ADB:Haake, August

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Artikel „Haake, August“ von Joseph Kürschner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 257–259, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Haake,_August&oldid=3030593 (Version vom 16. Dezember 2017, 17:00 Uhr UTC)
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Haake: August H., verdienter Schauspieler und Theaterdirector, geboren am 5. Mai 1793 zu Königsberg in der Neumark, starb am 18. April 1864 [258] zu Darmstadt. Der Name H. gehört keineswegs zu den populären in der Theatergeschichte, aber dennoch hat er mehr Recht auf die Unvergeßlichkeit als mancher mehrgenannte. H. lebte nur der Kunst und ihren Idealen und diesen entsprechend zu wirken, stand ihm hoch über dem Beifall der Alltagskritiker. Er war beim Theater, was so selten ist, mit Herz und Geist bei seiner Kunst und übte diese nicht nur, sondern verstand sie auch. Sein buntes Leben ist reich an Widerwärtigkeiten und das, was man gemeinhin Glück nennt, war seines Lebens Begleiterin niemals. Der Sohn eines Schneiders, hatte er früh die liebende Mutter verloren und war zu einem Oheim gekommen, der nur mit Widerstreben in den Plan willigte, den Neffen das Friedrich-Wilhelms-Lyceum besuchen zu lassen. Prediger zu werden war Haake’s erster Vorsatz, der aber von dem neuen, Schauspieler zu werden, bald verdrängt wurde. Ein Puppenspiel brachte ihm die ersten Theaterbegriffe bei und nachdem er mit Glück eine Nachahmung desselben versucht hatte, erschloß ihm die Gluck’sche Gesellschaft, die in Königsberg spielte, die Bekanntschaft mit Kotzebue’s „Papagoy“, mit den „Räubern“, „Hamlet“, „Abällino“ etc. Die Folge davon war Versäumniß der Schulpflichten, die mit einem Verbot des Theaterbesuchs bitter genug für den jungen Enthusiasten geahndet wurden. Im Conflict mit sich und seinem Pflegevater, angeregt durch Iffland’s Beispiel, entfloh er, ging nach Berlin, wo er zum ersten Mal gute Comödie spielen sah, aber bald nach Hause zurückgebracht wurde. Versöhnt mit den Seinigen, erlangte er ihre Einwilligung, Schauspieler werden zu dürfen. H. stellte sich nun Ifflanden vor, der ihn aber trotz Begabung noch zu jung für die Bühne erfand und zum Abwarten bewog. Mit jugendlichen Idealen im Herzen mußte er sich bequemen, in Königsberg Copist bei der neumärkischen Regierung zu werden, zog dann abermals nach Berlin und erhielt von Iffland eine Empfehlung an Director Meiselbach in Stettin, wo er, als Volontär angestellt, 1812 als Soldat Kulitsch im „Wald bei Hermannsstadt“ zum ersten Mal die Bühne betrat. Als das Stettiner Theaterschiffchen bald darauf scheiterte, mimte er bei Director Keiser in Stralsund, ging dann zu Brede in Rostock, den er auf seinen Wanderfahrten nach Stralsund, Güstrow, Neu-Strelitz, Prenzlow und Greifswalde treulich begleitete, wobei er als hölzerner zweiter und dritter Liebhaber zum öftern wider seinen Willen die Lacher auf seiner Seite hatte. Der Prosa der Wanderbühnen müde, zog es ihn nach der Poesie des Hoftheaters zu Weimar, wo Goethe ihm zwar keine Anstellung, aber die tröstliche und beglückende Versicherung gab, „die Anlagen zu etwas Tüchtigem sind unbezweifelt vorhanden“. Wie in Weimar fand H. auch in Dresden kein Engagement, dagegen führte ihn sein Schicksal in die Arme eines Herrn v. d. Osten, der mit seiner Truppe oder richtiger Trüppchen die in der Theatergeographie eben nicht bedeutenden Orte: Altstadt, Rastenburg und Ilmenau bereiste. In letzterem Ort trennte sich H. von der Gesellschaft und durchzog meist von der Milde seiner Mitmenschen lebend Deutschland, den Stab in der Hand. Nur einmal gehörte er während dieser kurzen Zeit der Eisenhut’schen Truppe, die bis dahin aus dem directorialen Ehepaar allein bestanden hatte, an. Endlich lief er als Chorist am Karlsruher Hoftheater in einen gesicherten Hafen ein, gefiel hier als Schwengel in Kotzebue’s „Lohn der Arbeit“, sodaß er mit 400 Gulden als Schauspieler engagirt wurde und sich nun in der Lage sah, seine ebenfalls jetzt auf der Bühne wirkende Braut Auguste Neustädt heimzuführen. 1815 spielte er unter Frau Müller’s Direction in Düsseldorf, Köln und Mainz, 1816 in Augsburg und Straßburg, dann unter der Direction der Frau Dengler in Freiburg i. B., worauf er ein nur kurzwährendes Engagement am ebenfalls nur kurzwährenden Apollotheater in Hamburg annahm. Der eigentliche Wendepunkt in seiner theatralischen Carrière, d. h. wo diese einen [259] wirklichen und andauernden Aufschwung nimmt, fällt ins J. 1818, von dem er bis 1823 als Regisseur und Künstler theilnahm an der Thätigkeit des neuen, von Klingemann ins Leben gerufenen Braunschweiger Nationaltheaters. Er spielte damals mit Geist und Talent Liebhaberrollen und Helden, wie Posa, Tasso, Hamlet, sterbende Prinz, Orest, Don Gutierre u. A. und leistete Vortreffliches in der Regie. Ebenfalls als Regisseur seit 1823 an den vereinigten Theatern von Mainz und Wiesbaden angestellt, gastirte er 1826 an den Hoftheatern zu Wien und Berlin, wie auch in Leipzig und engagirte sich bis 1829 am Breslauer Theater. Beseelt von dem Wunsch, ein echt künstlerisch geleitetes Theater zu schaffen, übernahm er 1829 die Direction der Theater zu Mainz und Wiesbaden, und führte eine Blüthezeit des Mainzer Theaters herbei. Junge Talente wußte er um sich zu schaaren, deren Repertoir neue Reize zu verleihen und in ganz Deutschland zählte man mit Hochachtung H. zu den kunstsinnigsten Bühnenleitern. Am 16. Mai 1833 legte er die Direction nieder, um am 1. Januar des folgenden Jahres die des Breslauer Stadtheaters zu übernehmen. Auch hier leistete er Treffliches, war aber in materieller Hinsicht noch weniger glücklich als in Wiesbaden, so daß er 1838 mit 56000 Thaler Passiva abschloß. Darauf in Braunschweig, Hamburg und Oldenburg engagirt, von wo ihn seine Gesundheitsverhältnisse zu gehen zwangen, nachdem er schon im ersten Jahr zum Hoftheaterdirector mit lebenslänglichem Gehalt ernannt worden war, – machte er eine kurze Gastspielreise, war dann Mitglied und Regisseur des Stadttheaters zu Frankfurt a. M., 1854 Director in Heidelberg, spielte noch in Meiningen und Nürnberg und sah sich endlich gezwungen, der Bühne ganz zu entsagen. – Mit seiner Frau fand er ein Asyl bei seiner dankbaren Schülerin Mathilde Gräcemann in Darmstadt, woselbst er am 18. April 1864 starb. Am 7. April 1862 hatte er noch in Mainz als Nathan sein 50jähriges Kunstjubiläum begangen. Von seinem feinen Verständniß für die Erfordernisse der Schauspielkunst zeugen seine lesenswerthen „Theatermemoiren“ (1866), außer denen man noch zu seiner Biographie und Charakteristik vergleichen wolle: Peth, Geschichte des Theaters und der Musik zu Mainz (1879), p. 170–186, und Entsch, Deutscher Bühnen-Almanach, XXXIII. p. 156–158.