ADB:Hackeborn, Gertrud von

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Artikel „Hackeborn, Gertrud von“ von Wilhelm Preger in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 9 (1879), S. 73–74, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hackeborn,_Gertrud_von&oldid=- (Version vom 20. April 2019, 05:46 Uhr UTC)
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Gertrud von Hackeborn, in den J. 1251–91 Aebtissin des Benedictinerinnen-Klosters Helfta bei Eisleben. Dieses Kloster war 1229 von dem Grafen Burkhard von Mansfeld und seiner Gemahlin Elisabeth in der Stadt [74] Mansfeld gegründet worden, wurde aber schon nach wenigen Jahren nach Rodardesdorf und von da im J. 1258 in Folge der Bemühungen der G. nach dem günstiger gelegenen Helfta verlegt. G. war aus dem Geschlechte der in Nordthüringen begüterten Freiherrn von Hackeborn. Schon in ihrem 19. Jahre wurde sie Aebtissin, und es gelang ihr während einer 40jährigen Amtsführung das Kloster zu einer der einflußreichsten Stätten der Bildung und des geistlichen Lebens zu erheben. Es waren meist Töchter des thüringischen Adels, welche hier ihre Erziehung oder ein Asyl in der Unruhe und Verwirrung der Zeit suchten. Die Bemühungen der Aebtissin galten vornehmlich der Schule und sie hatte hiefür eine kräftige Stütze an der trefflichen Lehrmeisterin Mechthild von Wippra. G. forderte vor allem Beschäftigung mit der heiligen Schrift. Sie sorgte unablässig, daß das Kloster um gute Bücher reicher werde. Von den Nonnen selbst wurden viele Handschriften geschrieben; kunstfertige Schwestern, wie die Gräfin Elisabeth von Mansfeld, schmückten die werthvolleren dann wol auch mit ihrer Malerei. In der lateinischen Sprache brachten es einzelne, wie die Schrift der Nonne G. zeigt, zu ungewöhnlicher Fertigkeit. Wenn der Eifer des Studiums und das Verständniß der heiligen Schrift abnehmen werde, so meinte die Aebtissin, dann werde auch das wahre geistliche Leben untergehen. Während der Weltclerus, zum großen Theile in Weltsinn, Ueppigkeit und Unwissenheit versunken, weit hinter den Anforderungen seines Berufs zurückblieb, fand zu Helfta das religiöse Leben nicht nur die sorgfältigfte Pflege, sondern es führte hier auch das Verlangen nach religiöser Gewißheit zur Entfaltung einer Mystik, die, was sie von dem göttlichen Leben geschaut und vernommen zu haben glaubte, in Wort und Schrift zu fassen und dem Volke zu verkünden verstand. Unter G. verbrachte zu Helfta die Verfasserin des „fließenden Lichts der Gottheit“, die Begine Mechthild von Magdeburg, die letzten 12 Jahre ihres Lebens; hier ließ die jüngere Schwester der Aebtissin, Mechthild von Hackeborn, ihre Visionen und Offenbarungen von zweien ihrer Mitschwestern in dem „Liber spiritualis gratiae“ niederschreiben; hier auch hat in den letzten Jahren der Aebtissin die Nonne G. (s. den folgenden Artikel) ihren „Legatus divinae pietatis“ geschrieben: Schriften, die bald weithin gelesen wurden und in anderen geistlichen Kreisen zu gleichartigem Leben anregten. Das letztgenannte Buch ist bisher für ein Werk der Aebtissin G. gehalten worden, ein Irrthum, der seit dem 16. Jahrhundert, in welchem die Schrift mehrfach gedruckt wurde, allgemein geworden ist. Der Nachweis des Irrthums in meiner Schrift: Dante’s Matelda, 1873, und Geschichte der deutschen Mystik im Mittelalter, Bd. I. 1874, sodann in der Form eines erstmaligen Nachweises bei den mit meinem Nachweise bekannten neuesten Herausgebern des Gertrudenbuchs, den Benedictinern von Solesmes, 1875.