ADB:Hasselbach, Karl

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Artikel „Hasselbach, Karl Friedrich Wilhelm“ von Haag. in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 761–762, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hasselbach,_Karl&oldid=- (Version vom 21. Oktober 2019, 13:36 Uhr UTC)
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Hasselbach: Karl Friedrich Wilhelm H., wurde am 22. September 1781 zu Anklam als Sohn des dortigen Superintendenten geboren; auf der lateinischen Schule dort vorgebildet, studirte er seit Ostern 1799 zu Halle unter Kapp[WS 1] Theologie; doch gewann ihn F. A. Wolf’s Einfluß für ein, so scheint es, noch eifrigeres philologisches Studium. Als er zu Ostern 1802 sich über Berlin in die Heimath begeben wollte, um dort die theologische Prüfung abzulegen, ließ er sich durch die Persönlichkeit des trefflichen Pädagogen Friedrich Gedike bestimmen, in das von diesem geleitete Seminar einzutreten; seit April 1802 Lehrer am grauen Kloster, wurde er im April 1803 als Collaborator an das königl. akademische Gymnasium zu Stettin berufen. Als 1805 diese Anstalt mit dem Raths-Lyceum zu einer Schule, dem Marienstifts- und Raths-Gymnasium vereinigt wurde, war er an derselben als dritter Lehrer mit dem Titel Subrector thätig. Am 7. Januar 1828 übernahm er an Stelle des emeritirten Directors Consistorialraths Dr. Koch das Directorat. Seine Amtsthätigkeit fällt in die Zeit des großes Aufschwunges, den die preußischen Gymnasien unter der Leitung des Geheimen Rathes Johannes Schulze nahmen. Unter H. wirkte als Lehrer der Historiker und Dichter Ludwig Giesebrecht, der tüchtige Grammatiker Karl E. A. Schmidt, der geniale und schwungvolle F. F. Calo, der sich selbst als „den letzten Romantiker Stettins bezeichnete. – Das Latein, welches H. schrieb, reiht ihn den elegantesten Philologen seiner Zeit an. Sein deutscher Stil hatte besonders in seinen ersten Schriften ganz die Satzfügung, als sei er eine wörtliche Uebersetzung aus dem Lateinischen, daher M. Seyffert deutsche Stücke Hasselbach’s in eines seiner bekannten Uebersetzungsbücher aufnahm. Unter seinen wissenschaftlichen Arbeiten auf verschiedenen Gebieten – u. A. auch auf dem Gebiete der früheren Kirchengeschichte – ragt sein Antheil an der Herausgabe des ersten Bandes des „Codex Pomeraniae diplomaticus“ hervor. Von den 502 Nummern dieses Codex, der in der Zeit von 1843–62 in 6 Heften erschien und bis zum J. 1253 reicht, hat H. etwa 130 Nummern mitbearbeitet. Diese Urkunden, welche H. für die Herausgabe las resp. verglich und zum Theil commentirte, stammen aus den Matrikeln der Klöster Kolbatz, Belbuk, Verchen, Usedom, Bukow, Marienfließ, des Pyritzer und des Stettiner Nonnenklosters, aus dem Stettiner liber S. Jacobi, aus der v. Dreger’schen Sammlung von Urkundenabschriften, aus dem Stettiner Stadtarchive, der Caminer Stiftsmatrikel, dem diplomatarium oppidi Garz, dem zu Stettin befindlichen Codex Pruthenus. An nur etwa 10 Urkunden des Staatsarchives zu Stettin hat Hasselbach’s Arbeit [762] Antheil. Alle übrigen Urkunden des Codex sind von Kosegarten bearbeitet. - Die letzten Jahre der Amtsthätigkeit Hasselbach’s waren getrübt durch zum Theil amtliche Erörterungen über seine Stellung gegenüber der damals von Oben her begünstigten, strengeren kirchlichen Richtung. Ostern 1854 schied H. aus seinem Amte. Die letzten 10 Jahre seines Lebens hat er in dem von ihm selbst erbauten Hause in Grünhof bei Stettin verlebt. Er erlag einer schmerzlichen langwierigen Krankheit 1864 im 83. Jahre seines Lebens. In zahlreichen kleineren Schriften, meistens Programmen, behandelt er pädagogische und philologische Gegenstände, die Geschichte des Stettiner Gymnasiums u. A.

Haag.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. gemeint ist wohl der Theologe Georg Christian Knapp