ADB:Graf, Friedrich Hartmann

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Artikel „Graf, Friedrich Hartmann“ von Moritz Fürstenau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 9 (1879), S. 547–548, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Graf,_Friedrich_Hartmann&oldid=- (Version vom 17. Juli 2019, 23:20 Uhr UTC)
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Graf: Friedrich Hartmann (Herrmann) G., der jüngere Bruder des Vorhergehenden, geboren 1727 zu Rudolstadt, erhielt ebenfalls vom Vater den nöthigen Unterricht in der Musik, trat 1746 als Paucker in ein holländisches Regiment und gerieth bei Berg op Zoom in englische Kriegsgefangenschaft. Nach wieder erlangter Freiheit verließ er England und ging 1759 auf 5 Jahre nach Hamburg, wo er öffentliche Winterconcerte veranstaltete, als Flötenvirtuos und Componist viel Anerkennung fand und auch eine Freimaurerloge gründete. Nach einer erfolgreichen Kunstreise durch England, Holland, Deutschland, die Schweiz und Italien, trat G. zunächst als Musikus in die Dienste des regierenden Grafen Bentheim zu Steinfurt, dann (1768) als erster Flötist in die von seinem Bruder geleitete königl. Capelle im Haag, ging aber bereits 1772 als Cantor und Musikdirector des evangelischen Kirchenchores nach Augsburg, von wo aus sich sein Ruf immer weiter verbreitete. 1783 und 84 engagirte man ihn als „Componist“ für die „großen Concerte“ in London (Hanover square great concerts). Dort errang im letzten Concert am 19. Mai 1784 eine Ode von ihm mit großem Chor: „being an Address of Neptune and his attendant [548] Nereids of Brittania upon the Dominion on the sea“, außerordentlichen Beifall. Ein Beweis, wie sehr man ihn in England schätzte, war seine im J. 1789 (am 15. October) von Oxford aus erfolgte Ernennung zum Doctor der Musik. Schon vorher war er Mitglied der königl. Musikakademie zu Stockholm geworden. Nach einem überaus thätigen Leben starb G. am 19. August 1795 in Augsburg. Er hat eine große Fruchtbarkeit als Componist entfaltet. Außer vielen theils gedruckten, theils ungedruckten Sachen für Flöte und Streichinstrumente (Concerte, Quartetten, Quintetten etc.) componirte er den 29. Psalm nach Cramer’s Uebersetzung; die Hirten bei der Krippe zu Bethlehem von Ramler; eine heroische Cantate „Andromeda“ und das Oratorium „Der verlorne Sohn“, welches 1780 von dem Tonkünstlerverein in Wien aufgeführt wurde. Zeitgenossen ertheilen diesen Schöpfungen Graf’s viel Lob, das jedenfalls durch den erfolgreichen äußeren Lebensgang des Meisters als berechtigt erscheint.

Gerber, Altes und neues Tonkünstlerlexikon. C. F. Pohl, Mozart und Haydn in London. Wien 1867.