ADB:Graun, Johann Gottlieb

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Artikel „Graun, Johann Gottlieb“ von Moritz Fürstenau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 9 (1879), S. 606–607, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Graun,_Johann_Gottlieb&oldid=- (Version vom 17. Juni 2019, 09:13 Uhr UTC)
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Graun: Johann Gottlieb G., geboren zu Wahrenbrück um 1698, erhielt mit seinem jüngeren Bruder Karl Heinrich (s. d. Art.) in Dresden die gleiche musikalische Erziehung. Im J. 1718 verließ er die Kreuzschule und nahm Violin- und Compositions-Unterricht bei dem berühmten kurfürstl. Concertmeister Johann Georg Pisendel. Hierauf ging er nach Italien, wo seine Ausbildung namentlich in Padua durch Tartini sehr gefördert wurde. 1726 nach Dresden zurückgekehrt, wurde er in demselben Jahre als Capelldirector an den fürstlichen Hof nach Merseburg berufen, gab aber schon 1727 diesen Posten wieder auf, um in die Dienste des Fürsten von Waldeck zu treten. Später berief ihn der Kronprinz von Preußen als Concertmeister seiner Kammermusik nach Rheinsberg, wo er vereint mit seinem Bruder wirkte und 1740 nach der Thronbesteigung seines Herrn als Concertmeister in die königlich preußische Capelle eintrat. Er starb den 27. October 1771 in Berlin. Seine Compositionen verzeichnet Ledebur im Tonkünstlerlexikon. Er hat einige Gesangswerke für Kirche [607] und Haus, sowie viel Instrumentalcompositionen geschrieben, die in Berlin theils in der königlichen Bibliothek, theils in der Bibliothek des Joachimsthal-Gymnasiums vorhanden sind. In letztere Sammlung sind sie mit der reichen musikalischen Hinterlassenschaft der Prinzessin Amalie, Schwester Friedrich des Großen, gekommen. Gedruckt existirt nur ein Werk von ihm und zwar 6 Sonaten für die Violine, welche ohne Jahreszahl in Merseburg erschienen sind. Die königliche Musikaliensammlung in Dresden besitzt außer diesen Sonaten folgende Werke von ihm: 51 Concerte, 19 Soli, 27 Trio’s, 10 Ouverturen und Sinfonien. G. galt seiner Zeit als trefflicher Violinvirtuos, Orchesteranführer, Lehrer und Componist. Er beschränkte sich in seinen Compositionen, wie viele Deutsche jener Zeit auf die Nachbildung der italienischen Meisterwerke und bereicherte die Violinlitteratur mehr quantitativ als qualitativ. Das Hauptverdienst des Künstlers gründet sich auf seine praktische Thätigkeit als Violinist und Concertmeister, vermöge deren er namentlich für die Hebung der Berliner Orchestermusik nach dem Muster der Dresdener Capelle unter Hasse unermüdlich thätig war.

v. Wasielewski, Die Violine und ihre Meister, Leipzig 1867, S. 165 ff.