ADB:Hagen, Gottfried

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Hagen, Gotfrid“ von Hermann Cardauns in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 337–338, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hagen,_Gottfried&oldid=- (Version vom 17. September 2019, 07:01 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Hagen, Gregor
Band 10 (1879), S. 337–338 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Gottfried Hagen in der Wikipedia
GND-Nummer 118544721
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|10|337|338|Hagen, Gotfrid|Hermann Cardauns|ADB:Hagen, Gottfried}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118544721}}    

Hagen: Gotfrid H., Reimchronist. Der Verfasser einer der ältesten und gleichzeitig besten Stadtgeschichten des Mittelalters begegnet zuerst 1268 als Stadtschreiber zu Köln und wird seitdem häufig in Urkunden genannt. Wenn [338] er damals überhaupt schon in den geistlichen Stand eingetreten war, so hatte er nur die niederen Weihen empfangen, da er ein unerlaubtes Verhältniß nachträglich durch eine Ehe legitimirte. Später, vermuthlich nach dem Tode seiner Frau, wurde er Pfarrer von St. Martin zu Köln. Als solcher erscheint er 1286 und 1287, gestorben ist er spätestens 1301. Er war Augenzeuge wenigstens eines großen Theiles der erbitterten Kämpfe, welche die Kölner Bürger 1252–71 gegen die Erzbischöfe Konrad und Engelbert II. bestanden, und hat diese ereignißreiche Zeit, wahrscheinlich zwischen 1277 und 1287, in einem Gedicht von über 6000 Versen beschrieben. Dasselbe ist nicht ohne bemerkenswerthe poetische Vorzüge und sprachlich von hohem Interesse – leider ist nur ein kleines Stück in einer dem Original nahestehenden Form überliefert, während die einzige vollständige Handschrift überall Formen des 15. Jahrhunderts zeigt. Am werthvollsten ist die Chronik als geschichtliches Denkmal. Zwar ist die Erzählung vielfach ungenau, und die Parteistellung des Verfassers – er war Anhänger des Geschlechterregiments, heftiger Gegner der Erzbischöfe und der Zünfte – hat oft genug seinen Bericht beeinflußt; im Großen und Ganzen aber gibt derselbe ein getreues Bild der beiden Jahrzehnte, welche die Emancipation Kölns von der Fürstengewalt seiner Bischöfe entschieden. Sein Werk ist weniger Epos als Chronik, selbst die geringfügigsten Einzelheiten finden nicht selten überraschende Bestätigung. Hagen’s „Boich van der stede Colne“ wurde von mehreren kölnischen Prosachronisten des 15. Jahrhunderts benutzt, sonst hat es keinen nachweisbaren Einfluß auf die mittelalterliche Litteratur geübt. – Die älteren Ausgaben und Untersuchungen sind zusammengestellt in der Einleitung zur letzten Ausgabe des Gedichtes in den Chroniken der Stadt Köln I. 3 ff. Die Einwände gegen die dort gewonnenen Resultate und die werthvollen Mittheilungen, welche nachträglich Merlo (Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande LIX. 114) über die Lebensumstände des Dichters gegeben hat, sind Chroniken III. 962 berücksichtigt.