ADB:Heiland, Samuel

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Artikel „Heiland, Samuel“ von Julius August Wagenmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), S. 310–311, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Heiland,_Samuel&oldid=2497954 (Version vom 18. Juli 2018, 06:38 Uhr UTC)
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Heiland: Samuel H. (Hailand), lutherischer Theolog, Philosoph und Pädagog des 16. Jahrhunderts, geboren den 7. Juli 1533 in Basel, † den 13. Mai 1592 in Tübingen. Sein Vater, Marcus H., gebürtig aus Vaihingen an der Enz im Herzogthum Würtemberg, der anfangs Tuchscheerer gewesen, kam nach Basel, wurde Corrector in einer Druckerei, studirte auf der Universität erst artes liberales, dann Theologie, heirathete eine Basler Kaufmannstochter Maria Iselin, wurde Pfarrer zu Bubendorf in Baselland, 1535 nach Herzog Ulrichs Rückkehr von A. Blaurer in den würtembergischen Kirchendienst berufen, Pfarrer in Gamertingen, 1537 in Calw, wo er besonders auch um Errichtung lateinischer und deutscher Schulen sich verdient machte, nahm 1540 ff. Theil an den Conventen zu Hagenau, Worms, Regensburg, floh 1548 wegen des Interims nach Straßburg, wurde hier als Diaconus an St. Nicolai angestellt, stirbt aber schon 1549. – Der junge H. studirt zuerst in Straßburg im Stift St. Wilhelm, dann in Basel, zuletzt seit 1551 im Stift zu Tübingen mit unermüdlichem Fleiß Philosophie und Theologie, wird 1554 Magister, erhält 1557 bei der von Herzog Christoph vorgenommenen Neuorganisation des theologischen Stifts in Tübingen die Stelle des Magister domus oder Ephorus (erst als Adjunct, dann als Nachfolger von Georg Liebler), 1559 zugleich die Professur der Ethik in der philosophischen Facultät und bekleidet dieses Doppelamt 33 Jahre lang mit musterhafter Gewissenhaftigkeit und Selbstverleugnung bis zu seinem nach längerer Kränklichkeit 1592 erfolgten Tod, – allgemein geachtet als ein würdiger und ernster Mann von anspruchslosem Charakter und tadellosem Wandel, von bewährter Frömmigkeit, von immensem Fleiß und ausgebreiteter Gelehrsamkeit nicht blos in den alten Sprachen, sondern auch in der Philosophie und Geschichte, Mathematik und Astronomie, Chemie und Astrologie. Besondere Verdienste erwarb er sich durch seine treffliche Leitung des Tübinger Stifts, die er im Geiste ernster, aber wohlwollender Strenge handhabte, wofür ihm viele seiner Zöglinge lebenslang ein dankbares Andenken bewahrten. Einer derselben, Nicod. Frischlin, rühmt ihn als injusti vindex innocuique pater. Unter seinem Ephorat gerade erreichte die Anstalt ihre höchste Blüthe und Berühmtheit: sie galt als die Arche Noä, als der equus Trojanus, als das Seminarium ecclesiae, das mit seinen Zöglingen nicht blos die eigene Landeskirche, sondern auch auswärtige Kirchen und Lehrstühle in großer Zahl versorgte. Das glänzendste Lob spendete seinen Einrichtungen der competenteste unter den Zeitgenossen, der Straßburger Schulrector Joh. Sturm, der 1564 das Tübinger Stift besucht hatte (s. Sturmii ep. classicae 1565: ad Albertum Borussiae ducem d. d. 30. März 1565). Auch den Verpflichtungen seines akademischen Lehramts kam H. aufs Gewissenhafteste nach; an litterarischer Thätigkeit aber hinderte ihn theils sein geschäftsvolles Amt, theils seine große Bescheidenheit. Wir besitzen von ihm nur eine einzige Schrift, und auch diese hatte er zunächst nur für seine Zuhörer bestimmt, und nur auf vielfaches Drängen seiner Freunde sich schließlich zur Herausgabe entschlossen – ein kurzes Compendium der Ethik u. d. T. „Aristotelis [311] Ethicorum ad Nicomachum libri X breviter per quaestiones expositi“ (mit Vorrede des Tübinger Aristotelikers Jacob Schegk, gedruckt zuerst in Leipzig o. J., dann in Tübingen 1585, Leipzig 1590, 1594. 8°.

Fischlin, Mem. theol. Würtemb., I. 47; M. Adam, Vitae philos., S. 173; Freher, Theatr. E., t. II.; Crusius, Schwäb. Chronik, Bd. II.; bes. aber Schnurrer, Erläuterungen, S. 461 ff.; Klüpfel, Gesch. der Universität Tübingen, S. 101; Stälin, Würtemb. Gesch., IV. 746.