer Kenntniß der Sudetenländer“, Breslau 1827; „Charakteristik der schlesischen Min. Litteratur“, 2 Bde. 1827–1832; „Ueber schlesischen Hyalith, besonders über einige neuentdeckte Formen desselben, sowie über dessen Vorkommen und Entstehen“ (N. act. Ac. Leop. Carol. XIV. 1829. 545), „De Graphite moravice et de phaenomenis quibusdam originem Graphitae illustrantibus litterae“ (N. act. XVIII Suppl. I. 1841. 19–49) und viele andere Aufsätze in diesen Schriften Vol. XIX–XXV., unter denen jene über den Jurakalk von Kurowitz in Mähren und über den darin vorkommenden Aptychus imbricatus, dann „Bemerkungen über einige Terebratulen aus dem Jurakalk Mährens und Ungarns“, „Ueber die nordischen Geschiebe der Oderebene um Breslau sammt Nachtrag“ hervorzuheben sind. Besonders ist es Schlesien, um dessen genauere Kenntniß in geognostischer Beziehung sich G. unbestrittene Verdienste erwarb. Dabei zeigt sich, wie man es in seinen übrigen Arbeiten häufig bemerken kann, daß G. in allen Gegenständen, die sich auf das engere Gebiet der Mineralogie beziehen, das Feld vollkommen beherrschte, aber bei Behandlung besonders des paläontologischen Materials nicht auf gleicher Höhe der Wissenschaft stand. Seit 1833 publicirte er auch „Mineralogische Jahrhefte“ (1831–41) und gab 1839 einen „Grundriß der Mineralogie mit Einschluß der Geologie und Petrefactenkunde“ heraus. Endlich glaubte er, wie Necker und Breithaupt, den Versuch machen zu sollen, durch das Werk: „Generum et specierum mineralium secundum ordinis natur. digestorum Synopsis“ Halae 1847, eine lateinische Nomenclatur in der Mineralogie einzuführen, ohne aber dabei einen nennenswerthen Anklang unter den Fachgenossen zu finden. Als sein letztes und bedeutendstes Werk muß gelten: „Geognostische Beschreibung der preuß. Lausitz, theilweise mit Berücksichtigung des sächs. Antheils; nach den Ergebnissen einer auf Kosten der naturforschenden Gesellschaft in Görlitz unternommenen Reise entworfen. Mit 50 Figuren und Holzschnitten, 1 lithogr. Tableau und 1 geogn. Karte“, im 8. Bde. der Abhandl. der naturf. Gesellschaft in Görlitz, deren Ehrenmitglied er war. Dasselbe enthält sehr viele werthvolle Einzelangaben, welche für den unermüdlichen Eifer des Verfassers sehr deutlich sprechen; dasselbe läßt auch den Reichthum seiner höchst werthvollen und inhaltsreichen Mineraliensammlung erkennen. Zahlreiche kleinere Aufsätze in Leonhard’s und Bronn’s neuem Jahrbuch, in Schweiger’s Journal und in Poggendorff’s Annalen mögen die Zahl 50 nahezu erreichen. G. war der Typus eines Junggesellen und galt in gesellschaftlicher Beziehung als ein Sonderling, [240] der sich manchen gerechten Vorwürfen aussetzte und zuletzt es soweit kommen ließ, daß er einer ihm drohenden Untersuchung nur durch Verzichtleistung auf seine Stellung an der Universität 1854 aus dem Weg gehen konnte. G. lebte seitdem als Privatmann theils in Halle a. S., theils in Görlitz, wo er eine Zeit lang die Stelle eines Custos der naturwissenschaftlichen Sammlung versah, zuletzt mit einem gleichfalls unverheiratheten Bruder zusammen ohne wissenschaftlichen Umgang in seiner Geburtsstadt, wo er auch ganz unbeachtet und gleichsam verschollen am 15. Juli 1858 aus dem Leben schied. G. war ein sehr kenntnißreicher Gelehrter, als Lehrer der Mineralogie glänzte er durch Klarheit und Gründlichkeit in seinen Vorträgen und wurde gern gehört. Aus seiner großen Mineraliensammlung hatte er früher vieles werthvolle nach Stuttgart geschenkt, und wurde dafür durch Verleihung des würtembergischen Friedrichordens geehrt. Später trat er wegen Ablassung seiner Sammlung mit der naturforschenden Gesellschaft in Görlitz in Unterhandlungen, und als diese sich zerschlugen, mit der Universität Tübingen, der es glückte, gegen eine Leibrente von jährlich 500 Fl. diese werthvolle Sammlung zu erwerben. G. hatte nur mehr zwei Jahre hindurch des Genusses dieser Rente sich zu erfreuen.

Poggend., Biogr. lit. Handw. I, 912. Nouv. Biogr. génér. T. 21. Neues Laus. Mag. XXXIV. 9. Abh. d. naturf. Ges. z. Görlitz IX. S. 259. Oettinger, Moniteur d. Dates I. 1866.