ADB:Heß, Ludwig

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Artikel „Heß, Ludwig“ von Gerold Meyer von Knonau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 298–299, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:He%C3%9F,_Ludwig&oldid=- (Version vom 23. Oktober 2019, 21:08 Uhr UTC)
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Heß: Ludwig H., Landschaftsmaler, geb. am 16. Oktbr. 1760, † am 13. April 1800 in Zürich. Der Sohn einer tüchtigen wohlhabenden bürgerlichen Familie, war H. anfangs zum Kaufmannsstande bestimmt, dann aber in Folge der Erkrankung des einzigen Bruders für den Beruf des Vaters, das Fleischerhandwerk, in Aussicht genommen. Da der Knabe so für seine Lieblingsbeschäftigung, das Zeichnen, mehr Zeit gewann, fügte er sich gern dem Wunsche des Vaters. Ganz aus sich selbst bildete sich der den Tag hindurch von seinem Berufe in Anspruch genommene Jüngling in rastlosem Eifer zum Künstler aus. Besuche in Bülach, bei dem Großvater, führten H. zuerst in dem schönen Eichenwald bei diesem Landstädtchen zu Versuchen nach der Natur; indem er an Abenden den die Fischerei liebenden Vater auf die Fläche des Zürichsees begleitete, erlernte der Metzgerlehrling, der daneben von Thomson, Brokes, von Kleist’s Frühling und Geßner’s Idyllen sich begeistern ließ, die Schönheit der Lichtwirkungen auf dem Wasser und an dessen reizenden Ufern, die Pracht des am Horizonte stehenden Hochgebirges erkennen. Außerdem führten die für den Vieheinkauf [299] nothwendigen Reisen den jungen Mann mitten in das Hochgebirge hinein: die Blätter seines Rechenbuches wiesen neben den Abrechnungen über das dem Vater zuzutreibende Vieh die reinen unverfälschten Eindrücke der großartigen alpinen Natur auf das hoch empfängliche Auge des Beschauers auf. Allerdings mangelte demselben noch völlig das Können; denn langsam und mühevoll war dem jedes Rathes entbehrenden Kunstjünger besonders der Uebergang vom Zeichnen zu den Farben. Die Eltern gestatteten endlich, freilich noch ohne Entlassung aus dem H. immer mehr widerstrebenden Gewerbe, daß Anregungen eines wirklichen Kunstverständigen – bei Heinrich Wüst (vgl. Bd. IX. S. 120) – eingeholt wurden, welche alsbald die reichste Frucht trugen; besonders aber fühlte sich H. durch den Umgang mit Salomon Geßner beglückt. Gewonnen für ein immer emsigeres Studium der Natur, fing er nun auch an, die zur Schlachtstätte gebrachten Thiere zu malen. Andererseits aber verschaffte der wachsende Beifall, den der Sohn – auch bei dem alten Bodmer, dem geistigen Vater der zürcherischen Jugend – durch seine an Werth steigenden Arbeiten fand, demselben freiere Bewegung in seiner Thätigkeit, obschon er, in rührender Schonung für die Eltern, die Fleischerbank auch jetzt noch nicht verließ. Reisen wurden ihm ermöglicht, bei denen es sich nur noch um seine malerischen Studien handelte. 1790 nach dem dringenden Wunsch der Eltern glücklich verheirathet, gelangte er endlich 1794 zur Erfüllung der von Jugend auf gehegten Hoffnung, Rom zu sehen, und zuletzt lebte er ganz der Kunst. Noch in den zwei letzten Jahren seines Lebens warf sich H. mit eben so bedeutendem Eifer als Erfolg auch auf die Aetzkunst und vollendete eine sehr ansehnliche Zahl von Blättern, theils als Illustrationen zu gedruckten Werken, theils als eigene Serien. Eine edle, aufrichtige, einfache Natur, starb er tief betrauert in den besten Jahren, mitten in den wilden Stürmen der helvetischen Revolution. Salis-Seewis sang gleich nach dem Tode des Malers: „Hessens beseeleter Hand entströmten die hehren Gestalten, wie in das Aug’ sie gestrahlt, treu, wie das Herz sie gefühlt, als das eidesgenössische Land in seinen Reitzen noch blühte, als es noch unentweiht würdig den Wandrer entzückt! – Fremdling! in Hessens Gemälden durchwandere die Höhen und Thale, willst du das Schweitzerland sehn, wie es noch Schweitzerland war!“ H. hat das hohe Verdienst, zuerst das Hochgebirge und dessen Wunder mit feinem Verständniß in anspruchslos wahrer Wiedergabe der Kunst erschlossen zu haben: gerade die Südseite der Alpen, wo sich die Großartigkeit mit den Reizen des von ihm stets so gerne besuchten italienischen Nachbarlandes verbindet, verstand er vorzüglich in seinen Landschaftsbildern vorzuführen. Die Auswahl seiner Werke in den Sammlungen der zürcherischen Künstlergesellschaft, durch die Wittwe gesammelt, durch den Sohn (s. den Art.) dorthin geschenkt, bietet den besten Ueberblick seiner künstlerischen Leistungen. Heinrich Füßli zählt in seiner eingehenden Würdigung an den Gemälden von H. als hervorstechende Züge vornehmlich die in Farben und Gestalt wahre, nicht übertriebene charakteristische Darstellung der schweizerischen Gebirgsnatur, das frische natürliche Grün und die ganz besonders vollkommene durchsichtige Klarheit und Beweglichkeit der Wasser, ferner Harmonie und Vermeidung alles Gesuchten in Wahl und Anordnung der Gegenstände, endlich den saftigen Schmelz der Farben und bei leichter Keckheit des Pinsels den still verborgenen, Alles vollendenden Fleiß der Ausführung auf.

Vgl. Joh. Heinr. Meyer, Ludwig Heß, Landschaftsmahler (Zürich, 1800), sowie Füßli im Allgem. Künstler-Lex., Thl. II. Abschn. 1. S. 540–43.[1]

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 298 u. 299: Ludwig Heß: Vgl. jetzt noch ferner im Jahrbuch des Schweizer Alpenclub, 16. Jahrgang, 1880–1881, S. 437–462 „Ludwig Heß, der erste Schweizer Landschaftsmaler des Hochgebirges“, von G. Meyer von Knonau. [Bd. 15, S. 795]