ADB:Gralath, Daniel der Ältere

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Artikel „Gralath, Daniel der Ältere“ von Franz Maria Feldhaus in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 49 (1904), S. 507–508, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gralath,_Daniel_der_%C3%84ltere&oldid=2511033 (Version vom 20. Oktober 2018, 21:53 Uhr UTC)
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Gralath: Daniel G. (der Aeltere 1708–1767). G. war am 30. Mai 1708 in Danzig geboren, wurde zuerst Gerichtsherr der rechten Stadtseite, dann Bürgermeister von Danzig. Im J. 1742 gründete er im Verein mit seinem Schwiegervater, dem Naturhistoriker Jakob Theodor Klein, die „Naturforschende Gesellschaft“, die am 2. Januar 1743 ihre erste Sitzung hielt und noch heute besteht. G. war „Director“ der Vereinigung und ihr führender Physiker. Die Mitgliederzahl betrug zuerst neun, davon nur zwei Mathematik bezw. Physik als Fach studirt hatten. Dennoch hat die kleine Vereinigung hervorragendes geleistet, so lange ihr Gründer lebte. Nach Gralath’s Tod gerieth sie lange ins Stocken.

Poggendorff hat in seinem „Biographisch-litterarischen Wörterbuch zur Geschichte der exakten Wissenschaften“, (Bd. I, Sp. 938, Leipzig 1863) gesagt, G. sei 1739 geboren und 1809 gestorben. Dieser Irrthum, Poggendorff hat aus Meusel’s gelehrtem Teutschland den Sohn statt den Vater aufgenommen, ist in fast alle spätere Litteratur zur Geschichte der Physik übergegangen. Selbst in Heller’s vorzüglicher Geschichte der Physik (Bd. 1, 1882, S. 485 bis 486) steht dies unmögliche Datum der Geburt, ebenso bei Gerland und Traumüller (Geschichte d. physikal. Experimentirkunst 1899, S. 338) wird in derselben Zeile gesagt, G. sei 1739 geboren und habe 1747 eine Erfindung gemacht. E. Hoppe’s Geschichte der Elektricität (Leipzig 1884, S. 17) hat nicht nur zuerst den Fehler in den Lebensdaten richtig gestellt, sondern auch die Verdienste und Arbeiten dieses Laienphysikers ausführlich geschildert.

Neben dem Leipziger Physiker J. H. Winkler ist G. der erste deutsche Schriftsteller über Elektricität. Mögen sich die beiden in ihren wissenschaftlichen Leistungen die Wage halten, so überwiegt G. entschieden durch eine klare Sprache, während Winkler ein kaum erträgliches Deutsch schreibt. In den [508] „Versuchen und Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft zu Dantzig“ brachte G. zunächst eine „Geschichte der Elektricität“ (Bd. 1–3). Es ist dies nicht nur der erste Versuch dieser Art, sondern auch eine mustergültige Leistung und für jene denkwürdige Periode der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, da die Physik um so viele elektrischen Versuche bereichert wurde, ein dauerndes Quellenwerk. Auch ist G. der erste, der ein kritisches Litteraturverzeichniß für die Schriften über Elektricität herausgab; es steht im zweiten und dritten Bande der Danziger Versuche und Abhandlungen unter dem Titel: „Elektrische Bibliothek“. Gralath’s Verdienste um die Förderung der jungen Elektricitätswissenschaft in Deutschland dürften sich wol erst genau feststellen lassen, wenn die in Danzig handschriftlich vorhandenen Acten: „Historia Societatis“ und „Comment. Soc. Phys. Gedan.“ edirt, bezw. kritisch durchgesehen sind. Sicher ist G. als Erfinder der elektrischen Flaschenbatterie zu betrachten. Die Erfindung muß zwischen Anfang December 1745, da v. Kleist’s erste Nachricht von der Erfindung der Verstärkungsflasche nach Danzig gekommen und dem Jahre 1747 erfolgt sein (Vers. u. Abh. I, 1747, S. 442). G. starb am 23. Juli 1767 zu Danzig.

Außer den angeführten Arbeiten: Briefl. Mittheilungen der Naturf. Gesellsch. Danzig. – Feldhaus, Die Erfindung der elektr. Verstärkungsflasche, Heidelberg 1903.